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I. Camino Santiago de Compostela - Mit der AlpinSchuleInnsbruck (ASI) 130 km auf dem Jakobsweg durch Galicien und ans Cap Fisterra (Reisebericht vom September 2015)

Anreise zum Etappenstart in Sarria/Galizien  
Am 30. 09.2007 startete ich vom Flughafen Hannover-Langenhagen nach Santiago de Compostela zu meiner Wanderreise auf dem Jakobsweg mit der Alpin Schule Innsbruck – kurz ASI genannt, die ich bereits von einigen typischen Bergwander-Urlauben kannte. Ich hatte einen Flug bei "Air Berlin" gebucht, die das spanische Festland über ihr Drehkreuz Palma de Mallorca bedient. So flog ich mit einer Boeing 737-800 zunächst nach Palma und verlangte vom Flugpersonal wegen des verspäteten Abflugs um 1 Stunde die Sicherstellung meines Anschlussfluges nach Santiago, was in der Hektik und dem Wirrwarr des mallorkanischen Riesenflughafens nur mit Not und Mühe gelang. In buchstäblich letzter Minute hetzte ich mit meinem Koffer über die Gangway direkt in die startklare Maschine, die bereits überfällig war und sofort ablegte. Flugs wurde ich mit Sekt versorgt und konnte entspannt am Fenster den Flug über Spanien nach Santiago genießen. Alles Weitere klappte wie am Schnürchen.

Unser Reiseleiter und Wanderführer Matthias erwartete uns, unübersehbar mit dem ASI-Schild drapiert, in der Ankunftshalle des Airports. Wir waren noch nicht vollständig und mussten eine Weile auf die Ankömmlinge aus Süddeutschland warten, die über Madrid anreisten. Insgesamt umfasste unsere Wandergruppe 14 Teilnehmer aus ganz Deutschland, je die Hälfte Frauen und Männer in fortgeschrittenem Alter. Unser Wanderführer – der Jüngste in diesem Kreis – stammte auch aus Deutschland,  sein Studium der Geografie und Geologie hatte ihn nach Innsbruck und zur ASI als Bergwanderführer geführt. Mit einem Kleinbus fuhren wir von Santiago etwas über 100 km zu unserem Wanderstartort Sarria und bekamen einen ersten Eindruck von der Landschaft, die wir in der vor uns liegenden Woche auf dem legendären Jakobsweg zu Fuß erkunden wollten.

Gestauter Minho             Gonzar

Wir stiegen in einem Hotel in der Innenstadt von Sarria ab und lernten uns nach dem Abendessen am üblichen „ASI-Tisch“ in der überschaubaren Gruppe schnell kennen. Wir pflegten einen lockeren Plauderton und kameradschaftlichen Umgang, tauschten unsere bisherigen Wandererfahrungen aus – Margrit und Ingo waren gar schon früher mal auf dem Jakobsweg von den Pyrenäen an mehr und weniger erfolgreich unterwegs gewesen – und sahen mit gespannten Erwartungen unserem komfortablen Pilgerabenteuer entgegen. Denn wir mussten uns nicht, alle Habseligkeiten mitschleppend, um einen der knappen Schlafplätze in den Pilgerherbergen abstrampeln, sondern konnten uns gelassen, nur mit Tagesrucksack bestückt und auf den Gepäcktransfer von gebuchtem Hotel zu Hotel vertrauend, ganz dem vielfältigen Geschehen und Treiben auf diesem „Weg aller Wege“ widmen und hingeben.

1. Etappe: Sarria – Porto Marin 22 km am 01.10.2007 (Aufstieg 250 m, Abstieg 300 m)

Vom Hotel gelangten wir am Morgen schnell auf den „klassischen“ Jakobsweg, den Camino Frances – Caminos aus allen Himmelsrichtungen (Ingles, Finisterre, de la Plata, Ruta del Mar de Arosa) führen nämlich nach Santiago de Compostela –, auf dem wir die letzten 120 km bis zum Ziel, zur Kathedrale im Herzen Santiagos, zurücklegen wollten. Wir stiegen die Treppe zur Oberstadt empor, kamen zum Rathaus von Sarria, passierten das Mercedarios Koster, besuchten die Klosterkirche, wo wir den ersten Camino-Stempel für unsere Wanderhefte ergatterten, und schauten vom Stadtteil Lugo auf das moderne Sarria hinab. Bald sahen wir die Häuser des Dorfes Barbadelo und konnten die Kirche (Iglesia mit Altar Mayor) im Ortsteil San Silvestre bestaunen. Darauf tauchten wir tiefer in das typische Hinterland zwischen Sarria und Porto Marin ein: Moos überwucherte Steinmauern, die die Felder und Wiesen begrenzen, dazwischen kleine Eichenwälder und einzelne Gehöfte aus Stein, die an das Bild einer Kulisse wie aus dem Mittelalter erinnern.

Rinderweiden bei Barbadelo                          Galicischer Horreo in Rente


Bei den Höfen und Dörfern wie Rente, Mercado da Serra, Petruscallo, Morgade, Ferreiros gewahrten wir immer wieder gemauerte „galicische Horreos“, Maisspeicher verschiedenster Art, meist als Träger von Kreuz und Phallus-Symbol ausgestattet als Ausdruck für Christentum und Fruchtbarkeit. Wir durchquerten Hohlwege mit Steinstegen für Regenwasser und gelangten zum markanten, bunt beschrifteten und bemalten Kilometerstein 100 (so weit war es noch bis Santiago), wo es üblich ist zu posieren. Schließlich erreichten wir den Minho-Stausee von Belesar und konnten unser Etappenziel Porto Marin auf der anderen Seite erspähen. Bald kamen wir in die Stadtmitte mit dem Rathaus und der Romanik-Kirche San Juan, von wo aus es nicht weit zu unserem Hotel „Pousada de Porto Marin“ war, sodass wir bis zum Abendessen noch einen Stadtbummel unternehmen konnten.

Stausee Belesar mit Porto Marin

2. Etappe: Porto Marin – Palas de Rei 26 km am 02.10.2007 (Aufstieg 350 m, Abstieg 250 m)  

Bei der Etappen-Fortsetzung im lebhaften Porto Marin zeichnete sich bereits ab, was sich im weiteren Verlauf als prägender Eindruck verstärken sollte: Hier tummelten sich Menschen aus aller Welt – Männer und Frauen verschiedenen Alters und unterschiedlichen Aussehens, sei es Hautfarbe, Gangart und Gebärden, Kleidung, Ausstattung, vor allem Sprache, aber auch Zielstrebigkeit der Fortbewegung auf das Ziel überwiegend zu Fuß, vom drängelnden Vorwärtsstürmen und Run auf den begehrten Schlafplatz bis hin zum mühsamen Humpeln an Krücken. Die meisten trugen eher gelassenen Müßiggang zur Schau und gaben sich einem verweilenden Aufnehmen der vielfältigen Eindrücke hin wie wir. Seltener traf man Radfahrer oder gar Reiter auf Pferden und Maultieren – zwei Fortbewegungsmöglichkeiten, die ebenfalls zum Erwerb der Original-Pilgerurkunde berechtigen.

Nachdem wir hinter Porto Marin eine Anhöhe von 300 m erklommen hatten, breitete sich vor uns das hügelige Tiefland Galiziens aus, dessen höchste Berge wie Penalinas und Careon bis auf 700-800 m Höhe ansteigen. Die Landschaft veränderte ihr Gesicht, indem die dürren Weiden für die Rinder, Maisfelder und Eichenwälder zunehmend von ausgedehnten Heideflächen mit Ginster und Buschwerk sowie Eukalyptuswäldern durchzogen sind. Pittoreske, aus Stein erbaute Dörfer säumen weiterhin unseren Weg, in ihnen finden sich meist Wasseradern und Bäche, Quellen des Lebens und einst Voraussetzung für die Ansiedlungen. Wir wandern durch Toxibo, Gonzar, Lameiros, O Rosario mit ihren Kapellen, Kirchlein, Statuen, Denkmälern und erreichten die Kirche Parroquia de S. Tirso sowie das Pilgerdenkmal in Palas de Rei, unserem Hotel- und Übernachtungsort.

                         Höhe 756 m                               Eglesia Palas de Rei

3. Etappe: Palas de Rei – Melide 15 km am 03.10.2007 (Aufstieg 50 m, Abstieg 100 m)

Von Palas de Rei marschierten wir am 03.10.2007 auf der historischen Trasse (Traza historica) des Camino de Santiago durch die Dörfer San Xulian do Camino, Campana, Ponte, Coto, Leboiredo, Furuelos zu unserem nächsten Etappenziel, dem Städtchen Melide. Dieser Wegabschnitt war im Vergleich zu den anderen relativ kurz und eben. Er führte uns über etliche Brücken, nämlich die Flüsse Rio Pambre, Rio Seca, Rio Furuelos und durch Feuchtgebiete, die wir über Trittsteine querten. Die Landschaft war von Nadel- und Laub-, besonders Eukalyptuswäldern, Mais- und Kohlfeldern, Vieh- bzw. Pferdeweiden sowie der ausgedehnten Heidelandschaft Aureia, auf der sich gar ein Industriegebiet befand, geprägt. Neben den alten Dörfern fanden wir auch moderne und neue Häuser, zum Teil als Einzelgehöfte in der Landschaft vor. Besonders erfreute uns die Pilger-Oase „Casa des los Somoza“ in Coto bei Leboiredo, wo wir mit der erwerbbaren Pilgerausrüstung unseren Schabernack für Fotos trieben


Pilger-Oase "Casa des los Somoza"

Am Horizont sahen wir, wenn wir einen freien Blick über die Felder und Viehweiden hatten, die höchsten Erhebungen Penalinas (734 m) und Careon (802 m). So gelangten wir in unsere Zielstadt Melide, wo unseren Ost-West-Camino ein Nord-Süd-Pilgerweg kreuzt. Bevor wir zu unserem Hotel marschierten, kehrten wir zum Mittagsmahl in der Pulperia Enzequel ein, einem typischen Pilgerlokal, dessen Spezialität „Krake“ war, die wir fein zerschnitten mit Stäbchen aus Schalen in der Mitte der Tische angelten und ähnlich wie beim Fondue in kleinen Häppchen aßen. Das schmeckte ausgezeichnet und hatte keine Ähnlichkeit mehr mit den eher unappetitlich aussehenden Riesenkraken, die in Stahlfässern durch das Lokal in die Küche gefahren wurden. Vorsichtshalber hatten einige von uns etwas Anderes bestellt, aber der angenehme Duft, zu dem Gewürze beitrugen, verführte zu Kostproben und zu einer Umorientierung der Essgewohnheiten. Wohl gesättigt begaben wir uns danach ins Hotel und hatten am Nachmittag noch Zeit, um die Stadt mit ihrem lebhaften Treiben individuell zu erkunden, bis wir das opulente Abendessen einnahmen. Wie bei der ASI üblich wird morgens und abends jeweils vorzüglich im Hotel gespeist, während mittags auf den Wanderungen landestypisch eingekehrt, gegessen und getrunken wird – in diesem Fall halt eine Luxus-Pilgerreise.

