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Politikverdrossenheit und Demokratisierung 

Die verbreitete Politikverdrossenheit wird gerne als Parteien-Verdrossenheit identifiziert, was in unserer „Parteien-Demokratie“ durchaus naheliegend und zutreffend ist. Die Macht, die vom Volk ausgehen soll, wird in unserer parlamentarischen Demokratie konkret durch die Parteien als Willens- und Meinungsbildner im Verein mit den Massenmedien ausgeübt und ist mit relativ viel Entmündigung der Bürger verbunden. Daraus resultiert das soziale Grundproblem und die Aufgabe der Demokratisierung der Gesellschaft. Das bedeutet, die im Grundgesetz verankerte Demokratie-Theorie ist verfassungsgemäß in gesellschaftliches Handeln umzusetzen, nämlich Demokratie als Herrschaftsform in die soziale Demokratie zu überführen und Demokratie als Lebensform zu praktizieren. Das gilt für das professionelle Handeln der politischen Akteure und Mandatsträger, das erhebliche Defizite aufweist, wie politische Skandale und grundlegendes Versagen in der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise oder bei der Atomkatastrophe in Japan offenbaren und das durch die parlamentarische Opposition und offizielle Kontrollgremien wirksam überwacht werden müsste. Gleichfalls gefordert ist eine permanente außerparlamentarische Kontrolle durch kritische und aktive Bürger, die das politische Geschehen aufmerksam und angemessen skeptisch verfolgen und sich über die Wahlentscheidung hinaus politisch beteiligen. 

Das politische Engagement gerade jüngerer Menschen in Bürgerinitiativen, bei humanitären Projekten und Protestaktionen für Umwelt und soziale Belange ist ein hoffnungsvolles Zeichen für die Demokratisierung und stützt die These von der Parteien-Verdrossenheit. Denn die Aktivitäten der jungen Leute sind kaum der Arbeit politischer Parteien gewidmet (vgl. z. B. die Shell Jugendstudien) und es handelt sich nur um eine Minderheit. Die schweigende Mehrheit der Bürger verhält sich eher passiv, macht nicht in Parteien mit, übt dort keine Mitgliedschaft aus, beteiligt sich zu wenig an den Wahlen und erst recht nicht an politischer Arbeit – aus Gleichgültigkeit, Unwissenheit oder Verdrossenheit. Die Unzufriedenheit mit den Politikern und ihrer Politik ist ziemlich hoch, gleichfalls die Desinformation darüber, in Stammtischparolen werden viele Vorurteile weiter gereicht, verstärkt durch die Massenmedien wie z. B. die Bildzeitung.

Auf den Abbau dieser z. T. weitreichenden politischen Desorientierung und Abstinenz der Bürger, vor allem bei den bildungsfernen Bevölkerungskreisen und sozial Benachteiligten, kommt es bei der Demokratisierung der Gesellschaft an. Dazu müssten in erster Linie die Politiker und Parteien selbst beitragen: durch vorbildliches politisches Verhalten und Handeln sowie hinreichende Aufklärung und Bildung der Bürger. Dazu bedarf es der intensiven Förderung einer motivierenden, effektiven politischen Bildung in allgemeinen und beruflichen Schulen sowie ihrer konsequenten Fortsetzung in institutionalisierten Weiterbildungsveranstaltungen für alle. Doch unter Dummen ist der Dumme König und ein Volk der Unmündigen lässt sich eben leichter regieren! Hier sei nachdrücklich Katja Ebsteins neues Bühnenprogramm, der Liederabend "Na und? - Wir leben noch!" zum Besuch empfohlen. Katja bietet mit ihrer politisch progressiven Einstellung sowie der ganzen Bandbreite ihres Könnens als Sängerin, Schauspielerin und Komödiantin eine zeitkritische Betrachtung von Land und Leuten - zum Schmunzeln, Lachen und Nachdenken!  
http://www.youtube.com/watch?v=LKcjcUPpELY (Video: Katja singt Lilly Marleen) http://www.youtube.com/watch?v=MO0lUXnAs-U (Marlene Dietrich: Lilly Marleen)

