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Auf der Suche nach Sinnhaftigkeit

Noch nie waren die Orientierungsmöglichkeiten so umfassend wie in unserer globalisierten Informations- und Wissensgesellschaft und doch herrschen angesichts von Offenheit und Ungewissheit Ratlosigkeit und Orientierungslosigkeit in ungeheuerem Ausmaß. Der rasant beschleunigte technische, ökonomische, gesellschaftliche Wandel, Werteverlust und Veränderung der Wertestruktur, multikulturelle Vielfalt, Individualisierung und Vermassung zugleich verunsichern den Einzelnen in unserer komplizierten Welt und von Krisen geschüttelten Gegenwart. Selbst die ehernen Gesetze des menschlichen Zusammenlebens, die Leitfunktion von Ethik und Moral für unser Handeln, die Gewährleistung der Menschenrechte für alle auf dem Globus geraten ins Wanken und Schwanken. Menschenwürde und höhere Werte wie Ehrfurcht, Achtung, Warmherzigkeit, Selbstlosigkeit, Nächstenliebe, die weniger mit den äußeren Sinnen erfahrbar sind, werden durch die vorrangig gelebte und akzeptierte Realität verdrängt. Der heutige Mensch neigt mehr dazu, das analytisch Erfassbare und Messbare gelten zu lassen, sich dem körperhaften Verlangen, dem Materiellen, der konkreten Wirtschaft und Wissenschaft, dem nach außer Gerichteten hinzugeben. So versinken wir immer mehr in Hektik, innerer Unruhe, Egozentrik und leben sozusagen an uns selbst vorbei. Es fehlt an Aufklärung über den ganzen Menschen als Einheit aus Körper, Geist und Seele. Wir horchen zu wenig in uns und die Anderen hinein, hören kaum zu und denken nicht genügend nach, wer wir eigentlich sind und was unser Menschsein bedeutet.

Die Frage nach einer lebenswerten Zukunft und dem Sinn unseres Daseins stellt sich immer drängender, während viele die Unfähigkeit zu einer angemessenen Antwort lähmt oder in Angst und Schrecken versetzt. Denn auch Kirche und Religion verlieren für den modernen Menschen an Überzeugungskraft und lassen etliche Zeitgenossen mit ihrem subjektiven Glauben allein. Naturkatastrophen, Mord und Totschlag, Terror und Gewalttaten, Kriege türmen Zweifel an der Allmacht Gottes, gar an seiner Existenz auf und stärken die Position des Gottesgegenbeweises. Der persönlich ansprechbare Gott der Religionen und der Kirche verblasst und wird mehr denn je zur abstrakten Größe mit der Folge verstärkter Abwendung von diesen Institutionen. Man wähnt sich nicht gläubig und nennt sich gar Atheist. Aber letztlich dürfte sich jeder Mensch im Kern ein Stückchen Theismus, ein Fünklein göttlicher Seele, einen Rest von Gewissen bewahren. Denn dem menschlichen Wesen sind Glaube und Hoffnung, Streben nach Anerkennung, Ausgerichtetsein auf Sinn- und Dauerhaftigkeit fest und existenziell verwurzelt, auch wenn in misslichen Lagen Verzweiflung und Pessimismus gegenüber Zuversicht die Oberhand gewinnen. Hieran kann man durchaus zweifeln und dabei sollte man sich auf die Philosophie einlassen. Die Philosophen lehren uns nämlich, dass aus dem radikalen Zweifel die Selbstge-wissheit des zweifelnden Subjekts folgt nach dem Grundsatz: Ich zweifle, also bin ich! Und wenn man kritisch die logischen Bedingungen dieser Grundtatsache untersucht, dann muss man sich mit den unabdingbaren Zielvorausset-zungen jedweder Existenz auseinandersetzen und gelangt zu allgemein gültigen Erkenntnissen über den Sinn des Lebens.

Entwicklung und Fortschritt als dialektisches Denkmodell

Heute ist die materialistische Weltauffassung verbreitet und modern, setzt sie doch nüchtern auf das konkret Greifbare, nämlich  die gegenständliche Welt, wie wir sie mit unseren Sinnen substanziell und anschaulich mit ihren Eigenschaften in Raum und Zeit sowie durch das Kausal-Prinzip (nach Ursache und Wirkung) bestimmt wahrnehmen und als objektiv existent und nachvollziehbar vorausset-zen. In diesem pragmatischen Sinne behaupten die Materialisten (unter den Philosophen) die Entwicklung der Welt aus der Steigerung der Gegensätze in der Materie und den Widersprüchen in der Natur. Das korrespondiert durchaus mit dem Darwinismus, insofern Charles Darwin die Sinnhaftigkeit bzw. Zweckmäßig-keit der Organismen auf Auslese und Erbänderung nach dem Motto "Der Stärkere setzt sich durch" zurückführt und auf dieser materiellen Basis die Entwicklungs-geschichte des Menschen erklärt. Indes übernehmen die Materialisten das System der Dialektik, das die Philosophen Proklos und Fichte als dialektischen Dreischritt entfaltet haben: Thesis (Gegebenes) - Antithesis (Aufgegebenes) - Synthesis (Vereinigung in der Auflösung von These und Antithese). Hegel hat das dialektische Prinzip auf die Geschichte übertragen und nennt die Entwicklungs-schritte: Postition - Negation - Elevation.  Auch in der Pädagogik hat man sich des dialektischen Dreischritts bedient und für die Entwicklung des Menschen das Muster "Vorbild - Gegenbild - Leitbild" geprägt. Indem das jeweils entstandene Neue in Gestalt von Synthese, Elevation oder Leitbild wiederum dialektisch in Gegensatz zu sich selbst gerät und daraus etwas Besseres hervorgeht, setzt sich die Entwicklung - letztlich unendlich - permanent in Richtung Vollendung fort.



Die Welt ist antinomisch verfasst. Sie enthält letztendlich unaufhebare Gegensätze als einander bedingende Pole. Das offenbaren Antinomien von Sein und Sollen, Ideal und Wirklichkeit, Vollkommenheit und Unvollkommenheit, Unendlichkeit und Begrenztheit, Ewigkeit und Vergänglichkeit, Leben und Tod, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Frieden und Kampf, Sicherheit und Unsicherheit, Freiheit und Bindung, Selbstbestimmung und Einordnung, Individuum und Massenmensch, Eigeninteresse und Partnerschaftsbewusstsein sowie viele andere und schließlich Gegenständlichkeit und Ichhaftigkeit. Letztere erweist sich für das philosophische Denken als entscheidend. Die Gegenstände als das Endliche, in Raum und Zeit Gegebene, der Quantität, Kausalität und damit Unvollkommenheit Unterworfene können als solche nicht zu sich selbst in Gegensatz geraten und aus dieser Determiniertheit heraus den Fortschritt schaffen. Dazu ist nämlich das Ich des Menschen gefordert, das als nichtgegenständliche, nicht kausal bestimmte, raum- und zeitlose Wesenheit und Kraft die wertvollere Anschauung des endlich Gegebenen mit seiner Verbesserungsbedürtigkeit hat. Erst durch diese ichhafte Anschauung des Vollkommeneren wird das Gegebene in Frage gestellt und nach der Idee des Idealzustandes zur Verbesserung aufgegeben. In der Vorstellung des Ich erscheint das wertvollere Gegenbild (Antithesis) des jeweils Gegebenen (Thesis) und in der Wertgerichtetheit des Ich wird es als Aufgabe oder Hypothese differenziert, konkretisiert, in die Wirklichkeit umgesetzt (Synthesis). So vollzieht sich Entwicklung als kontinuierliche Aufeinanderfolge von Dreischritten in Richtung auf den höchsten Wert.