                Penalinas 734 m    Careon 802 m                           Pulperia Enzquel         

4.  Etappe: Melide – Arzua 15 km am 04.10.2015 (Aufstieg 50 m, Abstieg 100 m)

Da am 04.10.2015 wieder eine kurze, nicht anstrengende Wanderetappe vor uns lag, widmeten wir uns am Morgen zuerst einer Stadtbesichtigung von Melide und besuchten das Rathaus sowie die Kirchen Igrexa Parroquial und Igrexa Sta. Maria. Abschließend bestiegen wir den Hausberg der Stadt und verließen nach einem Rundblick Melide leicht abwärts zum Dorf Santa Maria.


Auf dem weiteren Weg in der lieblichen Hügellandschaft mit Feldern, Wiesen und Wäldern passierten wir die Flüsse Rio Catasol und Rio Boente, in dessen ausgedehntem Tal wir die Dörfer Boente (mit Pilgerbrunnen), Castaneda und Ribadiso durchstreiften. Immer wieder begegneten wir den schon bekannten Horreos, hier modernen Maisspeichern ohne die tradierten Symbole. Auf den Feldern fiel uns besonders der galicische Kohl auf, eine Spezialität, die mannshoch wächst und wir später noch kosten konnten, vom Geschmack etwas an unseren Grünkohl erinnert. Am Ende der Wanderstrecke durchquerten wir das Städtchen Arzua, wo am Stadtrand unser Hotel „Suza“ auf uns wartete und wo wir in gemütlicher Runde bei anregenden Getränken und pikanten Speisen den Rest des Tages verbrachten.



5. Etappe: Arzua – Pedrouzo 19 km am 05.10.2015 (Aufstieg 50, Abstieg 150 m) 

Am nebligen Morgen starteten wir zur vorletzten Etappe, die uns durch ein flaches und weites Land führt, das fruchtbar und daher von vielen Feldern, wie wir sie schon kennen, bedeckt ist. Dazwischen wechseln sich Eukalyptuswälder und kleine Dörfer mit Gärten ab. Wir kamen zur Alm Ansa im Wald und durchschritten die Dörfer Pregontono unter einem Horreo hindurch und Peroxa über den Rio Ladron hinweg. Ferner passierten wir Dörfchen wie Taberna Vella, A Calzada mit Palmengarten, Rabina mit einer Wind getriebenen Wasserpumpe, Cerceda und schließlich Santa Irene, wo wir in dem Speiselokal Cleadoiro einkehrten, bevor wir den letzten Wegabschnitt unter die Schuhsohlen nahmen und dem Städtchen Pedrouzo entgegen strebten. Eine Besonderheit dieser Etappe war, dass wir unterwegs mehrmals Graffiti begegneten.

                                                                                               Rabina


Ansonsten ist noch das Abendessen in unserem Hotel und Restaurant „O Pino“ in Pedrouzo hervorzuheben. Uns wurde nämlich eine Menükarte vorgelegt, nach der wir zwischen Suppeneintopf nach galizischer Art, Gemüseplatte, Russischer (Gemüse-)Salat, Reis nach Matrosenart oder galizische Pastete als Vorspeisen, Kalbsbraten, Kalbszungenragout, Eintopf mit Fleisch, Kichererbsen und Kartoffeln, Schwertfisch vom Rost oder Forelle mit Schinken als Hauptspeisen sowie Eiscreme, Schokoladenkuchen, Jakobskuchen oder Obstsalat als Nachtisch wählen konnten. Und das alles in bester deutscher Sprache, obwohl damals in dieser ärmlichen, touristisch noch unterentwickelten Gegend das Hotelpersonal eher nur unzureichend englisch sprach. Zu dem leckeren Essen sprachen wir gerne den edlen Weinen und anderen süffigen Getränken zu, verbrachten eine angenehme Nacht und waren voller Erwartung auf die schönste Wanderetappe am nächsten Tag.

Unser Wanderführer steigerte noch die Spannung, indem er uns riet zu überlegen, aus welchen persönlichen Gründen wir auf dem Jakobsweg pilgerten, um am Ende darüber Auskunft zu geben und die Original-Jakobsweg-Urkunde – die „Compostela“ – zu empfangen. Zum Nachweis der mindestens zu Fuß am Stück zurückgelegten 100 km führten wir alle einen offiziellen Pilgerpass „Credencial del Penegrino“ mit uns (ich hatte meinen bei der St. Jakobus Bruderschaft in Trier besorgt), in den wir uns unterwegs von Kirchengemeinden, Pfarrbüros, Gemeindeämtern, Hotels, Gaststätten, Bars o. a. Einrichtungen Stempel (Abdrücke) eintragen ließen (bei mir waren es 37). Für mich ist es das wertvollste Wanderstempelheft, das ich neben vielen anderen besitze

6.  Etappe: Pedrouzo – Santiago de Compostela 23 km am 06.10.2007 (Aufstieg 100 m, Abstieg 150 m)

Bei guter Laune und in bester Stimmung brachen wir zu unserer letzten Wanderetappe auf, die mit 23 km Länge bei mäßigen Auf- und Abstiegen zu einer unserer längsten zählte und uns den Höhepunkt unserer Reise, das Ziel aller Pilger auf unserem Weg, die „Granit-Stadt“ Santiago de Compostela mit der berühmten Kathedrale und Grabstätte sowie Statue des Heiligen Jacobus bescheren sollte. Nachdem wir als Erstes die leicht vernebelten Wiesen und Felder von Pedrouzo durchwandert hatten, empfingen uns überwiegend Eukalyptuswälder und Heideflächen mit blühendem Ginster. Im Dorf Amonal gab es für den Camino eine eigene Straßenunterführung mittels Tunnel; zu unserer Morgenstunde fand hier allerdings kein reger Pilgerstrom statt, wie wir ihn in Santiago erleben sollten. Noch liefen wir unermüdlich durch die hügelige Wald- und Heidelandschaft, bis wir endlich den Grenzstein erreichten, der das Stadtgebiet von Santiago markiert.



Von hier aus waren es noch etwa 10 km bis zur eigentlichen Stadtbebauung von Santiago und es erwarteten uns noch einige Besonderheiten und Abwechslungen auf diesem Streckenabschnitt. Zunächst passierten wir die Einflugschneise des Flughafens von Santiago, dann kehrten wir zu einer Kaffee-Pause ins Casa Porta bei San Paio ein. Danach kamen wir ins Dorf Lavacolla mit Mais- und Kohlfeldern am Rande der Neubauten, der Wallfahrtskirche Ermita San Roque in der Ortsmitte, einer Waschstelle für Pilger im Rio Lavacolla und machten den Abgang durch das alte Dorf, in dem wir auf symbolträchtige Horreos stießen. Ein Stückchen weiter befanden wir uns in Villamaior, einer modernen Villenbesiedlung, die in der offenen Landschaft die Nähe der Großstadt ahnen ließ. Dies galt auch für die darauf folgenden im Wald liegenden Industriebetriebe einschließlich „TV Galicien“.

                                                              Lavacolla


Wir marschierten munter weiter zum Dorf San Marcos, bei dem wir an der Kapelle des Heiligen Marcus abzweigten zum 386 m hohen Monte de Gozo, dem „Berg der Freude“, der ein mächtiges Denkmal aus Bronze und Stein mit einem krönenden Kreuz trägt, das 1989 zum Besuch von Papst Johannes XXIII. errichtet wurde. Nachdem wir die in den Steinsockel eingelassenen Bronzetafeln betrachtet und gelesen hatten, ließen wir uns auf einer versteppten Hangwiese am Fuße des Denkmals zu einem Picknick nieder, das heute die Mittagseinkehr in ein heimisches Lokal ersetzte. Dafür hatte unser Reiseleiter und Wanderführer Matthias mit uns in Pedrouzo diverse Köstlichkeiten an Speisen und Getränken eingekauft, die wir alle, auf die vielen Rucksäcke verteilt, hergeschleppt und somit eine echte Pilgermühe auf uns genommen hatten. Uns mundete nicht nur das leckere Essen und Trinken, wir erfreuten uns dabei mit einem ersten Ausblick auf das vor dem Horizont in der Ferne liegende Santiago. So hatten wir es nicht eilig, die herrliche Stätte zu verlassen.

Auf dem Monte Gozo:          Papstdenkmal                      Picknick

Nach dem üppigen Mal schlenderten wir direkt von unserem Rastplatz den Berg hinunter zu dem unten befindlichen neuzeitlichen großen Pilgercamp, um dort den Stempel für unsere Pässe abzuholen. Anschließend durchwanderten wir den Vorort San Lorenzo und gelangten an das moderne Tor von Santiago – eine kunstvoll gestaltete Säule mit Tafeln von in Bronze gegossenen berühmten Persönlichkeiten.

Modernes Pilgercamp am Monte de Gozo      Neuzeitliches Tor von Santiago de Compostela

Danach durchquerten wir den Stadtteil San Pedro mit modernen Häusern und Geschäften, vorbei an der Iglesia San Lazaro und Palmenanpflanzungen. An der Porta do Camino betraten wir die Altstadt und gingen auf ziemlich direktem Weg zur Kathedrale: über die Rua das Casas Reais, den Praza da Immaculada, am Convento des San Martin Pinario entlang, damit wir durch einen Nebeneingang an der Nordseite, den Massenandrang durch die Hauptportale umgehend, mit relativ kurzem Warten und Schlangestehen ans Ziel kamen.

Hauptportal der Kathedrale                             Pilgereingang        

Das heißt, in der Krypta den reich verzierten metallenen Sarkophag des Heiligen Jakobus zu betrachten und im Dom dem Brauch der Pilger zu folgen, nämlich der Apostel-Statue aus Gold und Silber von hinten die Hände auf die Schultern zu legen, auf dass Jakobus unsere Lasten übernehmen möge. Nach dieser Zeremonie eilten wir durch das überfüllte Südportal der Kathedrale auf den Praza das Praterias, an dem sich das Pilgerbüro befindet, wo es die Urkunden gibt. Hier herrschte auch großer Andrang und wir mussten uns in die Wartereihen einordnen. Dafür beschränkte sich die Befragung – unter Vorlage des Pilgerpasses – auf das Notwendigste zum absolvierten Weg der Pilgerwanderung, sodass wir die „Compostela“, jeweils mit unseren lateinischen Vornamen versehen, problemlos entgegen nehmen konnten.