Politik – ein schmutziges Geschäft, das rein zu waschen ist 

Wenn es nach Wahl- und Parteiprogrammen ginge, dann versprechen alle jedem das Höchste: Bildung, Chancengleichheit, Arbeit, Gesundheit, Wohlstand bis hin zum Reichtum – mit unterschiedlichem Akzent. Die Konservativen und sogenannten Liberalen gestehen den Machteliten, den Mächtigen in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft, für ihre angeblichen Spitzenleistungen unangemessene Entlohnungen und fast ungehemmte Gestaltungsfreiheit zu. Die Sozialen, Linken, Progressiven wollen dagegen mehr Gerechtigkeit und Ausgleich für die sozial Benachteiligten, was unser Sozial- und Bildungssystem trotz aller Beteuerungen nicht gewährleistet. Aber Papier ist bekanntlich geduldig oder nicht wert, was darauf an parteipolitischen Zielsetzungen geschrieben steht. Auch unter dem Sozialdemokraten und Arbeitersohn Gerhard Schröder sind die Armen immer ärmer und die Reichen noch reicher geworden, hatte er de facto letztlich nur ein Ziel, nämlich an der Macht zu bleiben, und sei es als „Kanzler der Bosse“ und schließlich „Spalter der SPD“. Und Steinmeier, der einstige „Drahtzieher“ der unsozialen Agenda-Politik, ignorierte in der Politik der Großen Koalition die Leitlinien des Hamburger SPD-Parteitages für eine fortschrittliche Sozialpolitik, verdrängte die Parteivorsitzenden Platzek und Beck zugunsten des Veteranen Müntefering, erkor sich mit einem kleinen Parteizirkel zum Kanzlerkandidaten sowie als Wahlverlierer zum Fraktionsvorsitzenden und Oppositionsführer und verhinderte im Verein mit dem anpassungsfähigen Wendehals Gabriel  die personelle Erneuerung der SPD, die mit Hoffnungsträgern wie Manuela Schwesig, stellvertretende Bundesvorsitzende sowie Bundes-Familienministerin, nur allzu zögerlich vorwärts kommt. Immerhin hatte die SPD mit ihrem Kanzler-Kandidaten Steinbrück unter Mitwirkung von Bürgern ein vernünftiges, unterstützenswertes Wahlprogramm 2013 (http://www.spd.de/linkableblob/92664/data/20130311_ regierungsprogramm_2013.pdf) vorgelegt, von dem sich im Vertrag der derzeitigen GroKo allzu wenig wieder findet.  Indes vertritt Kanzlerin Merkel keine programmatische Politik, sondern eine Politik-Zickzacklinie und will mit ihrer Schaukelpolitik (sträfliche Vernachlässigung und überstürzter Zugriff im Alleingang nicht nur in der Atomernergie-Wende, sondern z. B. auch Flüchtlings-Politik) ihre Kanzlerschaft zur längsten der Republik küren. Wenn dies auch nicht mit Mitteln des einstigen „Bimbes“-Strategen Kohl geschieht, der juristisch unbeschadet die Verschleierung der eklatanten Spendenaffäre sowie die Aktenvernichtungsaktion im Kanzleramt überstand und so seine Politik als „Kanzler der deutschen Einheit“ historisch rein waschen konnte. Gertrud Höhler schildert brillant, wie Angela Merkel für ihre persönliche Machtpolitik mit ihrem zentralistischen Regierungsstil über Deutschland hinaus nach Europa greift, in ihrer grundlegenden Bindungslosigkeit Werteorientierung, Tugenden und Moral opfert, mit Pokerface die Vielfalt der Parteien schleift, die politischen Institutionen nivelliert sowie die Demokratie lähmt und gefährdet. Die neoliberalen FDP-Politiker fungierten willig als Merkels Manövriermasse und taktierten trotz prinzipiellen Marktversagens in der Finanz- und Wirtschaftswelt gegen die erforderliche rigide Staatsaufsicht. Da konnte der durchaus clevere, dynamische, schlagfertige SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück mit seinem bisherigen Bankdirektor-Blick auf das Geld seine Finanz- und Wirtschaftskompetenz nicht überzeugend entfalten, um die in der Wählergunst vergötterte Kanzlerin zum Demokratie-Lernen in die Opposition zu schicken. Als Grundsatzfehler erweist sich in diesem Zusammenhang, dass die Linkspartei "Die Linke" von den Etablierten als nicht regierungsfähig und nicht koalitionswürdig wie einst DIE GRÜNEN verteufelt wird, anstatt sie möglichst bald in die politische Verantwortung zu nehmen (wie in den neuen Bundesländern und es die SPD in Zukunft für den Bund nicht mehr ausschließt). Und dann hegten viele riesige Erwartungen an die neue große Koalition von CDU und geschwächter SPD und wollten dazu eine kleine Opposition im Bundestag in Kauf nehmen. Was im Koalitionsvertrag mehr schwammig als konkret vereinbart sowie von der CSU torpediert wurde, eröffnete keine rosigen Aussichten für eine sinnvolle, wirksame sozialverträgliche Politikgestaltung und -veränderung und wird durch die aktuellen Streitigkeiten im Regierungslager noch zusätzlich erschwert. Da sprang der nicht sonderlich akzeptierte SPD-Parteivorsitzende Gabriel endlich zugunsten der aussichtsreicheren Alternative in Gestalt von Martin Schulz über seinen bisherigen Schatten und bescherte diesem einen kometenhaften Aufstieg zum 100%-Vorsitzenden und Wählergünstling auf Augenhöhe mit der Kanzlerin.  Und endlich hat die SPD auf ihrem jüngsten Parteitag ein geeignetes Programm für die Konkretisierung der notwendigen sozialen Gerechtigkeit und des Fortschritts geliefert, die ihr Kandidat zum Wohle der Benachteiligten so engagiert vertritt, während die anderen demgegenüber ziemlich inhaltslos dastehen. 