Daher müssen wir die Materialisten nach der Ursache und Voraussetzung der Materie fragen, die logisch notwendig für die Begründung irgendeiner Existenz erforderlich ist. Wozu gibt es eigentlich Materie und noch dazu in dieser sinnvollen  Ordnung? Woher rührt die Sinnhaftigkeit dieser Welt, die sie im Mikro- und Makrokosmos als Einheit begründet und die Leibniz die beste aller möglichen Welten genannt hat? Als diesbezügliche Schlussfolgerung ordnete Leibniz dem Atombegriff das göttliche Schöpfungsprinzip der "Natura naturans" zu und erweiterte ihn zum Begriff der Monade. Denn eine Voraussetzung kann nur das zur Folge haben und eine Ursache nur das bewirken, was sie bereits enthalten. Wenn also die Materie als letzte Voraussetzung oder Ursache für den Kosmos behauptet wird, dann muss logisch notwendig mit jedem Atom als dem letzten Baustein des Weltalls das Schöpfungsprinzip impliziert mitgedacht werden. In diesem Sinne sah Teilhard de Chardin das Leben als die Achse der Materie  an, die sich nicht selbst explizieren könne, sondern dazu der Entelechie bedürfe: jener Gestaltungskraft zur Entwicklung der Anlagen, die auf eine eingespeiste göttliche Idee schließen lässt. So bringen die Stofflichkeit der Ackererde und die Materie des Samens das Lebewesen der Pflanze hervor, weil die immanente Wachstumsgesetzmäßigkeit und der schöpferische Beweggrund den Wurzeltrieb, den Laubspross, die Blüte und Frucht als Entfaltung der göttlichen Idee keimen, wachsen und gedeihen lassen. Und im Gegensatz zu den Materialisten nimmt Hegel als Zielvoraussetzung des dialektischen Prinzips den "absoluten Geist" (Begriff für das Göttliche) an, der im Weltschöpfungsprozess über den subjektiven Geist (Ich des Menschen) und objektiven Geist (Werke des Menschen) zu sich selbst gelangt und sich vollendet. Teilhard de Chardin setzt den "Punkt Omega" als Begriff für das Ziel der kosmischen Entwicklkung und postuliert als höchste Zielvoraussetzung der gegenständlichen Welt die Verwirklichung der höchsten Werte des Wahren, Guten und Schönen, gleichsam des Göttlichen. Das Streben danach erhöht die Menschheit und führt sie (nach seiner Auffassung)  zur "Einmütigung" oder "Christogenese": der letzten Entwicklungsphase des Kosmos und der Menschheitsgeschichte, der gottgewollten und gottwollenden Einswerdung, der christlichen Verbrüderung aller Menschen. Dazu müssen wir nach Margarete Friebe unsere zerstörend auf Mensch und Umwelt einwirkende Egozentrik überwinden und als Träger von höchstem Bewusstsein und Schöpferkraft die "Christus-Flamme" in uns entfachen und im Ich bzw. "ICH-BIN" der Inkarnation der "individualisierten Gottheit in uns" gerecht werden.  

Die Welt als logische Einheit

Unserem Denkmodell von Fortschritt und Entwicklung liegt ein philosophisches Weltbild zugrunde, das im Sinne Kants die Welt als logische Einheit von Gegenständlichkeit und Transzendentalem begründet. Mit Letzterem ist das  Jenseitige unserer Erfahrungserkenntnis gemeint, das die Grenze unserer Bewusstseinsinhalte überschreitet, aber mit den sogenannten Voraussetzungen a priori unserer gegenständlichen und wissbaren Welt die Form verleiht und uns Menschen zum Nachdenken und zu Einsichten befähigt. Nach Kant sind dies die Grundbegriffe von Raum und Zeit sowie die Kategorien oder Begriffsformen der Substanz, Quantität und Kausalität, die als solche nicht räumlich und zeitlich bestimmt sind, keine Eigenschaften haben, nicht quantifizierbar sind und nicht auf dem Gesetz von Ursache und Wirkung beruhen. Sie erweisen sich als das Ichhafte, als formende Kraft unseres Geistes und Bewusstseins, Denkens, Fühlens und Wollens, beleben und beflügeln unsere Seele, fungieren als Grundvoraussetzung zur Erkenntnis und Gestaltung der Welt in Freiheit und Verantwortung. Demgegenüber macht das Gegenständliche das Endliche und Substanzielle aus, ist Begriff für das, was in Raum und Zeit determiniert ist, Anfang und Ende hat, Eigenschaften aufweist, zerlegbar  und auflösbar sowie dem Prinzip von Ursache und Wirkung unterworfen ist. Solchermaßen gehört es zum Bereich des Wissbaren, Diesseitigen, Physischen, der Vergänglichkeit und des Todes, der Immanenz und Erfahrung, gibt sich als Inhalt unseres Bewusstseins, das die gegenständliche Welt als geistige Form- und Vorstellungskraft umgreift. Das stimmt grundsätzlich mit Platons Ideenlehre überein, wonach Ideen eigenständig als Nichtgegenständliches existieren und als Urbilder oder nicht sinnlich wahrnehmbare allgemeine Begriffe den empirischen Gegenständen zugrunde liegen, während Letztere sich als Abbilder erweisen.