Südportal der Kathedrale                                            Domkapitel - Pferdebrunnen

Anschließend machten wir noch Fotos vom Südportal der Kathedrale und vom nebenan liegenden Domkapitel (Casa del Cabildo) mit Pferdebrunnen, bevor wir unser für einen Fußmarsch günstiges Hotel Hisperia Peregrino am Rande der Altstadt aufsuchten. Nach dem Abendessen schwärmten wir in Kleingruppen aus, um das quirlige Nachtleben Santiagos zu genießen, das nicht nur von den vielen meist älteren Pilger(inne)n bestimmt, sondern von vielen jungen Leuten der Universitätsstadt geprägt war.

Stadtführung mit Carla und individuelle Besichtigung von Santiago am 07.10.2007

Unser Motto dieses Tages zum Kennenlernen und Erleben von Santiago de Compostela lautete: am Vormittag Kultur und Geschichte – am Nachmittag Vergnügen nach je eigenem Gusto. Für den informativen Part hatte Matthias die versierte deutschstämmige Carla (die Blonde mit der weißen Jacke in der Mitte) engagiert, die uns die zu ihrer Heimat gewordene Stadt mit Begeisterung und ausführlich vorstellte. Sie zeigte uns die alte Universität (Antigua Universidade), und zwar befand sich am Praza da Universidade die Facultade de Xeografia e Historia. Überhaupt waren Fakultäten und Seminare auf etliche Gebäude in der Altstadt verteilt, das Uni-Rektorat Colegio de San Geronimo befand sich neben der Kathedrale in der Rua de Raxoi, und wir sahen werkstags die Studentinnen und Studenten mit ihren Kollegmappen, Büchern, Zeichnungsrollen und Schreibutensilien (weniger Laptops) zuhauf durch die Altstadt eilen, während der Universitätscampus (Campus sur Universitario) jenseits des Alameda-Parks im Grünen lag. Wir streiften durch die Rua do Franco zur Südseite der Kathedrale und weiter zum nördlich davon gelegenen großen Praza del Obradoiro, den der Raxoi-Palast, das Rathaus von Santiago, und das Gästehaus des katholischen Königs (Hostal de los Reyes Catolicos) umgeben und der nach der Messe recht gefüllt war, was auf den Andrang zu diesem Ereignis schließen lässt.

Universität                                                     Rua do Franco

Rathaus von Santiago                                          Gästehaus des Königs

Die Heilige Sonntagsmesse am Mittag in der Kathedrale war auch der Höhepunkt unserer Stadtführung. Lange vor der Eröffnung waren nicht nur die Sitzreihen, sondern ebenfalls die Gänge in den vier Kirchenschiffen mit Menschenmassen prall gefüllt. Wir verabredeten daher einen Treffpunkt nach der Veranstaltung und drängten uns einzeln und grüppchenweise durch die Menge in dem schummrigen Kirchenbau bis zu den Absperrungen, um den Zelebranten und Akteuren der Messe, die das berühmte mächtige Weihrauchfass schwingen ließen, möglichst nahe zu sein und uns der feierlichen Stimmung hinzugeben, was ganz gut gelang; allerdings erwies sich das Fotografieren in der Massenansammlung als schwierig oder unmöglich.


Anschließend betrachteten wir noch Steinreliefs an der Kirchenfassade. Dann begaben wir uns an die Westseite der Kathedrale auf den Praza da Quintana, von dem aus wir die Gebäude ringsum in Augenschein nahmen. Zunächst schauten wir uns neben dem Uhrenturm das Königstor und das Heilige Tor der Kathedrale an. Dann widmeten wir unsere Aufmerksamkeit dem Kloster Santo Domingo mit dem Casa de la Parra und der Quintana-Fassade.

Reliefs der Kathedrale                            Praza da Quintana: Königstor Heiliges Tor

                                                     Praza da Quintana

Nach der Verabschiedung von Carla auf dem Praza da Quintana bevölkerten wir erstmal die dortige Café-Terrasse zur Mittagspause. Anschließend verteilten wir uns nach den verschiedenen Geschmäckern zur individuellen Stadterkundung. In der näheren Umgebung wie bei der Eglesia San Martin Pinario und der Eglesia San Miguel blieb die Gruppe noch etwas zusammen, aber bis zum Kunstcenter Gallego am Convento de Santo Domingo an der Rua das Rodas am Altstadtrand hatte es die Geister getrennt und die meisten auseinander gezogen. Was aber alle am Ende einte, war der Besuch des Alameda-Parks am anderen Ende der Altstadt, zumal der Fußweg zum Hotel daran vorbei führte.



Fahrt auf dem Camino Finisterre nach Muros, Carnota, ans Cup Fisterra am 08.10.2007

Für den vorletzten Reisetag stand eine Busfahrt auf dem Camino Finisterre ans Cup Fisterra (Cabo Finisterre) auf dem Programm. Dieses fälschlich als westlichster Punkt Europas angenommene Kap am Atlantik galt früher als das Ende der Welt. Da der Camino Finisterre dorthin weitgehend über Straßen führt, erledigten wir die Strecke mit dem Bus und wanderten unterwegs in den schönen und geschichtsträchtigen Küstenorten Muros und Carnota. Das Städtchen Muros ist an der malerischen Bucht Ria de Muros e Noia gelegen und von seinem Berghang konnten wir über den Hafen bis zur Landspitze Punta Carreiro blicken.



Wir fuhren um die Landzunge herum zur nächsten Bucht Ria de Corcubion, an derem gegenüber liegenden Ufer und Ende bereits das Städtchen und das Kap Fisterra lagen. Doch zuvor machten wir in Carnota halt, das für seine Ansammlung schöner großer Horreos mit prächtigen Kreuz- und Phallus-Symbolen bekannt und berühmt ist, was wir durch eine ausführliche Besichtigung respektierten.


Auf der Küstenstraße gelangten wir schnell nach Fisterra, wo wir am Stadtrand zu unserer Kap-Wanderung starteten. Zuerst marschierten wir durch eine bewachsene Dünenlandschaft zum Strand von Fisterra am Atlantik, wo im Steppengras und Strandhafer Pferde weideten. Auf dem Sandstreifen in der weiten, offenen Bucht Ria de Lires, die an beiden Flanken von Bergen gesäumt wird, lauschten wir dem Meeresrauschen und erfreuten uns eine Weile lang an den aufbrandenden, gischtigen Wellen des atlantischen Ozeans. Dann gingen wir auf dem Strandweg zunächst über einen Holzsteg dem Berg entgegen, hinter dem sich an der Landspitze das bislang unsichtbare Cabo Finisterre befand. Am Berg des Kaps angekommen, empfing uns eine ziemlich üppige Vegetation, die hauptsächlich aus Kiefern, Olivenbäumen, Lorbeer, Ginster und hohem Farnkraut bestand und uns im Anstieg nur begrenzte Ausblicke auf die Ria de Lires und das Cabo Tourinan an der offenen Atlantikseite sowie auf die Ria de Corcubion mit der Stadt Fisterra gewährte.



Das änderte sich, als wir den Scheitelpunkt der Bergflanke erreichten und der Blick nach vorne immer mehr das Kap Fisterra aus verschiedenen Perspektiven freigab. So kamen wir zu der Bergesstelle, wo die Pilger mit Blick auf die Kapspitze bzw. das vermeintliche Ende der Welt ihre Schuhe zu verbrennen pflegen und wozu wir mit unseren nicht zerschlissenen Sohlen keinen Anlass sahen. Wir dankten hier oben unserem Wanderführer für die hervorragende Betreuung und übergaben ihm unsere Anerkennungsspenden. Anschließend hatten wir noch eine Weile bergab zu den Kap-Gebäuden Leuchtturm, technische Anlagen, Hotel, Ausflugsrestaurant, alte und neue Gedenksteine und Schilder zu laufen.



Nachdem wir uns am Kap ausgiebig umgeschaut und die Inschriften gelesen hatten, begaben wir uns zu unserem Bus auf dem Parkplatz und fuhren zum Hafen von Fisterra. Dort suchten wir das Restaurant “Marisqueria O’Centolo Finisterra” auf und wir vertilgten als Abschlussessen der wunderschönen Wanderreise eine sagenhafte, reichaltige Meeresfrüchteplatte jeweils für zwei Personen. Bevor wir nach der einmaligen Speisung zufrieden wieder den Bus bestiegen, verlieh uns Matthias die ASI-Urkungen und Abzeichen, die er hübsch drapiert auf einem Poller des Hafenkais aufgebaut hatte.

                                                 Denkmal am Hafen von Fisterra


Unsere Rückfahrt nach Santiago, wo wir abends ankamen, erfolgte der Küste abgewandt über Negreira, wo wir den Rio Tambre überschritten und die uralte Römerbrücke besichtigten. Übrigens sollen die Gebeine des Apostels Jakobus auf dem Camino Finisterre gefunden worden sein. Für die Erwanderung dieses Pilgerweges kann man eine eigenständige Urkunde erwerben, die in Fisterra verliehen wird.

              Römerbrücke über den Rio Tambre

Abschied und Rundgang am 09.10.2007 in Santiago de Compostela

Während die süddeutschen Teilnehmer unserer Reise- und Wandergruppe, die wieder über Madrid zurückkehrten, bereits nach dem Frühstück zum Flughafen gebracht wurden, hatten wir Norddeutschen dazu bis zum Mittag Zeit, um mit Air Berlin via Palma de Mallorca in die Heimat zu kommen. Den gewonnenen Vormittag nutzte ich – im Gegensatz zu meinen nicht so gelassenen Mitreisenden – zu einem zwar kalkulierten, aber geruhsamen, besinnlichen Abschiedsrundgang durch das wunderbare Santiago. Zum Teil erschloss ich mir noch einpaar weiße Flecken in der Altstadt wie z. B. die Eglesia del Pilar sowie das Kloster San Francisco de Valdidios, schaute vom Busbahnhof über die Dächer der neueren Häuser zum Monte Pedroso oder schlenderte die Rua Dos Loreiros, am Plaza das Penas und die Rua Costa Vella am Altstadtrand entlang. Andererseits suchte ich ein letztes Mal die schönen Plätze um die Kathedrale und den Alameda-Park auf. Der Flieger am Nachmittag gewährte schließlich keinen Rückblick und Überblick mehr, sondern stob in die andere Richtung, den Camino Frances schnell zurück lassend, davon. Auf Nimmerwiedersehen?