Angesichts solcher politischen Verhältnisse erscheint dem Bürger zurecht Politik als das vielfach beklagte „schmutzige Geschäft“, von dem man sich angewidert abwendet. Es gibt kaum noch Politiker als Vorbilder, die eine politische Orientierung vermitteln können wie einst John F. Kennedy oder Willy Brandt, der zum politischen Aufbruch startete mit dem Motto „Wir wollen mehr Demokratie wagen!“ So wurde immerhin eine beachtliche Bildungsreform in der Bundesrepublik eingeleitet (mit einem parteilosen Bundesbildungsminister) sowie der Grundstein für die neue deutsche Ostpolitik gelegt, die die CDU damals bekämpfte und deren Früchte Kohl sozusagen als Verdienst in den Schoß fielen. In jüngster Zeit setzten viele ihre Hoffnungen auf Barack Obama, der mit seiner Wahl zum amerikanischen Präsidenten nach der verheerenden Politik seines Vorgängers eine bewegende Aufbruchstimmung erzeugte und maßgebliche Erwartungen für eine bessere Zukunft geweckt hatte, was mit der Verleihung des Friedensnobelpreises gewürdigt und anerkannt wurde, jedoch in der seitherigen Alltagspolitik Einbußen erlitten hat, sodass er nun eine entzauberte, schwierige zweite Amtszeit durchstehen muss. Kann bei uns durch die schlappen Wahlsiege von SPD und GRÜNEN sowie LINKEN in den Bundesländern der politische Rückschritt überwunden werden, den hier die CDU-FDP-Regierungen vor allem in der Bildungspolitik verursacht haben? Die Wiederrücknahme der Studiengebühren, durch die sozial Schwache vom Studium abgedrängt werden, obwohl wir sie als Akademiker in der Zukunftsgesellschaft dringend brauchen, ist solch ein Zeichen. Einen noch größeren Schlag gegen die Chancengleichheit hatte die abgewählte CDU-FDP-Koalition in Niedersachsen geführt, indem sie z. B. die Orientierungsstufe und das Berufsgrundbildungsjahr abgeschafft, die verlässliche Ganztagsschule eingeschränkt, das Abitur in 12 Schuljahren an Gesamtschulen erzwungen sowie gegen den Elternwillen die Ausbreitung von Gesamtschulen erschwert hatte. Die Nachteile dieser Maßnahmen wurden geleugnet und mit der Einführung einer fragwürdigen Oberschule als Zusammenfassung von Haupt- und Realschulen verschleiert. Immerhin hat die jetzige rot-grüne Landesregierung die Knebelung der Gesamtschulen beendet und das Abitur nach 13 Schuljahren mit den Betroffenen einvernehmlich ermöglicht.