Der Mensch repräsentiert in diesem philosophischen System, z. B. nach Descartes, die Synthese beider Welten: der Welt des Unwissbaren, Jenseitigen, des Glaubens, Metaphysichen, der Transzendenz einerseits und der Welt des Wissbaren, Physischen, Diesseitigen, der Immanenz andererseits, insofern er seinem Wesen nach Ich oder Nichtgegenständlichkeit und Körper oder Gegenständlichkeit zugleich ist. Denn der Mensch ist ichhaft oder ein Geistwesen, so gewiss er denken, fühlen und wollen kann, was seine Lebendigkeit verleihende Seele ausmacht, und so gewiss er Bewusstsein hat und damit das Gegenständliche ins Mikrokosmische und ins weite Universum analytisch und zusammenschauend verfolgen, die Welt erkennen und schöpferisch gestalten kann. Die Erkenntnis- und kreative Gestaltungskraft ("Natura naturans") unterscheidet ihn von den Tieren, die ausschließlich als gestaltete Natur ("Natura naturata") Lebewesen sind, die instinktiv nach den einprogrammierten Naturgesetzen leben und handeln, sozusagen in der gegenständlichen Welt gefangen sind, der Vergänglichkeit und dem Tod anheim fallen. Daran ist auch der Mensch gefesselt, sofern er körperhaft und ein Säugetier ist. Aber er erschöpft sich nicht im Tierhaften, Körperlichen und Gegenständlichen, sondern ist auf den Körper als Instrument des Diesseitigen, als physisches Werkzeug angewiesen, um sich der vorfindlichen, uns anvertrauten und mit Leben gefüllten Welt anzunehmen sowie mit Vernunft und Verantwortung zu bearbeiten und in Richtung Vollendung auszugestalten, und zwar angesichts der höchsten Gefahr zu scheitern und das All und die gesamte Menschheit zugrunde zu richten. Obwohl wir im tiefen Seelengrunde dem Göttlichen verwandt, zur Anschauung und Akzeptanz von höchsten Werten wie z. B. der moralischen Verpflichtung zur Umsetzung der Menschenrechte für alle fähig sind, ist der Mensch aufgrund seiner körperhaften Erdung kein Ebenbild Gottes.  Er ist weder mit dem absoluten Geist noch mit dem Punkt Omega oder dem identisch, wie immer wir den allmächtigen Schöpfer begrifflich als letzte logische Zielvoraussetzung jedweder Existenz noch nennen wollen. So sagte Goethe angesichts seiner berühmten Gretchenfrage im "Faust" er habe keinen Namen dafür. Gleichwohl fühlten sich schon Herrscher auf Erden gottähnlich oder wähnten sich gar gottgleich infolge von Macht über Menschen und Reichtum - und sind doch eher erbärmliche Kreaturen, da sie die wahren Werte verkannt oder verdrängt haben und den eigentlichen Sinn des menschlichen Daseins verfehlen. Und es gibt berühmte und wohlhabende Leute, die Glück und Sinnerfüllung in der aufopfernden Hilfe für die schicksalhaft Benachteiligten, Armen und Kranken suchen und finden, was auf die anzustrebende Verbesserung der Welt und Vollendung der Menschheit zielt.

Menschliche Unsterblichkeit als Desiderat zu Ende gedacht und auf den Punkt Omega gebracht

Im dargelegten logischen Rahmen sei abschließend und kritisch die Existenzfrage erörtert, ob der Mensch als Wesenheit bzw. Wesenseinheit aus Körper und Geist als unsterblich begriffen werden kann oder letztlich doch nur einen Organismus mit besonderen Fähigkeit darstellt und der Wunschtraum ewigen Lebens mit dem Tod verloren geht, wie die Skeptiker und Materialisten meinen. Wenn Letztere Recht hätten, dann müsste der Mensch ausschließlich gestaltete Natur (Natura naturata), tierhaft, kausal determiniert sein, wäre nur gegenständlich, endlich und vergänglich. Aber der Mensch unterscheidet sich ja gerade dadurch vom Tier, dass er nicht vollständig dem Ursache-Wirkungs-Prinzip erliegt. Er besitzt darüber hinaus Freiheit und kann entscheiden, alternativ denken, kreativ handeln, sich schöpferisch betätigen und die Welt verändern wollen. Insofern erweist er sich als gestaltende Natur (Natura naturans), trägt Verantworung und hat mit seinem transzendentalen Ich und der Formkraft seines Bewusstsein am Metaphysischen, Raumlosen, an der Ewigkeit und Unsterblichkeit teil.  

Allerdings ist das menschliche Leben als körperhaftes, irdisches Leben gegenständlich definiert und muss die Kriterien der Gegenstände erfüllen: die Bedingungen der Raum- und Zeitabhängigkeit, Eigenschaften, Quantität, Auflösbarkeit, Kausalität. Für die Erfahrung und Wahrnehmung des menschlichen Lebens ist die Vergegenständlichung im menschlichen Körper konstitutiv. Jedoch muss deswegen das menschliche Leben nicht im Ganzen gegenständlich sein. Denn es stellt sich die Ursprungsfrage nach der Voraussetzung  und Zielsetzung des somatischen Lebens, das es ohne Grund nicht gäbe, und insofern ist zu seiner logischen Begründung die umfassende Form a priori von Zeit, Raum, Substanz, Quantität und Kausalität gefordert. Das ist die Zielvoraussetzung für die Möglichkeit irgendeines körperlichen oder irdischen Lebens und gleichfalls jedweder gegenständlichen Existenz, die als solche nichtgengenständlich, unsichtbar, einfach und unzerstörbar oder ichhaft ist: Form von Bewusstsein, Gestaltungskraft von Denken, Fühlen und Wollen, göttliches Schöpfungsprinzip. Das Ich erweist sich in seiner Wertgerichtetheit als Urgrund für Erkenntnis und Gestaltung der gegenständlichen Welt und des menschlichen Lebens und der Mensch hat daran über das Körperhafte hinaus teil, womit die Bipolarität menschlichen Wesens als körperlich und ichhaft zugleich aufgewiesen ist.

Aufgrund dieser Zwiespältigkeit, die sich aus dem vergänglichen Körper und dem zeitlosen Ich ergibt, ist menschliche Unsterblichkeit, das heißt menschliche Individualität in Ewigkeit nicht somatisch, sondern ausschließlich im Rahmen des Ich oder der unzerstörbaren Seele möglich. Die großen Denker sagen (nach Margarete Friebe), der Mensch ist Geist und Seele und hat einen Körper, der vergeht, während Geist oder Seele als geistiger Ist- oder Seins-Zustand bestehen bleiben. Indes kann die Entwicklung des Menschen mit der Auflösung seiner körperhaften Gestalt durch den leiblichen Tod nicht beendet sein. Sonst wäre sie sinnlos und nicht durch die Zielvoraussetzung von Wert bestimmt - weshalb überhaupt etwas entsteht. Soweit also im menschlichen Dasein Entwicklung stattfindet, insoweit muss die Zielvoraussetzung von Wert über den Tod hinaus Geltung haben. Demnach ist menschliche Individualität von vornherein in der Aufgabe, Hypothese oder Idee der Bestimmung des Menschen impliziert und in der Allgemeinbildung von Ich, der geistigen Gestaltungskraft oder Seele vorauszusetzen. Das bedeutet, die Möglichkeit der individuellen Beständigkeit des Menschen in der Ewigkeit durch das zeit- und raumlose Ich, also als Geistwesen, ist zwar logisch zu begründen, aber die somatische Überlebensfähigkeit des Menschen ist damit nicht bewiesen. Wir müssen uns mit dem Widerspruch auseinandersetzen, den die Mystiker unter den Philosophen wie u. a. Nikolaus von Kues als "Coincidentia oppositorum" bezeichnen, nämlich als Zusammenfallen des Gegensatzes von konturloser Allgemeinbildung und Individualität im Ich. Nach ihrem Spiegelgleichnis verhält sich das Ich zu Gott oder dem Schöpfer wie ein Spiegel zur Sonne. In jedes Menschen Seele spiegelt sich ein und dasselbe göttliche Wesen als Ganzheit und Einzigkeit, jedoch in jeweils besonderer Weise nach der je eigenen Individuallage. Im gleichen Sinne ist das Ich im Göttlichen oder Punkt Omega begründet. Soweit alle Menschen auf denselben Wert gerichtet sind - etwa in der Anschauung des göttlichen Wertes -, erweisen sie sich in ihrem Seelengrund oder Ich identisch, obwohl sie sich in einer jeweils verschiedenen, individuellen Position oder Beziehung zum Angeschauten befinden, was außerhalb der Dimensionen von Raum, Zeit und den Kategorien des Gegenständlichen schwer vorstellbar ist.  