Dieser Reisebericht mit mehr Bildern kann bei mir per E-Mail unter dietrichpukas@t-online.de angefordert werden.


II.
Höhepunkte Japans und die 11. IVV-Olympiade – Wander- und Kulturreise nach Japan 2009 mit PTA-Tours (Reisebericht vom April 2015)

Anreise von Hannover über Zürich nach Japan und Aufenthalt in Tokyo 11.-13.05.2009
 
Infolge verspäteter Anmeldung konnte ich nicht mit unserer Reisegruppe über Frankfurt/M. anreisen, sondern ich flog am 11.05.2009 von Hannover-Langenhagen mit einem kleinen Avroliner RJ 100 der Swissair nach Zürich und von dort mit einem Airbus A 340-300 weiter nachTokyo. Zum Glück landete meine Maschine am Morgen des 12.05.2009 pünktlich auf dem Flughafen Narita, sodass ich mich nicht alleine zum Hotel im Centrum durchschlagen musste, sondern mich ein Weilchen später unserer Reisegruppe von PTA-Tours zur Busfahrt anschließen konnte. Wir waren über 100 Teilnehmer aus Deutschland, Luxemburg, Belgien, Frankreich und Italien und wurden von Andrea Baumeister und Antje Pfister (PTA-Tours), jeweils unterstützt von japanischen Reiseorganisatoren und Fremdenführerinnen, betreut. Da wir noch am Vormittag in unserem KKR-Hotel in Tokyo-Otemachi ankamen und die Zimmer noch nichtbezugsfertig waren, starteten wir sogleich mit einer japanischen Wanderführerin zu einer mehrstündigen IVV-Wanderung rund um den Kaiserpalast (Imperial Palace), der auf einer Parkinsel in Central Tokyo liegt. Nach der gemeinsamen Führung durften wir nach Lust und Laune noch weiter wandern und auf verschiedenen Wegen zum Hotel zurückkehren.Ich machte das im Kreis von einigen wanderfreudigen Französinnen und Franzosen, wobei wir nach dem Verlassen des riesigen Parkgeländes erstmal gewisse Schwierigkeiten hatten, unser Hotel in der gewaltigen Großstadt zu finden; allerdings traf ich auf dem Weg dorthin mitten in Tokyo einen Wanderfreund aus Hamburg, der mit Österreichern unterwegs war und ebenfalls zur Teilnahme an der Wanderolympiade in Japan weilte. Den Abend verbrachten wir im Hotel, wir bezogen unsere Zimmer im 15. Stock und hatten interessante Ausblicke von oben. Beim Abendessen landete ich zufällig in der Luxemburger Gruppe und stieß dort auf Francois, den ich einst auf einer Irland-Wanderreise kennenlernte und mit dem ich mich an lustige Begebenheiten erinnern konnte.


Am nächsten Morgen stand zunächst eine Stadtrundfahrt mit dem Bus in Central Tokyo an. Erster Höhepunkt war der Besuch des Tokyo Tower, wo wir von der Besucher-Plattform (Main Oberservatory) in 150 m Höhe (Turmhöhe 333 m) Rundumblicke auf die durch Hochhäuser geprägte Stadtsilhouette mit den typischen Dunstschleiern in der Ferne hatten, sodass wir den berühmten Monte Fuyi von hier aus nicht erspähen konnten. Unterwegs waren uns uniformierte japanische Schüler/-innen vor einem kapitolartigen Schulgebäude aufgefallen und auf dem Tower begegneten uns wiederum welche in der quirligen Masse der Touristen. Das erinnerte uns an den britischen Einfluss auf Japan, der sich z. B. auch im Linksverkehr und im Aufbau des politischen Systems zeigt. Anschließend fuhren wir zum Park „Iris Garden“ und marschierten in den nahen Meiji Park mit dem sehenswerten „Meiji-Schrein", dem verehrten Kaiser Meiji (1853-1912) gewidmet. 

                                                         Ginza Center

Als Kontrast zu diesem historischen Ort suchten wir danach das moderne „Ginza“ Einkaufzentrum auf, in dem alle großen Firmen der Welt exklusive Läden unterhalten. Wir verspeisten in einem geräumigen Ginza-Restaurant ein mehrgängiges Menu und bummelten noch ausgiebig die Ginza-Street zischen den hohen Geschäftshäusern entlang, am Sonntag wird die Straße für den Verkehr gesperrt und zur Fußgänerzone umfunktioniert. Darauf fuhren wir mit unserem Bus nach Alt-Tokyo in den Stadtteil Asakusa, der vom prächtigen Kannon-Tempel, mit einer goldenen Statue der Göttin der Barmherzigkeit geweiht, gekrönt wird. Wir stürzten uns in die bunte Menschenmenge und promenierten über die traditionelle Asakusa-Einkaufsstraße einschließlich der seitlichen Einkaufhallen. Für den Abend wurde als Alternative zur Busfahrt ins Hotel ein großes Technik-Kaufhaus mit den neuesten elektronischen Errungenschaften aufgesucht, während ich auf eigene Faust, um mich selbstständig in der fremdartigen Metropole mit den ungewohnten Schriftzeichen zurechtzufinden, vom Hotel aus zu Fuß das Tokyo Centrum am Hauptbahnhof erkundete und das Abendessen in einem typisch japanischen Lokal einnahm. Auf diesem Trip gewahrte ich bewusst und angenehm die disziplinierte, zuvorkommende Lebensart der Japaner und die vorherrschende Ordnung und Sauberkeit auf Straßen, Plätzen und in Gebäuden.

Traditionelle Asakusa Einkaufsstraße        Central Tokyo am Abend

Die 11. IVV-Wanderolympiade in der Mt. Fuji & Five Lakes Area 14.-17.05.2015

Der Standortwechsel am 14.05.2009 erfolgte per Bustransfer über die Autobahn von Tokyo zur etwa 150 km entfernten Mt. Fuji Area, dem Austragungsbereich der 11. IVV-Olympiade am Fuße des berühmten Fujiyama in einer schönen Wald- und 5-Seen-Landschaft. Im Stadtgebiet säumten unterschiedlich gestaltete Hochhäuser die Autobahn – in Tokyo und 50 km-Umkreis lebt ein Viertel der Japaner – und außerhalb umgaben uns bewaldete Berge, die kaum besiedelt waren, wie wir an der Autobahnraststätte feststellen konnten. Unser Hotel Tominoko in Kawaguchiko lag direkt am See und von meinem Hotelzimmer blickte ich über das Wasser auf den Vulkan Fuji (3776 m hoch), der auch im Sommer eine Schnee- und Eishaube trägt. Per Shuttlebus fuhren wir am Nachmittag zur Eröffnung der 11. IVV-Wanderolympiade im Stellar Theater in Kawaguchiko.

Zum Auftakt nahm ich an der 10 km-Waldwanderung mit Ausblicken auf den Fuji teil, auf der ich meine Wanderfreunde Tino und Lucie aus Leipzig kennenlernte. Wie es sich fügte, fanden wir danach in der Stellar-Arena Platz bei Wanderfreund Albert aus Hamburg und konnten gebannt der feierlichen Eröffnungszeremonie mit der Begrüßungsrede von IVV-Präsident Josef Gigl (Bayern), der Entzündung des Olympischen Feuers und den unterhaltsamen Darbietungen der japanischen Gastgeber beiwohnen. Als Gastgeschenk hatten wir u. a. eine eindrucksvolle Fotoserie vom Lake Kawaguchiko mit Fuji in allen Jahreszeiten erhalten. Am 15.05.2009 wählte ich unter den alternativen Wandermöglichkeiten die 20 km-Strecke um den idyllischen Lake Kawaguchiko, die ich zusammen mit Harry aus München absolvierte. Am Tag darauf startete ich die 20 km-Wanderung um den Lake Yamanakako in Kirara mit Marion aus Saarbrücken, die sich angesichts des Marathons vom Vortag auf die 10 km-Strecke beschränkte. Abends vergnügten wir uns auf einem stimmungsvollen Brauereifest für die Wanderer mit Trinken, Essen, Musik und Tanz. Am Vormittag des 17.05.2009 fand die letzte 10 km-Wanderung mit anschließender Abschluss-Kundgebung auf dem Olympia-Freigelände statt.  

Eröffnung der Olympiade im Stellar Theater     Außenbereich in Kawaguchiko

Die anschließende nachmittägliche Busfahrt auf den Monte Fuji fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser, insofern wir uns am Auffahrtende an der Baumgrenze bei Starkregen und Sturm – der Bus hielt dazu direkt vor dem Eingang – durch kühne Spurts und Sprünge ins Ausflugslokal retteten, welches wir schon nach kurzer Zeit fluchtartig verließen, um ein Ersatzprogramm zu bestreiten. Und zwar besuchten wir am Fuße des Fuji bei leichten Regenschauern und fast Windstille das Museumsdorf „Folk Village – Saiko Iyashi no sato Nenba“ mit alten Reet gedeckten Bauernhäusern samt Innenleben, das sich beschaulich in ein Flusstal an einem Waldeshang schmiegte.

Besuch von Himeji (Castle), Hiroshima, Miyajima und Nara 18.-20.05.2009

Schon früh am Morgen des 18.05.2009 brachten uns die Busse zur Bahnstation Fuji, von wo aus wir mit dem legendären Schnellzug Shinkansen nach Himeji fuhren. Hier erlebten wir die hervorragende Organisation unserer japanischen Reisebetreuer, den blitzschnellen Zugeinstieg und den Weitertransport unserer Koffer per Lastwagen und genossen den sanft dahin rollenden, geräumigen Hochgeschwindigkeitszug mit fünf Sitzen in einer Reihe, großer Beinfreiheit und viel Platz im Mittelgang für Servicewagen und Durchgang. So kamen wir nach kurzweiliger Fahrt gut gelaunt in Himeji an und brachen bei schönstem Wetter zur Besichtigung eines legendären UNESCO Welt-Kulturerbes auf: World Cultural Heritage „Himeji Castle“ (Burg des weißen Reihers), imposant auf einem Berg inmitten der Millionenstadt thronend. Wir überquerten den breiten Burgwassergraben in der Grünanlage, erklommen den Burgberg auf geschlungenen Wegen und bestaunten innerhalb der Ringmauern das vielgestaltige weiße Gebäude-Ensemble mit den pittoresk geschwungenen und gestapelten Dächern und Dachvorsprüngen sowie Zierfiguren von außen und innen und verließen den geschichtsträchtigen, romantischen Schauplatz schließlich nach ausgiebigen Rundblicken auf die Stadt.