Eckpfeiler einer zukunftsgerechten Politik 

Für den Bürger stellt sich um so mehr die Frage, wie denn eine zukunftsgerechte Politik aussehen sollte. Die Zukunftssicherung unserer Gesellschaft, Existenz- und Lebensbedingungen muss langfristig auf Erdball umfassender und gar Weltall umspannender Ebene erfolgen. Die Chancen der kommunikativen Globalisierung (vernetzte Welt), ökonomischen Globalisierung (Weltbinnenmarkt), ökologischen Globalisierung (Risikogemeinschaft), politischen Globalisierung (Machtverlust der Nationalstaaten und internationale Kooperation) müssen zur Krisenbewältigung und Friedenssicherung genutzt werden, um aus der Ersten Welt (Industrieländer), Zweiten Welt (Schwellenländer), Dritten Welt (Entwicklungsländer), Vierten Welt (LDC = Least developed Countries) die eine Welt zu formen, die alle Nationen oder Völker der Erde in Frieden und Freiheit, in Einklang mit der Umwelt, auf angemessener Lebens- und Entwicklungsgrundlage eint. Diesem Ziel hat die Lösung der globalen Probleme letztlich zu dienen, was uns aus humanitären Gründen zur weltweiten Verwirklichung der Menschenrechte und als Verantwortung für den Schutz des Lebens künftiger Generationen aufgegeben ist und worauf auch unsere nationale Politik ausgerichtet sein muss. 

Dazu muss andererseits eine gemeinsame Abwehr der Globalisierungsgefahren stattfinden, insofern vor allem dem weltweiten Wachstum ökologische Grenzen gesetzt sind und die internationale Arbeitsteilung nicht zum Wohle aller funktioniert. Denn es entwickeln sich immer mehr Global Players, die als Unternehmen mit ausländischen Niederlassungen und Tochterbetrieben grenzüberschreitend Investitionen tätigen und Handelsaktivitäten entfalten, einen Transfer von Technologien und Management vornehmen, Produktion und Absatz organisieren, wodurch sie nationale Volkswirtschaften öffnen und vernetzen. Auf diese Weise werden sie zu den beherrschenden Akteuren der Welt- und Marktwirtschaft, sodass den Nationalstaaten die industrielle Führung entgleitet, indem die transnationalen Konzerne ihnen mit den Austausch-Beziehungen des Außenhandels Lohn-, Arbeits- und Umweltbedingungen besonders zu Ungunsten der gering qualifizierten Arbeitnehmer aufzwingen. Der globale Marktmechanismus ermöglicht den Standortwechsel ins Ausland und den ungehinderten Kapitalfluss. Im Verein mit den international agierenden Banken, die zudem die Basis soliden Geschäftsgebarens verlassen hatten, werden dem Wohlfahrtsstaat Steuern entzogen, Arbeitnehmer ausgebeutet und geballter Großkapitalismus beschwört Weltwirtschaftskrisen wie die gegenwärtige herauf. Schon seit einiger Zeit gibt es dagegen den Ansatz der „Global Governance“ von Nichtregierungs-Organisationen (NGOs), nämlich einer internationalen Politik auf der Grundlage eines Systems zwischenstaatlicher Abstimmungen und Vereinbarungen, mit denen die Macht der Konzerne und Großbanken beschränkt, unlauterer Wettbewerb unterbunden, soziale und ökologische Standards vorgegeben werden. In dieser Hinsicht haben die Politiker weltweit versagt und zu kurzsichtig nach dem Motto einer freien Weltwirtschaft ("free enterprise") der Globalisierungs-Apologeten den finanzgetriebenen Kapitalismus mit seinen Bonus- und Prämiensystemen gewähren lassen, statt vernünftige Rahmenbedingungen für die weltweiten Wirtschafts- und Finanzmärkte zu setzen.