Demnach ist unser Denken zwar an die Erkenntnisfähigkeit unseres je eigenen Gehirns gebunden, aber menschliches Bewusstsein genügt gleichfalls dem Anspruch und Kriterium absoluter Objektivität. Indes versuchen die Hirnforscher mit den ausgeklügelten Methoden der modernen Naturwissenschaft und Technik den Sitz des Ich oder der Seele im Gehirn, das denkt und unser Ich erzeuge, zu identifizieren. Dabei haben sie viel Wissenswertes über die Entwicklung, den Aufbau und die Funktion dieses einmalig komplexen und leistungsfähigsten Organs, das es nach bisherigem Erkenntnisstand auf der Erde gibt, ermittelt. So weiß man über die Hirn-Areale Hirnstamm und Zwischenhirn (Gebiet angeborener Instinkte), Kleinhirn oder limbisches System (Ort der Triebe, Emotionen, des Gedächtnisses) sowie Großhirn oder Neocortex (Sitz von Vernunft, Verstand, Logik) und ihre Verbindungen, die Elemente der Nervenzellen und elektrochemischen Abläufe in ihnen, die Signalübertragungen in den neuronalen Schaltkreisen und ihrer Zuständigkeit für die einzelnen körperlichen Funktionen differenziert Bescheid. Doch obwohl Röntgen-Computer- und Kernspinn-Tomografie hochauflösende Bilder über die Hirnprozesse liefern, ist der Mechanismus noch nicht entschlüsselt, der Geist, Sinn und Verstand hervorbringt. So bilden nach Precht Körper und Geist zwar eine Einheit und das menschliche Bewusstsein erweist sich als Zusammenspiel mit Körper und Erfahrungen, aber die Hirnforscher haben kein Ich-Zentrum, keine Zentralinstanz von Verstand, Gefühl und Wille gefunden, weshalb viele das Ich für eine Illusion halten. Allerdings braucht uns das nicht zu wundern, denn die Hirnforscher untersuchen lediglich Gegenständliches und das gilt auch für die Ableitung von Ich-Gefühl und Selbstwert-Konzepten aus Empfindungen.



Jedenfalls lässt sich der Mensch seiner letzten und eigentlichen Bestimmung nach als jeweils besonderer Gedanke Gottes oder des Schöpfers, als einmalige, unwiederholbare Aufgabe seiner Gestaltung und Vollendung behaupten. Das heißt, bereits in der allmächtigen Schöpferkraft, in der göttlichen Idee des Menschen, aus der heraus alle Menschen geschaffen, nämlich expliziert, differenziert, als Folge hervorgebracht sind, ist die Besonderheit von vornherein mitzudenken, Individualität als Grundstruktur auch in der Allgemeinbildung von Ich logisch vorauszusetzen. Somit ist Individualität als solche sinnvoll und Menschenbildung im Absoluten begründet. Demzufolge erweist sich gleichfalls der gegenständliche Leib und Organismus überhaupt, das gesamte Universum als sinnvoll und wertbestimmt. Und insofern kommt Gott oder dem Schöpfer als höchster Zielvoraussetzung von Wert die Aufgabe zu, ein unendliches und ewiges Dasein zu gestalten. Deshalb muss die gegenständliche Körpergestalt nicht die endgültige sein, sondern man hat dafür den Begriff der Verklärung des Körperhaft-Gegenständlichen geprägt. Doch das bleibt wie etwa in der Auferstehungslehre des kirchlichen Dogmas immer dem Glauben jenseits der Grenzen von Wissen aufgegeben. Wir können diese vergeistigte Welt nicht mehr mit unseren Sinnen im physiologischen Geschehen wahrnehmen. Somit ist die Unsterblichkeit des Menschen letztlich nicht nachweisbar, aber wir sind nach Kants "Kritik der praktischen Vernunft" berechtigt, sie für möglich zu halten, um uns in einem prinzipiell unendlichen Prozess der moralischen Vervollkommnung anzunähern.

Naturalismus und Theismus – eine kritische Konklusion/Schlussfolgerung

Unsere logische Argumentationsweise ist grundsätzlich am Neukantianismus  und der herkömmlichen Philosophie in der Nachfolge Immanuel Kants ausgerichtet und liegt damit ziemlich quer zum Trend moderner Philosophie einer naturalistischen Metaphysik und eines atheistischen, modalen Realismus, der dem eingangs angesprochenen materialistischen Denken vieler Zeitgenossen entgegenkommt. Da fällt Holm Tetens, Philosophie-Professor an der Freien Universität Berlin, mit seinem Ansatz rationaler Theologie (2015), nämlich Gott vernünftig zu denken, aus dem Rahmen. Indes korrespondiert Tetens Philosophie grundsätzlich mit unseren Ausführungen, indem er sich kritisch vergleichend mit den Kernthesen des Naturalismus und des theistischen Idealismus auseinander setzt, sodass wir seine Argumentation für unsere abschließende Konklusion heran ziehen.