Einer der in kurzer Taktfolge verkehrenden Shinkansen beförderte uns bald und schnell in die nächste Millionenstadt, nämlich nach Hiroshima, weltberühmt durch den ersten Atombomben-Abwurf in der Menschheitsgeschichte durch die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg (06.08.1945) mit verheerender Zerstörung und atomarer Verseuchung. Gegen Abend gelangten wir zu Fuß, da nicht weit vom Hauptbahnhof entfernt, in unser Hotel „New Hirodden“, wo wir zweimal übernachteten und die beiden Abende grüppchenweise verbrachten: auf Abendspaziergängen am Fluss Kyohashi-gawa -River, in den Fußgängerzonen und Lokalen der Innenstadt. Am 19.05.2009 begaben wir uns vormittags in den Gedenk- und Friedenspark, der als eindrucksvolles Mahnmal für den Weltfrieden auf dem einst bombardierten Trümmergelände errichtet worden ist und von Besuchern rund um den Erdball frequentiert wird. Zuerst besuchten wir die Atombomben-Ruine des Domes (Dome of Atomic Bomb), die als Gedenkstätte von Blumenrabatten eingefasst gegenüber der Friedenspark-Insel zwischen dem Honkawa (Otagawa) River und dem Motojasu-gawa River liegt. Der Friedenspark besteht aus mehreren modernen Denkmälern, die sich in eine anspruchsvoll mit Bäumen, Blumen, Hügeln, Wasserelementen sowie einem dreiteiligen Museumsbau gestaltete Landschaft einfügen. Wir trafen mehrere japanische Schulklassen, die statt Kränzen bunte Schleifen und Bilder an den Denkmälern niederlegten und Andachten abhielten. Im Museum konnten wir uns anhand von Bildern (auch Fotos der Zerstörungen), Schaubildern, Modellen, Requisiten, Filmsequenzen anschaulich und nachhaltig informieren. Mehr oder weniger nachdenklich gingen wir anschließend in die Altstadt zu einem gemeinsamen Mittagessen.  

Hiroshima Weltfriedenspark: Atom-Bomben-Ruine des Domes + Denkmal

Am Nachmittag bescherten uns die IVV-Wanderfreunde von Hiroshima eine der schönsten internationalen Volkssport-Wanderungen, die wir je erlebt haben, indem sie uns auf die traumhafte Insel Miyajima entführten, die Hiroshima im Seto-Binnenmeer vorgelagert ist und neben dem Friedenspark zum zweiten Weltkulturerbe Hiroshimas gehört. In knapp einstündiger Bootsfahrt setzten wir zur bewaldeten, bergigen Insel über und begannen in Miyajima-Village die Wanderung, die uns durch die Shopping Arcade (Einkaufsstraße) an der Pagode Omotesando und dem Schrein Itsukushima vorbei in den Momijidani Park führte. Hier stiegen wir auf verschlungenen Pfaden und Brücken über Bachläufen sowie auf Treppen, flankiert von üppiger Vegetation, Skulpturen, pavillonartigen Gebäuden, zum Daishoin Temple empor und kamen schließlich auf einer anderen Strecke des Rundweges zum Itsukushima Shrine (World Heritage since 1996) zurück, wo wir eine Hochzeitszeremonie beobachten konnten. Zum feuerroten hufeisenförmigen Schrein gehört das „Große Tor“ (Big Gate) aus gekreuzten Balken, das vor der Öffnungsseite im Meer steht. Wir hatten genügend Zeit, um den herrlichen Ort zu genießen und in Einzelgruppen zum Hafen zurückzukehren.  

Miyajima: Big Gate + Itsukushima Shrine

Unser Abschiedstag von Hiroshima, der 20.05.2009, sollte uns nach Nara zur „Wiege der japanischen Kultur“ bringen. Dorthin kamen wir mit Bahn und Bus und durchwanderten zunächst den Nara-Park, der die Tempel des Weltkulturerbes umgibt und wo uns am Eingang Hirsche empfingen, die zwischen den Touristen einher laufen. Anhand der Karte der Sehenswürdigkeiten, die wir in Deutsch erhielten, wurde schnell deutlich, dass wir uns aufgrund der ungeheueren Fülle an Bauwerken nur einen Ausschnitt bzw. Querschnitt anschauen konnten. So steuerten wir nach Durchschreiten des gewaltigen Eingangstorhauses zielstrebig den Haupttempel Todai-Ji an, das größte Holzgebäude der Welt von anno 752. Er beherbergt neben anderen den großen Vairo-Cana Buddha. Wir passierten danach u. a. den Chisoku-in-Tempel, das Oyuya-Badehaus, die Kaizan-do-, Nigatsu-do-, Hokke-do-(Sangatsu-do-)-Halle, den Glockenturm Shoro, den Tamukeyama-Hachimangu-Schrein, die fünfstöckige Pagode, im Garten des Kasuga den Kasuga-Taisha- und den Wakamiya-Schrein – eine exquisite Auswahl an imposanten, sehenswerten Denkmälern des Weltkulturerbes. Indes war es von hier nicht weit bis zu unserer nächsten sagenhaften Reisestation.  

Nara - Todaiji-Tempel + Sangatsu-Do-Halle

Aufenthalt in der Kaiserstadt Kyoto und Abflug von Osaka 20.-23.05.2009

Den Abend des erlebnisreichen Tages verbrachten wir nämlich bereits in der alten Kaiserstadt Kyoto, die uns zunächst ihr modernes Weltstadt-Gesicht zeigte. Das galt sowohl für unser neues, großes, um einen gläsernen Pavillon gebautes Luxushotel „NEW Miyako“ als auch für den gegenüberliegenden Hauptbahnhof mit seinem futuristischen Über- und Oberbau vor allem aus Stahl und Glas sowie seinem riesigen Unterbau, in dem sich eine eigene Stadt mit Läden und Lokalen befand und wo sich die meisten von uns zu einem Bummel und gemütlichen Beisammensein einfanden. Der 21.05.2009 war einer ganztätigen Stadtbesichtigung Kyotos unter der Regie unserer unermüdlichen Reiseführerin Yoko, die in Kyoto zu Hause war, gewidmet. Als Erstes fuhren wir (jeweils mit unseren beiden Reisebussen) zum berühmten Ryoanji Temple, einem großflächigen Park-, Garten- und Gebäude-Komplex mit See und Inseln, am bergigen und bewaldeten Stadtrand von Kyoto gelegen. Wir ergingen uns in der prächtigen Landschaft, bestaunten den Goldenen Pavillon, der sich im blauen Wasser spiegelte, erfreuten uns an den üppigen Pflanzen zwischen bizarren Bäumen und den blühenden Seerosen im Teich. Wir erkundeten vielfältige Steingärten (Zen-Gardens) und betrachteten das Innere einiger Bauten, von den oberen Wegen der Anlage ergaben sich schöne Ausblicke auf die Stadt.

Bald war Mittagszeit und wir fuhren zum vornehmen „Kyoto Ana Hotel“, dessen Atrium ein hübscher Schwanenteich mit blühenden Pflanzen zierte und in dessen Festsaal wir unter einem mächtigen Kristallleuchter fürstlich speisten. Nach dem Essen vertraten wir uns die Beine, indem wir einpaar hundert Meter zum UNESCO-World-Heritage „Nijo Castle“ des Tokugawa Shogunats marschierten, die reich verzierten alten Schlossbauten inspizierten sowie die umgebenden Seiryuen Garden und Ninomaru Garden mit Mauern, Steingebilden, Teichen, Bäumen, Sträuchern, Blumen verschiedenster Art durchschritten.  

World Heritage: Nijo Castle + Seiryuen Garden

Als Nächstes ging es zur größten Touristen-Attraktion Kyotos, dem Kiyomizu-Tempelberg am anderen bewaldeten und bergigen Stadtrand. Dorthin führt vom Busparkplatz die Kiyomizu-Michi-Street – eine Flanier- und Einkaufsmeile, auf der sich in beiden Richtungen gewaltige Menschenmassen wälzen und wir dazwischen. Sie endet am Treppenaufgang zum aufragenden Tor des Kiyomizu-Dera Tempels, wo wir uns für die gemeinsame Besichtigung versammelten. Neben dem Haupttempel sahen wir noch den Byodo-in Tempel, Glockenturm, Jishu-Jinja-Shrine mit Shrine-Gate. Dank Yokos Empfehlung konnten die Wanderfreudigsten das Kiyomizu-Ensemble noch aus der Schlucht-Perspektive von der gegenüberliegenden Talseite betrachten, während sich die anderen auf die Aussichtsterrasse des Ausflugslokals „Otowa-no-Taki-Cascad“ setzten.

Kiyomizu-Tempelberg

Nach Rückkehr zum Bus bot sich Yoko noch für eine Extra-Führung in ihrer Heimatstadt an, und zwar ins Abseits der großen Touristenströme. Davon machten außer mir nur noch 10 Luxemburger/-innen, Franz, Juliette, Lucienne u. a. Gebrauch. Wir gingen unter Luxemburger Fahne zunächst über die Treppen der Okazaki-Dori- und Niomon-Dori-Street, wo uns Japanerinnen in hübschen Gewändern posierten, und kamen in idyllische Ecken der alten Kaiserstadt einschließlich Yasaka-Jinja-Shrein. Über die belebte Ichiriki-Tei-Str. gelangten wir zur Hanami-Koji-Dori-Str. im Altstadt-Viertel „Gion“, sahen im Shira-Wawa-River mitten in der Stadt einen Fischreiher auf Beute lauern. Yoko führte uns die Nawate-Dori-Street entlang, vorbei am Kabuenjo-Theater zur „Gion-Corner“, wo wir eine echte Geisha in voller Montur und Bemalung bestaunen konnten. Schließlich begleitete uns Yoko noch auf einem Fußmarsch über die Karasuma-Dori-Str., in der hereinbrechenden Abenddämmerung den beleuchteten „Kyoto-Tower“passierend, zum gigantischen Hauptbahnhof, in dessen vielgestaltiger Unterwelt wir in einem netten Lokal zum Abendessen einkehrten, bevor ich den Abend mit meinen neuen Luxemburger Wanderfreunden und -freundinnen in unserer nahegelegenen Hotelbar ausklingen ließ.  


Unser letzter Tag in Kyoto, der 22.05.2009, stand ganz im Zeichen von zwei ausgedehnten IVV-Wanderungen, die die japanischen IVV-Wanderfreunde aus Kyoto gestalteten. Wir besichtigten zu Beginn den üppigen Ginkakuji-Park mit dem gleichnamigen Tempel, marschierten über die sechsspurige Gojo-Dori-Street, durchstreiften den Maru-Yama-Koen-Park, durchquerten den Chion-in-Temple, passierten das Heian-Gate und gelangten zur roten Säulenhalle des Heian-Shrine, wo die Luxemburger, unsere größte Wanderschar, ihr Gruppenaufnahme tätigten und ich mich ehrenhalber einreihen durfte. Sodann begaben wir uns zur Mittagspause an unser Etappenziel, das West-in Miyako Hotel am Fontänen-See.