Deutscher Bundestag in Berlin (Sitz des Parlamentes im umgebauten Reichstag mit Kuppel; siehe Links unten)

Die sinnvolle und wirksame Bewältigung der strukturellen Weltfinanz- und Wirtschaftskrise, die eine grundlegende Wende im Sinne der "Global Governance" bringen muss, erweist sich derzeit als dringlichstes Anliegen einer zukunftsgerechten Gesamtpolitik. Es darf eben keine globale "Casino-Wirtschaft" mit New Economy, Dotcom-Unternehmen, Hedgefonds oder Stable Imbalance mehr geben. Das heißt keine auf einem Schneeballsystem fußende Finanz- und Wirtschaftsordnung, wonach gierige Banker und Investment-Strategen mit undurchschaubaren Finanzprodukten und maroden Fonds kräftig absahnen, Geld von unerfahrenen Anlegern verzocken und hohe Boni für die Verluste einstreichen, bevor die Chose auffliegt - wie die amerikanische "Bau-Blase" platzte. Und die Politiker ergreifen dann Reparaturmaßnahmen, spannen breite Rettungsschirme, die sie mit Steuergeldern der Bürger bis zur Verschuldung in die Enkelgeneration finanzieren. Wenn der Schaden groß genug ist, kann er als "systemisch" deklariert werden, damit alle bereit sind, die Verluste zu tragen. Aber die Karawane der Abzocker darf nicht unaufhaltsam weiter ziehen, wie das jüngste Gebaren einiger Banker und Manager und die untätigen Politikerreaktionen signalisieren. Deshalb brauchen wir ab sofort mehr nationale und internationale Staatskontrolle zur Finanz- und  Marktaufsicht und sozial verträglichen Regelung des Geschehens. Der Staat als "ideelller Gesamtkapitalist und Gesamtbankier"  (Friedrich Engels) muss die finanzgetriebene Wirtschaft so reorganisieren, restrukturieren, redimensionieren, dass die Krisenpolitik das überakkumulierte Kapital wieder profitabel macht, Produktivkraft und Konsumtionskraft der Gesellschaft (Arbeitseinkommen) unter realen Produktionsbedingungen und eines nicht künstlich aufgeblähten Finanzsystems ins angemessene Verhältnis rückt. Und dennoch die Energiekrise entschärft, der Atomausstieg vollzogen, der Klimakollaps entschleunigt, die Welternährung gesichert und verbessert, die Friedensentwicklung gefördert werden. Das setzt qualifizierte und verantwortungsbewusste, nicht korrupte Politiker und gleichfalls Mitarbeiter im öffentlichen Dienst voraus und erfordert eine entsprechend weitsichtige Personalpolitik mit Investitionen in Erziehung, Bildung und Ausbildung zur Festigung der gültigen Wert- und Moralvorstellungen.  

Die Konsequenzen unserer Regierungspolitiker sind da bislang eher dürftig ausgefallen und die Bürger sollten nicht zuletzt angesichts bevor stehender Wahlen besonders prüfen, was uns bezüglich eines Umbaus des Bildungs- und Gesundheitssystems, einer Liberalisierung des Marktes, Verhinderung von Mindestlöhnen, Förderung der Atomlobby und anderer Privilegierter von der CDU-FDP-Bundesregierung im Falle eines erneuten Wahlsieges drohte und nun von der GroKo zu korrigieren ist. Zum Endlager in Gorleben müssten (zur Vermeidung einer zweiten "Atomkloake" wie die Asse) auf jeden Fall Alternativstandorte gesucht werden, da der Erkundungsschacht damals wegen Wassereinbruchs nur mit Vereisungstechnik hinunter getrieben werden konnte und in kritischen Gutachten die Ungeeignetheit des Salzstocks auch im Hinblick auf Gasblasen prognostiziert wurde. Angesichts der verheerenden Atomkatastrophen in Tschernobyl und Japan sollte Deutschland mit einem schnellstmöglichen Ausstieg aus den Kernkraftwerken und optimalen Anstrengungen zur Lösung des prekären atomaren Entsorgungsproblems (auch bei uns lagern die abgebrannten Brennstäbe wie in Fukushima und anderswo in Abklingbecken neben den AKWs) beispielhaft und gleichfalls technologisch wegweisend für die Welt voran schreiten. Innenpolitisch geht es vor allem noch um die reelle Schaffung von Bildungschancengleichheit in der multikulturellen Gesellschaft, Erziehung zur Gewaltdeeskalation, gerechte Migranten-Integration.