Die Kernthese des Naturalismus lautet: Die materielle Welt der konkreten Dinge und Ereignisse stellt die einzige und eigentliche Wirklichkeit dar, wie sie im Wesentlichen zutreffend durch die Erfahrungswissenschaften, insbesondere die Naturwissenschaften, beschrieben und erläutert wird. Danach sind wir Menschen nicht nur als gegenständliche, körperhafte Wesen, sondern ebenfalls und gerade als ichhafte, geistige Subjekte nichts anderes als kompliziert organisierte Materie und funktionieren ausschließlich nach den Naturgesetzen. Dazu wird laut dualistischer Emergenz-Theorie behauptet, dass sich das Geistige und unser Bewusstsein, die wir als nichtgegenständlich annehmen, aus dem Materiellen höher entwickeln, also das Mentale aus dem Physischen emergiert, nämlich aus dem bislang Vorhandenen unerwartet und unvorhergesehen Etwas qualitativ Neuartiges entsteht. Im kausalen Sinne wird nach Atkins den Naturwissenschaften, nicht zuletzt mit Unterstützung der Mathematik, mit ihren wissenschaftlichen Methoden des Beobachtens, Messens, Vergleichens, Überprüfens (mit Laborexperimenten), stringenten Ergebnis-Ermittelns einschließlich Offenheit für Revisionen jedoch die Leistungsfähigkeit zugeschrieben, im Laufe der Zeit jede existenzielle Frage vom Anfang bis zum Ende des Universums zu klären. Dass noch Manches und durchaus Wesentliches im Dunkeln steht, liege lediglich daran, dass bislang nur eine winzige Probe des Universums in einer ganz kurzen Zeitspanne seiner Existenz zur Verfügung steht. Aber die ungeheuere Fähigkeit der kollektiven menschlichen Intelligenz wird letztlich auch Gewissheit darüber schaffen, wie ohne einen allmächtigen Akteur wie den Gott religiösen Glaubens aus dem absoluten Nichts das Universum entstehen und der Prozess der Kosmogenese in Gang gesetzt werden konnte. Gleichfalls werden die empirischen Wissenschaften noch das Ende des Alls erhellen, und zwar bevor es soweit ist, beschreiben, auf welche Weise alles aufhören wird, Sonne und Sterne erlöschen, die Erde zu Schlacke zerfallen, die Galaxien mit der Expansion des Universums verschwinden werden. Einstweilen weist Peter Atkins, Chemie-Professor in Oxford, in seinem aktuellen naturalistischen Werk über das Sein (2013) exakt und anschaulich nach, wie sich die Menschen in der Biosphäre nach dem zellularen Mechanismus der geschlechtlichen Fortpflanzung und der molekularen Grundlage der Vererbung sowie dem Prinzip der natürlichen Auslese entwickelt haben, obgleich der Ursprung von Organismen und des Lebens immer noch ein schwieriges Rätsel bleibt. Und er schildert geradezu in naturwissenschaftlicher Akribie die totale Auflösung unseres Körpers beim leiblichen Tod, damit kein Zweifel an der völligen Zersetzung der so komplex organisierten und interagierenden Materie bleibe, die aufgrund der neuronalen Aktivitäten die Operationen des Gehirns als Träger unseres Bewusstseins ermöglicht. Mit dem Zerfall unseres Geistes als angenommenes Körpersubstrat und dem Gehirn als Produktionszentrum unseres Selbstwertgefühls schwinde jede Hoffnung auf eine materiebasierte Wiederauferstehung und die Seele erweise sich nur als Metapher in einer gottlosen Welt, in der wir zufällig leben und neben der es viele andere Welten gibt, zu denen wir keinen Zugang haben (modaler Realismus).                   

Demgegenüber lautet die von Tetens vertretene Kernthese des Theismus bzw. theistischen Idealismus: Gott existiert als allmächtiger Schöpfer der Welt, und zwar als unendliches vernünftiges Ich-Subjekt. Als solcher schafft Gott uns Menschen als endliche geistige Ich-Subjekte und will unbedingt unser Heil. Allerdings ist die Entwicklung der Welt mit den Menschen als bedingt freie Gestalter des Daseins prinzipiell offen und Gott muss das Böse sowie ebenfalls Leid und Tod zulassen, damit sich das Gute durchsetzen kann und schließlich in einer neuen, besseren Welt durch Auferstehung der Toten, Gericht, Vergebung und Versöhnung der Menschen Gnade und Gerechtigkeit walten können, was etwa dem Begriff der Christrogenese als höchster Zielsetzung vergleichbar ist. Allerdings können wir Menschen in unserer Endlichkeit Gott in seiner Transzendenz als unendliches Ich-Subjekt nicht direkt erkennen und seine Existenz nicht schlüssig als Wirklichkeit beweisen. Aber wir können Gott als ernst zu nehmende Möglichkeit rational denken und über seine überragende, zielgebende Rolle als allmächtiger Schöpfer der Welt und seine Bedeutung für unser Leben vernünftig argumentieren. Trotz seiner unangetasteten Transparenz können wir seine Macht und Fähigkeiten definieren und Gott kann durch uns Menschen indirekt in der Erfahrungswelt gegenwärtig sein, insofern wir auf ihn hoffen, ihn loben, in unserer Not anrufen, fürchten, eine Beziehung zu ihm aufbauen, unterhalten, auch abbrechen, was unsere Haltung und unser Handeln maßgeblich beeinflussen kann. So denkt sich nach Hegel Gott im Menschen selbst. Der Gottgläubige vertraut auf den gerechten, barmherzigen Gott, der unser Heil will, er akzeptiert ihn als Richter und Erlöser, wie das andere Gläubige ebenfalls tun, sodass sich daraus erkenntnistheoretisch ein transzendentales Rahmenprinzip ergibt. Indes lässt sich dieser tiefe Gottesglaube, der bereits auf einer verinnerlichten Hoffnung beruht, vielleicht durch Denken und Erfahrungsaustausch unter Gleichsgesinnten befördern, jedoch nicht erzwingen, sondern muss als Gnade oder Geschenk Gottes – durch welche Ereignisse auch immer – jeweils selbst erfahren werden.                    

Die kritische Abwägung dieser Ansätze offenbart Probleme und Chancen bei beiden Kernthesen. Widmen wir uns zunächst den Defiziten der naturalistischen Kernthese. Da aus einer Voraussetzung nur folgen kann, was sie impliziert, erweist es sich als unmöglich und zudem unbefriedigend und unwahrscheinlich, dass die empirischen Wissenschaften irgendwann den Ursprung der Welt aus dem absoluten Nichts schlüssig nachweisen können. Gleiches gilt für die Emergenz des Mentalen aus dem Physischen. Damit ist nicht erklärbar, warum es in einer rein materiellen Welt erlebnisfähige und selbstreflexive Ich-Subjekte gibt. Die exakte, naturgesetzliche Erläuterung des leiblichen Todes lässt die Hoffnung auf ewiges Leben suggestiv schwinden und erschwert den christlichen Heilsglauben. Die Erwartung des endgültigen Aus der menschlichen Existenz und letztlich des Weltalls erzeugt fundamentale Angst, Frustration, Resignation, Panik, mindert die Lebensqualität. Aussichtslosigkeit, Ungerechtigkeit und tief empfundene Sinnlosigkeit provozieren rücksichtslosen Egoismus und die Hinwendung zum Bösen.

Dennoch gibt sich die naturalistische Auffassung ambivalent und eröffnet gleichfalls Chancen hinsichtlich der Konsequenzen für uns Menschen. Aus der Konzentration auf das Diesseits ohne göttliche Geborgenheit resultiert die Übernahme hoher Eigenverantwortung, da es gilt, aus seinem begrenzten Dasein selbst das Beste zu machen. So geben wir durch Fortpflanzung und Vererbung unsere Gene, Eigenschaften, Eigenarten weiter, gründen Familien, ziehen Nachkommen auf und setzen Spuren unseres Menschseins über den leibhaftigen Tod hinaus. Und wir schaffen, jeder nach seinem Maße, persönliche Zufriedenheit und Erfüllung durch soziale Taten und geistige Werke zu Lebzeiten und Manche gar Großes und Ruhm darüber hinaus. Kein Mensch als selbstreflexives Wesen ist absoluter Nihilist und Gottgläubigkeit erweist sich nicht als notwendige oder ausschließliche Bedingung zur Verwirklichung der Menschenrechte sowie der Weltverbesserung für ein brüderliches und friedliches Zusammenleben aller Menschen im Einklang mit der Natur, also als optimale Annäherung an die Zielsetzung, die wir als Christogenese postuliert haben.