Hier starteten wir unsere Nachmittagstour, die uns an anderer Stelle als am Vortag über den Shira-Kawa-Riverund ins Gion-Center leitete. Als Attraktion des Altstadtviertels zeigte uns der japanische Wanderführer, der übrigens jahrelang in Peine gearbeitet hatte und deutsch sprach, ein Wirr-Warr an Elektrizitäts- und Telefon-Leitungen, das fast wie ein großes Spinnennetz, an Hausfassaden und Masten befestigt, über der Straße hing – ein stärkerer Kontrast zum technisch-futuristischen Japan, das uns ebenfalls in Kyoto begegnete, war kaum denkbar. Wir kamen noch zum Kenninji Temple und Yasui-Konpiragu-Shrine, bevor wir auf der Gojo-ohashi-Brücke über den großen Fluss Kamo-Gawa-River, der ganz Kyoto durchzieht, gingen und auf die zentrale Karasuma-dori-Street einschwenkten. Von hier erspähten wir bereits Kyoto-Tower und Kyoto-Station, machten aber noch einen Abstecher am Wegesrand auf den Hof des mächtigen, für eine Renovierung eingerüsteten Higashi-HonganjiTempel. Zum Abschluss unseres Kyoto-Aufenthalts widmeten wir unsschließlich intensiv dem modernsten Hauptbahnhof der Welt: bestaunten die gigantische Stahl-Glas-Konstruktion von Kyoto-Station aus den verschiedensten Perspektiven und versäumten dank Yokos Fürsorge nicht, durch die oberen Einkaufsetagen im Bahnhof auf den Terrassen-Garten in luftiger Höhe hochzufahren und die Rundblicke auf die alte und neue Kaiserstadt, nicht zuletzt unser Hotel „New Miyako“ zu genießen.


An diesen Höhepunkt moderner technischer Baukunst erinnerte uns indes am nächsten Tag, dem 23.05.2009, der Flughafen Osaka Kansei, der ähnlich gestaltet auf einer künstlichen Insel im Meer angelegt ist und den wir über die Autobahn und eine lange Brücke mit dem Bus erreichten, um mit einem Lufthansa-Airbus A340-600 dem „Land der aufgehenden Sonne“ Richtung Frankfurt/Main den Rücken zuzukehren.

Weitere Fotos zum Bericht befinden sich auf der Seite der Bildergalerie Japan.


Anreise nach Keflavik, Blaue Lagune, Hafnarfjördur am 29.08.2015

Die Bahnfahrt nach Frankfurt traten wir noch mit gemischten Gefühlen und bangem Herzen an, denn einige Tage vorher war der 2009 m hohe Vulkan Bardarbunga ausgebrochen und speite glühende Lava – übrigens Monate danach immer noch, verbunden mit einem unablässigen Schwefelauswurf. Damals plagten uns die Erinnerungen von 2010, als sich der Vulkanausbruch des Eiriksjökull ereignete und mit seinem Ascheregen nicht nur weite Gebiete Islands bedeckte, sondern mit seinen gewaltigen Aschewolken wochenlang den Flugverkehr bis nach Europa und Deutschland lahmlegte, was Experten ebenfalls im aktuellen Fall für möglich hielten.  

Auf dem Frankfurter Flughafen angekommen, atmeten wir erstmal auf, weil der gebuchte Flug planmäßig stattfand. Nach 3,5-stündigem Flug mit einer Boeing 757-200 der Icelandair kamen wir auf dem Hauptflughafen Keflavik an, wo uns unser isländischer Reiseführer Jon im Regen empfing. Er sprach Deutsch, denn er war mit einer deutschen Frau verheiratet. Wegen des Regens konnte er uns trösten, da er uns sogleich im Bus zur Blauen Lagune entführte, einem 38° warmen, milchig-blauen Naturbadesee, von aufgetürmter Lava umgeben, 40  km südwestlich von Reykjavik auf der Halbinsel Reykjanes gelegen. Wir tummelten uns ausgiebig im entspannenden Wasser auf kieselschlammigem und felsigem Untergrund. Dabei hatte ich Gelegenheit, mit Jon ausführlich über seine Vulkan-Erfahrungen zu reden. Der Eiriksjökull hatte 2010 sein Haus und Grundstück in eine Zentimeter dicke Ascheschicht eingehüllt, was er vom Bardarbunga nicht erwartete, weil dieser am nordwestlichen Rand des zentralen großen Hauptgletschers Vatnajökull die Lava ins eisfreie Gebiet fließen ließ. Jon hatte das Spektakel zwei Tage zuvor auf einem Hubschrauberflug von oben angeschaut und hoffte, wegen der weiträumigen Absperrung ringsum uns vom brodelnden Bardarbunga wenigstens eine Rauchfahne aus der Ferne zeigen zu können. So zerstreute er unsere gehegten Befürchtungen und Bedenken und schürte gar unsere Erwartung, vom spektakulären Ereignis möglichst etwas in Augenschein nehmen zu können. Nach dem Badeerlebnis fuhren wir in die Hafenstadt Hafnarfjördur am Südrand von Reykjavik, wo wir – unsere 37-köpfige Reisegruppe aus Deutschland und Anrainerstaaten – unser rotes Hotel bezogen und den Abend vorwiegend in den umliegenden Gaststätten verbrachten.

Reykjavik – Pingvellir – Geysir – Gullfoss – Hvolsvöllur (270 km) am 30.08.2014

Als erstes brachen wir am nächsten Morgen zu einer Stadtrundfahrt durch Reykjavik auf und verschafften uns mit Jons Erläuterungen einen Überblick für unsere eigenen Hauptstadt-Erkundungen am vorletzten Reisetag. Danach setzten wir unsere Islandreise ins Landesinnere fort, verließen jedoch bald die Hauptstraße Nr. 1, auf der wir in fünf Tagen die Insel umrunden wollten, und fuhren zunächst auf der Landstraße 36 in östlicher Richtung 35 km in die Berge nach Pingvellir, dem bedeutendsten Ort Islands, der schon 1928 zum Nationalpark avancierte und seit 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. In dieser Region fanden nämlich alle historisch wichtigen Ereignisse statt: vor allem die Ausrufung des Freistaates 930 und die Gründung der Republik Island 1944. Hier trafen sich früher die Stammesoberhäupter und ihre freien Bauern, um Gesetze zu beraten, Urteile zu fällen und politische Entscheidungen zu treffen. Das Gebiet wird von Islands größtem See, dem 85 km² umfassenden Pingvallavatn, beherrscht.

Unser erster Aussichtspunkt in den Bergen hing in den Wolken, sodass wir fast nur das umgebende Lavagestein mit seinem spärlichen Moos- und Flechtenbewuchs betrachten konnten. Jedoch auf der Höhe am Informationszentrum lichtete sich der Nebel und wir bekamen trotz des trüben Wetters einen guten Überblick über die Landschaft mit dem See und den Bergen ringsum. Wir wanderten durch die „Schlucht aller Männer“ (Almannagjda) zum Gesetzesfelsen (Lögberg), von dem einst die Gesetze vorgetragen wurden, und bestaunten die Felsrisse, die vom Auseinanderdriften der eurasischen und amerikanischen Kontinentalplatte verursacht werden. Weiter ging es am Wasserfall Öxararfoss vorbei in die „Rabenschlucht“ (Hrafnagja), zwischendurch warfen wir einen Blick hinunter auf den kleinen Ort Pingvellir mit dem Kirchlein, in dem Jon getraut worden war. Nach 2 km erreichten wir den Bus auf dem Parkplatz im Öxara-Tal, eine Handvoll unserer Gruppenteilnehmer fehlte und wir fuhren zum Info-Center zurück, um sie einzusammeln, während Jon sicherheitshalber die gewanderte Strecke ablief. 

Nach einer Kaffee- und Imbisspause, Souvenirshopping inbegriffen, fuhren wir auf den Landstraßen 365 und 37 über die Dörfer Laugarvatn, Middalur, Uthilio nach Haukadalur zum Thermalgebiet mit dem Geysir Strokkur, der alle paar Minuten seine Fontäne bis zu 35 m in den Himmel empor schießt und den wir mitsamt seinem türkisblauen und roten mineralischen Umfeld auf einer Wanderung zum Berg Laugarfell erkundeten.

Nur 7 km vom Hotel- und Geysir-Center entfernt kamen wir zum Höhepunkt dieser Tagesreise: einem der schönsten Wasserfälle Islands, dem Gullfoss oder „Goldenen Wasserfall“. Hier stürzt der Gletscherfluss Hvita in zwei Kaskaden, die im 90°-Winkel zueinander stehen, 31 m tief in die Schlucht Hvitargljufur. Wir stiegen vom oberen Parkplatz mit Cafeteria, Laden und Ausstellungshalle über zahlreiche Treppenstufen zum Plateau des Gullfoss hinab und gaben uns dem faszinierenden Anblick der Wassermassen hin, die tosend in die Tiefe donnerten, was wir von mehreren Ebenen aus bestaunen konnten.

Anschließend fuhren wir über die Landstraßen 35 und 31 am Hvita- und Pjorsa-Fluss in den Süden Islands hinab, wo wir in der Nähe von Sellfoss auf die Haupt- und Inselrundstraße Nr. 1 stießen. Dieser folgten wir durch mehrere Dörfer nach Hvolsvöllur zu unserem gleichnamigen Übernachtungshotel. Hvolsvöllur ist Versorgungsort der Region und liegt etwa 10 km von der Atlantikküste entfernt; seine 500 Einwohner sind hauptsächlich im Handel und Dienstleistungsbereich beschäftigt. Für uns war besonders von Bedeutung, dass hier unser Reiseleiter wohnte und mit seiner Frau und vier Kindern einen kleinen Bauernhof betrieb. Bis zum opulenten Abendessen, wofür unser Hotel in der Gegend bekannt war, hatten wir noch genügend Zeit, um uns von Jon auf ein kleines Volksfest mit Bauernmarkt führen zu lassen, das – welch glückliche Fügung – gerade stattfand. Wir durften im Zuge der Gastfreundschaft gratis leckere Suppen und Getränke verkosten und begaben uns noch auf einen Spazierweg mit einer schönen Bildergalerie im Freien, die herrliche Großfotos mit isländischen Landschafts- und Naturaufnahmen zeigte (wie etwa die märchenhaften Süntel-Buchen-Ablichtungen im Kurpark von Bad Nenndorf).  