Politische Bildung der Bürger und gestaltungsorientierter Politikunterricht

Eine funktionierende Demokratie setzt mündige Staats-, Wirtschafts- und Kulturbürger voraus und dazu ist Aufklärung auf der Grundlage einer fundierten politischen und allgemeinen Bildung in legitimierten Schulen und Weiterbildungs-einrichtungen erforderlich. Es gilt, die Bürger zur politischen Partizipation zu motivieren und zu befähigen. Dazu müssen sie über Interessenlagen, Rollen, Gruppen, Macht- und Herrschaftsverhältnisse, Konflikte  in der Gesellschaft Bescheid wissen und jeweils ihre eigene Position erkennen und bestimmen können sowie bereit sein, sich mit Gleichgesinnten zu solidarisieren, zu vereinen, in Bürgerinitiativen, Parteien, Organisationen mitzuarbeiten, ihre Interessen zu vertreten und sich mit politischen Gegnern demokratisch auseinander zu setzen.   


Ein demgemäßer handlungsorientierter Politikunterricht ist auf Bürgermündigkeit und Bürgerbeteilung ausgerichtet und der Gestaltungs- und Handlungskompetenz verpflichtet. Er ist dreidimensional angelegt und erfasst Politik als Form (Rahmenbedingungen: Institutionen, Verfassungen, Gesetze, Normen), als Inhalt (Aufgaben/Themen: Ziele, Programme, Politikfelder, Probleme) sowie als Prozess (Methoden/Lösungen: Interessenkonflikte, Machtkämpfe, Entscheidungen, Konsensbildung). Ferner ist ein solcher Unterricht nach den didaktischen Prinzipien der Situationsorientierung (Lebensweltbezug), Problemorientierung, Arbeits- und Berufsorientierung, Zukunftsorientierung, Exemplarität, Kontroversität strukturiert, weist entsprechende offene Handlungs- und Lernfelder sowie Themenschwerpunkte auf, vermittelt adäquate Qualifikationen und Kompetenzen, setzt auf lernerzentrierte, aktivierende Methoden (s. Abb.). Als geeignetes Umfeld ist eine demokratische Schulkultur mit Ganztagsunterricht, fächerübergreifenden Unterrichtsprojekten, Projekttagen und -wochen, einer regen Schülermitwirkung, -mitbestimmung und -selbstverwaltung zu entwickeln. Denn ein demokratisches Schulleben stellt den besten Kontext zur Einübung demokratischer und toleranter Verhaltensweisen, zur Erfahrung von Anerkennung und Wertschätzung, zur Rücksichtnahme auf andere, zum konstruktiven Umgang mit Konflikten, zur Bürgerbeteiligung an politischen Entscheidungen und zum Handeln in der pluralen Gesellschaft dar. Denn wer politisch inaktiv ist und womöglich nicht mal von seinem Wahlrecht Gebrauch macht, verzichtet nicht nur auf seinen Einfluss für eine fortschrittliche gesellschaftliche Entwicklung, sondern er verfestigt den Status quo, unterstützt somit die bestehenden Missstände und deren Fortschreibung in die Zukunft.  