Die Probleme des Naturalismus nähren die Hoffnungen des theistischen Idealismus, dessen argumentative und logische Stärke in der Zielvoraussetzung Gottes als allmächtiger Schöpfer der Welt und der Menschen als geistige Ich-Subjekte besteht. Dadurch ist theoretisch gewährleistet, dass sich die Kosmogenese widerspruchsfrei in einem unendlichen Prozess und in Gerichtetheit auf den höchsten, den göttlichen Wert entwickeln kann. Die Überzeugung, dass ein vernünftiger, gerechter, gütiger Gott unser Sckicksal letztlich überwacht und zum Guten wenden wird, schafft Zuversicht für ein grundsätzlich sinnvolles Leben und spornt zu christlicher Daseinsbewältigung an. Die Erwartung des göttlichen Gerichts zur Herstellung von Ausgleich und höchster Gerechtigkeit sowie Sanktionen der Buße und Gnade sollen und können die Bereitschaft zur Vergebung und Versöhnung fördern. Die Hoffnung auf Wiederauferstehung und Aussicht auf ein ewiges Leben in einer besseren, wenn zwar fernen, künftigen Welt erfüllen mit Genugtuung und helfen, die Unzulänglichkeiten und das Leid in Gegenwart und Diesseits eher zu ertragen.  

Letzteres verweist auf die Probleme des Theismus. Und zwar ist es vor allem das ungeheuere Ausmaß des Leides, das seit eh und je in dieser Welt vorherrscht und das der allmächtige , gütige Gott unerklärlicher Weise so zulässt. Besonders die fortwährenden Kriege mit ihren Zerstörungen, Grausamkeiten und den massenhaft Getöteten sowie den Flüchtlingstragödien lassen die Menschen verzweifeln und auch Christen daran zweifeln, dass Gott existiert und wirklich unser Heil will. Darin manifestiert sich für viele der stärkste Gottes-Gegenbeweis, da der Glaube an einen gottgewollten Fortschritt zu einer besseren Welt nachhaltig erschüttert wird. Zwar gibt es Einzelschicksale, bei denen Menschen in Kriegsnot die Gnade Gottes erfahren haben und gläubig wurden, jedoch insgesamt werden die Leute durch die Kriegsgeschehnisse und schlimme leidvolle Erfahrungen eher vom Glauben abgekehrt denn überkommen. Schließlich erweist sich noch die Proklamation der leiblichen Wiederauferstehung der Toten als relativ schweres Glaubenshemmnis. Angesichts der körperhaften Vergänglichkeit soll die Kontinuität der Persönlichkeit nicht mit der Unsterblichkeit der Seele in geistiger Sphäre gewährleistet sein, sondern der Mensch nach dem Bauplan Gottes, dem die Macht dazu zuzubilligen ist, neu entstehen.  


Als Fazit ergibt sich: Beide metaphysischen Kernthesen sind durch die Argumentation weder bewiesen noch widerlegt, sondern als theoretische Möglichkeit behauptet, naturalistische und theistische Weltdeutung nach vernünftigen Aspekten logisch-begrifflich mit einander zu vergleichen und abzuwägen. Sowohl das naturalistische Negativ-Szenario als auch das theistische Positiv-Szenario können sich durch die reale Entwicklung der Welt als falsch oder richtig erweisen. Von beiden Positionen aus kann man indes die Fragen nach dem Sinn unseres Daseins stellen und die Erfahrungen und Erkenntnisse interpretieren. Und man kann unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen. Für Tetens sind zwar beide Kernthesen gleichsam spekulativ, aber er wirft den heutigen Philosophen vor, dass sie mehrheitlich den naturalistischen Ansatz für „höchst diskutabel“ halten, sich damit beschäftigen und zu „existenziellen Absurditäten“ gelangen wie z. B. Sartre, während sie ignorieren oder ablehnen, den theistischen Idealismus über die Welt als Schöpfung Gottes zu betrachten. Letzterem gibt Tetens den Vorzug, weil er in sich schlüssiger, jedenfalls nicht absurd sei und einen „ungemein trostreichen Gedanken“ ausdrücke. Unsere Bilanz fällt indessen ausgewogener und offener aus, obwohl wir im neukantianistischen Sinne ein umfassendes Schöpfungsprinzip der Welt voraussetzen, wie immer man es auch nennen mag. Denn wie aufgezeigt, ist denkbar und möglich, dass man (wie z. B. der Verfasser) – auch ohne vom göttlichen Offenbahrungsglauben persönlich begnadet und beseelt zu sein – sich wie ein Christ als guter, zielstrebiger, selbst verwirklichender Mensch erweisen und betätigen sowie seinen Beitrag zur angestrebten Christogenese im Diesseits leisten kann. Welche Philosophie und Geisteshaltung mehr Anhänger für das im Grunde gemeinsame Ziel mobilisieren wird, dürfte ebenfalls offen sein. Wichtiger ist sowieso, dass sich möglichst viele, gleich welcher Gesinnung, dem als wertvoll erkannten, humanen, welterhaltenden Ziel stelllen.

Ganzheitliche Theorie des Jenseits und der Ewigkeit

Interessanter als unser Verweis auf Kants Glaubensfeststellung zur Unsterblichkeit der Seele erweist sich die Theorie ganzheitlichen Denkens von Markolf H. Niemz, der als Physiker auf Erkenntnisse der Naturwissenschaft, Sterbeforschung und Religion zurückgreift, um die letzten Fragen unserer Existenz nach Unsterblichkeit, Jenseits, Ewigkeit, Gott schlüssig zu erklären. Dazu setzt er bei der vorfindlichen Natur an, in der es Gesetze oder Regeln, aber gleichfalls Zufälle gibt. Indes stellen sich die Naturgesetze nicht selbst auf, sondern haben nach dem Ursache-Wirkungs-Prinzip eine Quelle, die Niemz Gott nennt. Die Zufälle machen das Leben allerdings zum Spiel. Jedoch muss Gott nach Niemz‘ Argumentationskette keine Wunder vollbringen, um das Böse und Katastrophale abzuwenden, wie es vom Allmächtigen nach der sogenannten Theodizee-These erwartet wird. Denn nach den Berichten von Nahtoderfahrenen existiere über das Ich des einzelnen Menschen hinaus etwas viel Wertvolleres, nämlich seine im Leben verwirklichte Liebe und sein erworbenes Wissen, welche die Seele ausmachen und das Jenseits in Ewigkeit füllen. Niemz gebraucht den Ich-Begriff in Abweichung von der herkömmlichen Philosophie und unserer Terminologie als Einheit von Körper und Seele, also Mensch, während wir das Ichhafte ausschließlich nichtgegenständlich als Seele definieren – ein Begriffsunterschied, der dem Theorieverständnis freilich keinen Abbruch beschert.