Hvolsvöllur – Kap Dyrholaey – Skaftafell – Jökulsarlon – Holmur an der Südatlantikküste (350 km) am 31.08.2014

Dieser Urlaubstag führte uns die isländischen Naturgewalten in Form von Regen und Sturm vor, die mächtig an unserem Bus zerrten, aber trotz Sturmwarnung brachte uns der Busfahrer in gemäßigtem Tempo zielstrebig auf der Hauptstraße 1 an der Südküste voran. Auf dem ersten Routenabschnitt standen mehrere Wasserfälle, die mit unterschiedlichen Wassermengen und in mehr oder weniger engen und tiefen Schluchten auf etwa 60 m Höhe von der Steilküste dem Meer entgegen sprangen, auf dem Besichtigungsprogramm: Selljalandsfoss, Skogafoss, Skaftafell. Wir fuhren jeweils dicht heran und beschränkten unsere Erkundungsausflüge auf kurze Stippvisiten, da wir trotz Regenkleidung jedes Mal ziemlich nass wurden, Regenschirme konnten jedenfalls nicht eingesetzt werden. Bei dieser Witterung war es angenehm, die Regenland- schaft aus dem Busfenster zu betrachten. Wir querten zahlreiche Flüsse, auch große wie Pvera und Krossa mit der Einbuchtung Markarfljot, von wo aus eine Fährverbindung zur Insel Heimaey bestand. Am Straßenrand tauchten neben Skogar einige Dörfer sowie flache Sandgebiete, Skogasandur und Solheimasandur auf.

So erreichten wir die Landspitze Kap Dyrholaey, wo uns bizarre Felsformationen und schroffe Basaltklippen erwarteten, in denen Tausende von Seevögeln nisten. Davon sahen wir freilich nichts; wir hatten Mühe, bei dem Sturm und Seegang überhaupt die Felsen vom schwarzen Strand aus in Augenschein zu nehmen und uns bis zu einem markanten Felstor vorzukämpfen, und waren froh, dass wir uns anschließend im Aussichtslokal bei Kaffee, Kuchen oder Imbiss aufwärmen konnten.

Danach ging es über den Pass des Vorgebirges „Türhügelinsel“ unterhalb des Gletschers Myrdalsjökull (1450 m hoch, mit einer 700 m dicken Eisschicht bedeckt), wo 1918 und 2011 der Vulkan Katla ausbrach. Wir erreichten den südlichsten Ort Islands: Vik i Myrdal mit 300 Einwohnern, die von Handel und Tourismus leben. Weiter fuhren wir durch die zum Teil mit Lupinen bewachsenen Lavafelder des Katla im Flutgebiet Myrdalssandur und kamen in die von unzähligen Flüssen in dichten Abständen durchzogene Schwemmlandschaft Skeidararsandur – die größten Flussläufe heißen Skafta, Nuptsvotn und Skeidara. Im angrenzenden Nationalpark Skaftafell am Fuße des größten Gletschers Europas Vatnajökull sollten wir laut Reiseplan eine 1,5-stündige Wanderung zum Wasserfall Svartifoss unternehmen, was wir jedoch wegen des Regens ausfallen ließen. Auch der eigentlich krönende Tagesabschluss mit einer Bootsfahrt auf der faszinierenden Gletscherlagune Jökulsarlon fiel sozusagen ins Wasser. Das heißt, nach einer kurzen Besichtigung der schwimmenden Eisberge im Gletschersee folgten wir Jons Vorschlag, das Erlebnis am nächsten Morgen bei schönem Wetter nachzuholen und uns zu unserem Hotel im Dörfchen Holmur bei Höfn zu begeben.

Holmur – Jökulsarlon – Höfn – Djupivogur – Egilsstadir (250 km) am 01.09.2014   

Am frühen Morgen traten wir bei Sonnenschein und blauem Himmel voller Erwartung die Fahrt zur Gletscherlagune Jökursarlon an, deren Bekanntschaft wir am Vorabend gemacht hatten. Auf dem 200 m tiefen Gletschersee, der als zugefrorene Eisfläche einst James Bond als Filmlandschaft gedient hatte, strahlten uns heute die im türkis schillernden Wasser treibenden Eisberge verlockend an. Flugs wurden zwei Amphibienfahrzeuge für unsere Gruppe 37 klar gemacht und schon spurteten wir auf der Lagune dem Eisberge kalbenden Breidamerjökull entgegen – vor der faszinierenden Kulisse aus Schnee und Eis des überragenden Hauptgletschers Vatnajökull. Wir kreuzten zwischen den bizarren Eisgebilden, durften ihnen jedoch nicht zu nahe kommen, weil sie nur ihre Spitzen zeigen und ihre massiven Körper unter der Wasseroberfläche schwimmen und dort Riffe bilden. Die charmante österreichische Tourismus-Managerin gab uns kleine Stückchen des Jahrtausende alten Eises zum Lutschen, während wir größere Eisblöcke auf den Arm nehmen durften. Allzu schnell neigte sich die Bootsfahrt dem Ende zu und wir rumpelten über das steinige Ufer zum Bus.

Auf der Ringstraße 1 steuerten wir an mehreren Dörfern vorbei unser nächstes Etappenziel an: den Fischerort Höfn, was Hafen bedeutet, und den hat das 1600 Einwohner umfassende Verwaltungs- und Versorgungszentrum für die Gemeinden des Südostens auch aufzuweisen. Wir besuchten zunächst den Aussichtspunkt auf dem Kap und tummelten uns dann grüppchenweise im Ort zur Kaffeepause, im Museum, Einkaufscenter, Hafen, zwischen den Siedlungshäusern.

Darauf setzten wir die Reise erst auf der flachen Halbinsel und dann auf der Steilküste Djupavogshreppur an der Bucht Skard-fjödur in den Osten Islands fort. Wir passierten durch einen Tunnel den Bergrücken zwischen Almannaskard (1029 m) und Vestrahorn (888 m), kamen an der Landzunge Papatj, den Buchten Lonsvik und Leon sowie dem Dorf Stafafell vorbei zum Aussichtspunkt Eystrahorn mit Leuchtturm Hvalnes. Danach umrundeten wir die beiden Ostfjorde Alftafjördur und Harmarfjördur mit dem Dorf Hamar und gelangten zu unserem Zwischenziel Djupivogur. Alte Häuser und ein kleiner Jachthafen prägen das Ortsbild des 400 Jahre alten Handelsplatzes, dessen 350 Einwohner heute noch vom Fischfang leben. Auf einer Wanderung von der Landzunge Bulandnes in die Dorfmitte besichtigten wir im Hafenbereich Gledivik die hübsche Attraktion von Djupivogur: nämlich eine Küstengalerie von 34 Steinskulpturen, die der Bildhauer Sigurdur Gudmundsson mit geschliffenen farbigen Natursteinen den Originaleiern der rund um Djupivogur heimischen Vögel – um ein Vielfaches vergrößert – nachgestaltet hat.

Nach unserer Mittagspause im Coop-Haus (Café, Restaurant, Museum) machten wir uns auf den Weg weiter durch den Osten nach Egilsstadir, indem wir die Fjorde Berufjördur, Bredalsvik, Stödvarfjördur, Faskrudsfjördur mit den zugehörigen Ortschaften, nach denen sie benannt sind, umfuhren. Vom fahrenden Bus aus betrachteten wir z. B. eine Fischfarm mit Netzen und Behältern im 22 km langen Berufjördur, den Jachthafen vom Städtchen Berufjördur, die kontrastierenden kleinen, auf der Anhöhe gelegenen Kirchen von Berunes oder die Leuchttürme Streitishvarf und Kambanes, die den buchtartigen Fjord Bredalsvik flankieren. 

Im Ort Bredalsvik bogenwir von der Hauptstraße Nr. 1 ab, weil diese im Bereich der Bredalsheidi nichtgut ausgebaut ist, und folgten der Küstenstraße 96 über Stöd zum Faskrudsfjördur, an dessen Ende wirddurch den Studlaheidi-Tunnel nach Reydarfjörduram gleichnamigen Fjord kamen. Hier belebt ein Aluminium-Schmelzwerk, das mit Elektrizitätaus dem mächtigen Wasserkraftwerk Karahn-jukar betrieben wird, die Wirtschaftder Region. Wir wechselten auf die Landstraße 92 und gelangten schnell nach Egilsstadir: mit 2300 Einwohnern dieeinzige Stadt in dieser Gegend, die sich seit ihrer Gründung 1944 zum Dienstleistungszentrumentwickelt hat. Nach einer Kaffeepause und kurzem Stadtspaziergang fuhren wirentlang des Sees Langarfljot (30 kmlang), der mit dem gleichnamigen Fluss dem Meer zustrebt, zu unserem ausgezeichnetenHotel im Wald von Hallormstadur beim Campingplatz Atlavik.

Egilsstadir – Krafla/Gaesafjöll – Namaskard – Myvatn/Dimmuborgir – Skutustadir – Godafoss – Akureyri (200 km) am 02.09.2014

Unsere Reiseroute ging zurück auf die Landesstraße 1, mit der wir bei Egilsstadir den Lagarfljot querten und in den Norden Islands eintraten. Von der flachen Fluss- und Wiesenlandschaft kamen wir rasch in die Berg- und Heidegegend Jökuldalur und Jökulsdalsheidi. Zum Auftakt passierten wir den Canyon des Jökulsa a Dal, der uns nach Skjöldolfsstadir begleitete, wo wir ausstiegen und durch die Heide zu einem Wasserfall wanderten, der sich neben anderen über den Hang des Sandfells und dessen Abbruchkante ergoss.

Danach fuhren wir den riesigen Lavagebieten Odadahraun und Myvatnsöraelfi mit mehreren über 1000 m hohen Bergen entgegen und suchten einen Aussichtspunkt auf, um über das Tal des Flusses Jökulsa a Fjöllum hinweg eine Rauchwolke des 2009 m hohen Lava speienden Vulkans Bardarbunga am Nordrand des Hauptgletschers Vatnajökull zu erspähen. Indes war das ersehnte Rauchzeichen am wolkigen Horizont jenseits der Berge nur zu erahnen statt deutlich wahrzunehmen und wir mussten uns mit dieser Illusion zufriedengeben. Allerdings standen uns als bald noch einige Highlights bevor.

Nachdem wir den großen Jökulsa a Fjöllum überschritten hatten, bogen wir über die bunte Jörundurheidi zum Erdwärme gespeisten Kraftwerk Krafla ab, wo 2010 das gigantische vulkanische „Krafla-Feuer“ ausgebrochen war und das imposante 800 m hoch gelegene Lavamassiv Gaesafjöll hinterließ. Dorthin marschierten wir vom Busparkplatz und erkundeten die irdische Mondlandschaft aus Sand- und Gesteinswüsten, Lavabergen und Lavakratern, Kraterseen, Erdspalten und spärlichem Moos- und Flechtenbewuchs.