Literaturhinweise 

Paul Ackermann: Bürgerhandbuch – Basisinformationen und 66 Tipps zum Tun, 3. neu bearb. Aufl. Schwalbach/Ts. 2004; auch als Lizenzausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2005;
Klaus-Peter Hufer: Argumentationstraining gegen Stammtischparolen. Materialien und Anleitungen für Bildungsarbeit und Selbstlernen, Schwalbach/Ts. 2000;                         Gotthard Breit/Siegfried Schiele (Hg.): Demokratie braucht politische Bildung, Lizenzausgabe für die BpB, Bonn 2004;   
Dietrich Pukas: Politik-Alternativen – Aufgabe und  Problematik der gesellschaftspolitischen Erneuerung in unserer Zeit: In: Geschichte, Erziehung, Politik (GEP), Heft 3/1992, S. 289-298;
Dietrich Pukas: Berufsschulpolitik und politische Bildung in der Berufsschule – Zwischen demokratisch-emanzipatorischem Anspruch und sozio-ökonomischem Gestaltwandel in Deutschland: Eine sozial-historische Untersuchung mit Schwerpunkt um die Jahrhundertwende 2000, Hamburg 2009, bes. S. 487 ff., 566;                                             Niedersächsischer Kultusminister (Hg.): Rahmenrichtlinien für das Unterrichtsfach Politik in berufsbildenden Schulen, Hannover 1994;                                                            Bertelsmann Stiftung (Hg.): Politische Partizipation in Deutschland -repräsentative Befragung, Lizenzausgabe für die BpB, Bonn 2004;                                                               Achim Brunnengräber u. a. (Hg.): NGOs im Prozess der Globalisierung: Mächtige Zwerge - umstrittene Riesen, Bundeszentrale (BpB), Bonn 2005;                                                       Beatrice von Weizsächer: Warum ich mich nicht für Politik interessiere, Bergisch Gladbach 2009 (Kampfansage an den Parteienstaat);                                                                        Ulrich Beck: Weltrisikogesellschaft - Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit, Lizenzausgabe für die BpB, Bonn 2007;                                                                               Mir A. Ferdowsi: Weltprobleme, 6. vollst. überarb. Auflage, Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), Bonn 2007;                                    Weltbank/The World Bank: Weltentwicklungsbericht 2007 - Entwicklung für die nächste Generation, Sonderausgabe für die Bundeszentrale (BpB), Bonn 2007;                        Weltwirtschaftskrise - eine Systemkrise? Themenheft der Zeitschrift  "politische bildung" 3/2009, hg. von Uwe Andersen, Schwalbach/Ts. 2009 (Wochenschau Verlag);                       Gertrud Höhler: Die Patin - Wie Angela Merkel Deutschland umbaut, Zürich 2012;

Links, die weiterführen

https://itunes.apple.com/de/app/lexika/id660250410?mt=8 (Lexika polit. Bildg.)  http://www.wochenschau-verlag.de (Verlag für politische Bildung, Schwalbach/Ts.);  http://www.verlagdrkovac.de/literatur/?kw=Bildungsreform.htm;
http://www.verlagdrkovac.de/3-8300-4082-8.htm (Berufsschulpolitik);                             http://www.ebstein-shop.de (Katja Ebsteins Biografie und Programme);                           http://www.bpb.de (Bundeszentrale für politische Bildung);                                                  http://www.bpb.de/nachschlagen/ (polit. Lexika zum Nachschlagen); www.bundestag.de (Informationen über den Deutschen Bundestag)                           www.parlamentsprofi.de (Infos für junge Politik-Anwärter mit Testspiel);                                 http://www.bpb.de/themen/DUQO3C,0,Sch F6n_bescheuert.html (treffender Wahlaufruf von Barbara Schöneberger);                                                                                       http://www.bpb.de/wissen/Y612DP (Infos zur Globalisierung);                        http://www.vorwaerts.de/artikel/spd-in-der-glaubwuerdigkeitsluecke#comment-1647 (Zur Glaubwürdigkeitskrise der SPD);                                                                                  http://www.bpb.de/themen/3U108W,0,Klimawandel.html (Klimawandel aktuell); http://www.vnr.de/forum/members/dietrich-pukas/  (Forum VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG);                                                                                                          http://www.manuela-schwesig.de (stellv. SPD-Bundesvorsitzende, Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern);                                                                                            http://www.lovelybooks.de/bibliothek/dietrich_pukas (Rezension Höhler); https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=yzWIFPjet4U (Video: Gertrud Höhler bei der Vorstellung ihres Buches "Die Patin");                                                http://www.bpb.de/dialog/wahlblog/ (zur Bundestagswahl 2013);                  http://www.bpb.de/dialog/europawahlblog-2014/ (Europa-Wahl 2014);                          http://www.taz.de/Kommentar-Bildungspaket/!139314/ (Bildungsfinanzierung);