Im Zuge seiner Theorie über das Leben und den Tod stellt Niemz in kompakter und erläuterter Form „fünf Fakten“ heraus:
1. Irgendetwas bewirkt, dass überall im Kosmos Naturgesetze gelten wie Energie = Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat. Den Urheber dafür bezeichnen wir allgemein als Gott, den sich viele Menschen als Beziehungswesen personal vorstellen, der aber auch im Sinne von Niemz (und mir) abstrakt als Schöpfungs-Prinzip – als Schöpfer und Schöpfung zugleich – aufgefasst werden kann.
2. In der Natur gibt es Zufälle wie z. B. genetische Mutationen. Sie sind für eine freie Entfaltung nötig und erweisen das Leben als ein Spiel, bei dem das Erschaffen von Liebe und Wissen eine entscheidende Bedeutung hat.
3. Zur Natur gehören Lebewesen wie Pflanze, Tier, Mensch. Jedes Lebewesen kann fühlen und lernen, was Niemz als „Sinn des Lebens“ ansieht. Sogar beim Sterben als Teil des Lebens können wir noch fühlen und lernen und Nahtoderfahrene erlebten schon eine eigene Lebensrückschau als Himmel oder Hölle.
4. In der Natur sind absolute Werte wie Liebe und Wissen wichtig, welche gefühlt und gelernt werden und die Seele ausmachen. Die Liebe erweist sich als absolut, wenn sie aus dem Liebenden und Geliebten ein Ganzes gestaltet.
5. In der Natur kommt der Tod vor. Nahtoderfahrene berichten oft von einem Flug ins Licht, das immerhin im Diesseits und Jenseits gleichermaßen vorhanden ist. Die Perspektive des Lichts sieht Niemz als Ewigkeit an, weil für das Licht jede räumliche und zeitliche Distanz den Wert null hat. Dort sind ohne Nacheinander keine Entwicklung und kein Leben nach dem Tod möglich. Beim Sterben könnte die Seele sozusagen auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden, um ins Licht einzutauchen, während die Summe aller Seelen das Jenseits darstelle, in dem alle Liebe und alles Wissen im Licht gespeichert seien.

In die Ausdifferenzierung seiner Theorie zum Endziel, sich einen abstrakten Gott als Schöpfer und Schöpfung in Einem und nicht als gütige Person, die das Böse von uns abwenden muss, vorzustellen, bezieht Niemz sowohl die Evolutionstheorie als auch die Relativitätstheorie und Quantentheorie ein. Die wichtigste Botschaft aus der Evolutionstheorie (Charles Darwin) lautet: Das Leben ist ein Wechselspiel mit Regeln und Zufällen; alle Lebewesen brauchen sich gegenseitig, um die Entwicklung voran zu bringen und das Gesamtwerk entstehen zu lassen. Die relevante Erkenntnis aus der Relativitätstheorie (Albert Einstein) ist, dass absoluter Raum (umrandeter Weltraum) und absolute Zeit (begrenzte Weltzeit) Illusionen sind und nur verschiedene räumliche und zeitliche Distanzen existieren, die von der jeweiligen Perspektive abhängen, ein Gegenüber ermöglichen und zum Beziehungsaufbau genutzt werden sollten. Die Quantentheorie (Werner Heisenberg) trägt zu einem zeitgemäßen Weltbild die Einsicht bei, dass Alles mit Allem zusammenhängt, die gesamte Materie einschließlich Körper durch Quanten oder kleinste Energieeinheiten zusammen gehalten wird, sodass wir in unserem tiefsten Innern gar keine Individuen, sondern etwas miteinander Verbundenes, nämlich eine Ganzheit sind. Daraus ergibt sich nach Niemz die Lebensweisheit: Andern zu helfen bedeutet sich selbst zu beschenken, andere zu übervorteilen sich selbst zu schaden.

Für die Wissenschaft resultiert daraus, dass sie alles einbeziehen und allumfassend sein sollte, weshalb Niemz für seine Theorie noch die wesentlichen Botschaften aus Sterbeforschung und Theologie bzw. Religionen heranzieht. Die Sterbeforschung untersucht die Erlebnisse klinisch Toter, die vor dem endgültigen Aussetzen aller Organfunktionen wieder ins Leben zurück gekehrt sind und übereinstimmend von folgenden Nahtoderfahrungen als Ablaufphasen berichteten:
- Gefühl des Entspanntseins, Friedens, großer Harmonie;
- Außerkörperliche Erfahrung durch Vision, den Körper zu verlassen;
- Flug durch einen dunklen Raum, Tunnel, Höhle, Tal;
- Begegnung mit einem hellen Licht von magischer Anziehungskraft;
- Jenseitskontakte mit Verstorbenen, Rückschau auf das vorbei ziehende eigene Leben.
Der Zeitpunkt der Wiederbelebung bricht mit der Rückkehr in den eigenen Körper – oft bewusst und schmerzhaft erlebt – jede Nahtoderfahrung früher oder später ab. Wer bis zur letzten Phase vorgedrungen ist, empfand meist die Liebe und das Wissen als die höchsten Werte des Lebens, woraus Niemz die Folgerung zieht, dass Fühlen und Lernen den Sinn des Lebens ausmachen und man sie zu Lebzeiten pflegen sollte. Diese Bewusstseinserweiterung Sterbender hält Niemz nicht für „visuelle Wahrnehmung“, sondern er nimmt an, dass sich das Bewusstsein durch die Ausbreitung der Seele ins Licht (vielleicht masselos mit Lichtgeschwindigkeit) erweitert. Dass die Seele noch nicht experimentell nachgewiesen ist, sieht Niemz nicht als Gegenbeweis für ihre Existenz und nicht als Widerlegung seiner Theorie an.

Hinsichtlich seiner Analyse der Weltreligionen stellt Niemz fest, dass seine Definition der Begriffe für Gott, Seele, Jenseits, Ewigkeit eine „logische Schnittmenge“ ihrer Kernaussagen darstellt, was gleichfalls für den hohen Stellenwert der Liebe und des Wissens bzw. der Erleuchtung bei ihnen zutrifft und seine Theorie stützt. Das erörtern wir hier nicht weiter und verweisen auf das Originalwerk. Stattdessen ziehen wir Bilanz in Bezug auf unsere Gesamtargumentation und konstatieren eine grundsätzliche Übereinstimmung zwischen Niemz‘ ganzheitlicher Theorie über das Leben und Sterben sowie unserem neukantianischen Ansatz, der dadurch erhärtet und ergänzt wird. Das ergeben besonders die naturwissenschaftliche Fundierung des abstrakten Gottes als Schöpfungsprinzip und die Abkehr vom personalen Gott durch den Naturbegriff als Regeln und Zufälle und die damit mögliche Überwindung des Theodizee-Dilemmas. Ein weiteres gemeinsames Argumentations-Element stellt die Wertgerichtetheit der Entwicklung des Lebens und der materiellen Welt einschließlich Evolution dar. Niemz plädiert für die Verwirklichung der Nächstenliebe im Diesseits und richtet einen Appell an alle Menschen, zur Verbesserung dieser Welt beizutragen. Wir können auch der Definition der Ewigkeit als Perspektive des Lichts beipflichten, aus der jede Distanz den Wert null hat, die daher keine Entwicklung zulässt, sodass es kein Leben nach dem Tod geben kann, weil der Körper sterblich und endlich ist, während sich das Licht physikalisch gesehen in der Ewigkeit und mitten unter uns in der Gegenwart befindet. Gleichfalls können wir Niemz‘ Auffassung akzeptieren, dass Fühlen und Lernen den Sinn des Lebens ausmachen und die Seele in gefühlter Liebe und gelerntem Wissen besteht, jedoch als solche immateriell ist. Theoretisch kann, wie Niemz annimmt, die Seele mit dem Tod ins Licht und ins Jenseits eintauchen und dieses mit aller gefühlten Liebe und jedem gelernten Wissen füllen, die dort ewiglich im Licht gespeichert, alle Seelen als Summe durchdringen und umfassen.


Letzteres kann man folgerichtig behaupten und denken, jedoch bleibt letztlich offen, ob es sich als wahr erweist, was indes den Zweifel nährt. Zwar führt Niemz hier als Argument ferne Erinnerungen von Nahtoderfahrenen an nicht selbst erlebte, nicht mit eigenem Wissen belegte, jedoch echte Ereignisse auf. Aber m. E. ist einzuwenden, dass die klinisch Toten noch nicht die Grenzüberschreitung ins Jenseits wirklich vollzogen haben und Mediziner die Nahtoderfahrungen als ein letztes, außerordentliches Aufbäumen des Körpers und der Sinne auslegen, um sozusagen das Höchste an spiritueller Wahrnehmung heraus zu holen, weshalb es jedoch Diesseitserfahrungen sind. Indes bin ich persönlich überzeugt, dass die berichteten Nahtoderfahrungen wahr sind; sie beziehen sich zudem nicht nur auf Momente des Herzstillstandes, sondern können ebenfalls in lebensbedrohenden Situationen der Todesangst auftreten. Mir selbst ist Mitte der sechziger Jahre bei einem Autounfall Folgendes widerfahren: Als ich mit meinem Wagen aus Versehen im Dunkeln von der Fahrbahn abkam, dieser durch die Luft flog, sich überschlug und mit dem Dach nach unten in einem breiten, tiefen Wassergraben landete, erlebte ich in den Schrecksekunden vor dem Aufprall völlig überraschend, dass in meinem Bewusstsein rasend schnell ein Film mit meinem relativ kurzen Lebenslauf rückwärts abspulte. Ob in oder außerhalb meines Kopfes weiß ich nicht, ich erinnere mich nicht an Einzelheiten, jedoch flammte jäh und blitzartig meine Vergangenheit auf und lähmte mich irgendwie. In der anschließenden Totenstille und Schockstarre glaubte ich momentan, ich bin im Jenseits, bis ich begriff, dass ich lebte und sogar unverletzt war. Denn ich hatte mich als Konsequenz aus einem früheren Unfall mit Verletzungen, lange bevor es üblich und Pflicht war, mit einem Sicherheitsgurt angeschnallt. Ich nahm dieses Erlebnis als Intuition, im wahrsten Sinne des Wortes als unmittelbare Erkenntnis ohne Reflexion an. Von Nahtoderfahrungen hatte ich damals keine Ahnung und aus der späteren Distanz zu dem Ereignis habe ich nicht den Eindruck, dass es sich im Sinne von Niemz um eine Bewusstseins-Erweiterung durch Ausdehnung der Seele im Jenseits gehandelt hat. Allerdings muss ich zugeben, in der ganz kurzen Zeitspanne im Vergleich zu den intensiven Nahtoderfahrungen nicht weit vorgedrungen zu sein. So erscheinen mir Jenseitserfahrungen als mitteilbare Bewusstseinsinhalte einstweilen utopisch zu sein; jedenfalls solange ungeklärt ist, wie die Seele ohne Masse auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden oder sonstwie ins Licht eintreten kann. Der umgekehrte Weg, Botschaften aus dem Jenseits in sinnliche Wahrnehmungen zu transformieren, erweist sich gleichermaßen unbekannt. Bleibt da mehr als nur die Hoffnung auf ein Jenseits voller Liebe und Weisheit? Ein Trost: Man kann Niemz schreiben unter: markolf.niemz@herder.de

Literaturhinweise

Markolf H. Niemz: Bin ich, wenn ich nicht mehr bin? Ein Physiker entschlüsselt die Ewigkeit, 2. Aufl. Freiburg/Brsg. 2011 (www.kreuz-verlag.de);
Holm Tetens: Gott denken - Ein Versuch über rationale Theologie, Stuttgart 2015 (Relcam UB 19295);
Peter Atkins: Über das Sein. Ein Naturwissenschaftler erforscht die großen Fragen der Existenz, Stuttgart 2013 (Reclam 20273);
Mathias Schreiber: Was von uns bleibt - Über die Unsterblichkeit der Seele, München 2008;
Eckhard Nordhofen: Die Mädchen, der Lehrer und der liebe Gott (Roman), Stuttgart 1999 (Reclam UB 18022);  
Jutta Kähler/Susanne Nordhofen (Hg.):
Geschichten zum Philosophieren, Stuttgart 1994 (Reclam UB 15033);  
Annemarie Pieper: Selber denken - Anstiftung zum Philosophieren (Reclam RT 21585);  
Thomas Nagel:
Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie, Stuttgart 2008 (Reclam UB 18630);  
S. Jordan/C. Nimtz (Hg.): Lexikon Philosophie - Hundert Grundbegriffe (Reclam HC 10711);  
Dietrich Pukas: Die Logik in der Welt - Ansätze zur Weiterentwicklung des Neukantianismus, Frankfurt/M. 1978;  
Hector Wittwer: Philosophie des Todes (Reclam RT 20325); 
Manuela di Franco: Die Seele: Begriffe, Bilder und Mythen, Stuttgart 2009 (Reclam UB 18666);  
Margarete Friebe: Das Sonnenbewusstsein - Der Aufstieg des ICH von Alpha bis Omega, 2. Aufl. Schaffhausen/Schweiz 1998;   
Richard David Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Eine philosophische Reise, München 2007, Tb-Ausgabe 2012 (Goldmann 15528); 

Links, die weiter führen

www.reclam.de (Verlag Philipp Reclam jun. Ditzingen);                              http://www.haagundherchen.de/titel/978-3-88129-162-0.html (Haag+Herchen Verlag Frankfurt/M.: Philosophie, Neukantianismus);

http://www.youtube.com/watch?v=aFeOhQ1K6vo&feature=em-subs_digest-vrecs (Video zur Funktion des Bewusstseins);                                                                                         http://www.youtube.com/watch?v=uFy5iaU4KH8 (Video: Grenzen der Wahrnehmung);
http://www.youtube.com/watch?v=32ItluYhnhU (Gottfried Wilhelm Leibniz);               
https://www.youtube.com/watch?v=Gewb3-DUlJs&feature=player_detailpage; https://www.youtube.com/watch?v=V_HY9YSTSHw&index=17&list=PL3kWvg9S4KFxjXCC5z9ZFPXcsMKRKHLSz (Richard David Precht);

https://www.youtube.com/watch?v=pd6ETpE7RkY  ("Lebensaufgabe finden" - Lebensphilosophie von Annika Bühnemann)