Unser nächstes Ziel war nicht weit entfernt, nach kurzer Busfahrt landeten wir im farbenprächtigen Hochtemperaturgebiet Namaskard mit etlichen dampfenden Schwefelquellen oder Solfataren und brodelnden Schlammquellen. Bis zu 100 Grad heiß sind die Schlammtöpfe, die hellen Stellen können leicht einbrechen, weshalb man sich an die Leitlinien bzw. Absperrungen halten sollte. Das Soltarenfeld liegt am Fuße des Namafjall (482 m), hier wurde über Jahrhunderte Schwefel abgebaut, den man für die Schießpulver-Herstellung verwendete. Die Schautafeln – auch in deutscher Sprache –, die überall die Sehenswürdigkeiten hervorragend erläutern, klärten uns mit Schaubildern und Prinzipskizzen ausführlich über die Geologie und Historie auf. 


Anschließend fuhren wir über den Namafjall und hatten am Aussichtspunkt einen herrlichen Ausblick und Überblick über das Myvatn-Gebiet rund um den See Myvatn, dem viertgrößten Islands mit Lavagebilden, reicher Vegetation an den Ufern und vielfältiger Vogelpopulation. Wir passierten das Lavafeld Hverfell und gelangten ins Tal der Badequellen zum Naturbad Jardbödin vio Myvatn, wo wir Mittagsrast einlegten mit der Möglichkeit, ein Thermalbad zu nehmen oder die interessante Thermalgegend zu erwandern.



Durch den farbenfreudigen, mit Dampfwolken verzierten Thermalbereich Graenavatn setzten wir unsere Busfahrt fort und erreichten bald das Lavalabyrinth Dimmuborgir, das 1914 entstand und dessen bis zu 40 m hohen Lavaformationen inzwischen in eine üppige Vegetation eingebettet sind. Damit wir uns in der fantastischen natürlichen Skulpturenwelt mit Höhlen und Tunneln nicht verliefen oder bei intensiver Betrachtung die Zeit vergaßen, übernahm Jon vorsichtshalber die Führung. So konnten wir planmäßig nach Skutustadir weiter fahren und auf einer kleinen Wanderung über Hügel die sogenannten Pseudokrater am Südufer des Myvatn-Sees anschauen.


Dann strebten wir dem Höhepunkt des Tages entgegen, nämlich dem imposanten Wasserfall Godafoss („Götterfall“), der den Fluss Skjalfandafljot hufeisenförmig mit zwei breiten Kaskaden und einem Felsen in der Mitte, in die Tiefe stürzen lässt. Dort tummelten sich ziemlich viele Touristen und es war eine Attraktion, dass die Wagemutigsten auf glitschige, rund geschliffene Steine im Wasser sprangen, um einen zerklüfteten Flussnebenarm zu überqueren und dem tosenden Wasserfall ganz nahe zu kommen. Ich gehörte dazu und hatte auf dem turbulenten Rückweg das Vergnügen, im Gegenverkehr einer jungen Frau herüber zu helfen und sie mir, indem wir gleichzeitig auf einen gar nicht großen Steinbrocken sprangen, uns balancierend einen Augenblick umarmten und aneinander festhielten, und im nächsten Moment schwungvoll weiter sprangen. Danach sah ich den anderen „Sprungkünstlern“ zu, die den Schaulustigen ebenfalls nicht den Gefallen taten, ins Wasser zu stürzen. Vor allem ergötzten wir uns noch eine Weile aus verschienen Perspektiven an den brausenden Wassermassen des sagenhaften Godafoss.


Von hier hatten wir – verschiedene Ortschaften  passierend – nur noch 50 km auf der Ringstraße 1 bis zu unserem Übernachtungshotel in Svalbardseyri zurückzulegen. Es befand sich schräg gegenüber von Akureyri am großen Nordwestfjord Eyjafjördur, an dem wir bereits 5 km entlang gefahren waren. Zwischen Zimmerbezug und Abendessen hatten wir noch etwas Zeit, um Spaziergänge auf den Wiesenwegen unseres Landhotels am Fjord zu unternehmen und den Ereignis reichen Tag gemütlich ausklingen zu lassen.  

Laufas – Akureyri – Öxnadalsheidi – Skagafjördur – Holtavördurheidi – Grabrokargigum – Borganes – Walfjord-Tunnel – Hafnarfjördur (460 km) am 03.09.2014  

Am nächsten Morgen brachen wir erstmal zu einem Abstecher ins Museumsdorf Laufas auf und fuhren dazu den Eyjafjördur 15 km abwärts Richtung Meer. Dort besichtigten wir Torfhäuser von früher, deren Dächer mit Grassoden bedeckt waren, altes landwirtschaftliches Gerät sowie die kleine Kirche. Anschließend begaben wir uns auf die Fahrt nach Akureyri, das wir zunächst vom gegenüberliegenden Fjordufer als Gesamtansicht betrachteten, bevor wir hinüber fuhren und am Stadtmuseum haltmachten.


Akureyri liegt am Eyjafjördur, und zwar am Fuße des Sulur (1144 m) und stellt mit 17500 Einwohnern, die von Handel, Lebensmittelproduktion und Schiffbau leben, als viertgrößte Stadt Islands das kulturelle Zentrum des Nordens dar. Es beherbergt die zweite Universität des Landes, ein professionelles Theater, Kunstmuseum, Galerien und strahlt mit vielen alten Villen und Bäumen einen Charm als „Perle des Nordens“ aus.


Der Busfahrer setzte uns an der auf einem Hang gelegenen Stadtkirche ab, ein markantes, nach dem Prinzip der Basaltsäulen gestaltetes Gebäude. Von hier schwärmten wir grüppchenweise durch die Einkaufs- und Kunststraße Kaupvangsstraeti zur Stadterkundung aus, besuchten Geschäfte, Buchhandlung mit Café, Galerien und trafen uns schließlich zur Weiterfahrt am architektonisch interessanten Rundbau des Kultur- und Konferenzzentrums Hof.

Am Fluss Hörga fuhren wir auf der Landesstraße Nr. 1 aus der Stadt auf atzdie Hochebene Öxnadalsheidi mit der Passhöhe Kinnafjall (1110 m) und am Fluss Nordura zum See bzw. Meeresarm Heradsvötn hinunter und legten im Pferdezuchtgebiet Skagafjördur eine Pause ein. Wir machten Mittagsrast in einem Schnellimbissrestaurant in Varmahlid-Vidimyri, kamen alsbald für kurze Zeit an die Küste in Blonduos am Hunafjördur, passierten Dörfer an der Meeresbucht Hop, während sich landeinwärts der Höhenzug Vididalsfjall (993 m) erhob. Eine Weile später sahen wir den Midifjördur (20 m tiefes Kabeljau-Fanggebiet) sowie den Hrutafjördur und verließen das Meer in Richtung Stadur, wo wir uns auf einer Raststätte eine Kaffeepause gönnten. Danach befuhren wir die Hochebene Holtavördurheidi mit herrlichen Landschaftsausblicken. Am Snjofjöll (808 m) vorbei gelangten wir zum Grabrokargigum, wo wir eine längere Höhenwanderung auf den Kraterrandwegen mit fantastischen Rundblicken unternahmen.


Wir befanden uns hier sozusagen auf der Grenzlinie zwischen dem Norden und Westen Islands und tauchten auf der Weiterfahrt in das Borgarfjördurgebiet ein, das durch Westfjorde, warme Quellen, Lavahöhlen und größere landwirtschaftliche Nutzflächen bestimmt ist. Am Straßenrand sahen wir – mitten auf dem Lande – die Gebäude vom Campus der „Wirtschafts-Hochschule“. Nach 40 km erreichten wir das Städtchen Borgarnes, mit 1800 Einwohnern Hauptort der Region mit Handel und Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Bei trübem Wetter steuerten wir lediglich ein Einkaufscenter mit Tankstelle und Restauration an, um uns für die letzte Etappe unserer Tagesfahrt zu rüsten. Wir folgten der Landesstraße 1 über den Borgarfördur und fuhren, rechts das Meer, links der Hafnartjall (844 m hoch), zum Walfjordtunnel. Dieser unterquert den Hvalfjördur, sodass wir am Kollafjördur entlang schnell nach Reykjavik und über die Stadtautobahn nach Hafnarfjördur kamen, wo wir wieder unser gleichnamiges Hotel vom ersten Urlaubstag bezogen und abends die bekannten Lokale aufsuchten.

Reykjavik – Wandern durch die nördlichste Hauptstadt der Welt am 04.09.2014

Der 7. Tag der Reise stand zur freien Verfügung, um die isländische Hauptstadt näher kennenzulernen. Dazu machten wir uns gleich morgens zu zweit oder in kleinen Gruppen auf den Weg. In einer halben Stunde brachte uns der Linienbus vom Hotel in Hafnarfjördur nach Reykjavik zum Bus-Terminal Hlemmur, wo die Fußgängerzone und Einkaufsstraße Laugarvegur begann und wir unsere interessante Stadterkundung starteten. Mit 119000 Einwohnern ist Reykjavik eine kleine, überschaubare Metropole mit Sehenswürdigkeiten und Hightechbauten, umgeben von Meer (Kollafjördur) und Bergen (Esja), in der man sich gut orientieren kann und die sich hervorragend erwandern lässt.

Es handelt sich um eine „junge“ Stadt, die 1786 Stadtrechte erhielt, nur wenige Gebäude aus dem 19. Jh. aufweist, deren Aufstieg wesentlich mit dem Ausbau der Fischindustrie zu Beginn des 20. Jhs. zusammenhängt, deren Aufschwung jedoch nach 1940 maßgeblich von den englischen und amerikanischen Besatzern gefördert wurde, indem diese die Infrastruktur entwickelten und Arbeitsplätze schufen. Die junge Stadt verkörpern auch die Menschen, die die zahlreichen Schulen und die Universität besuchen; auffallend viele Kinder, Jugendliche, Heranwachsende bevölkern und beleben die Straßen, Plätze, Rasenflächen, Parks, Straßencafés.


Wir bummelten durch die bunte Laugarvegur mit ihren Geschäften und Lokalen und kehrten in eine Buchhandlung zum Kaffeetrinken ein. Danach bogen wir in die bergauf führende Skoladustigur ab, an deren oberem Ende als Wahrzeichen Reykjaviks die Hallgrimskirkja thront. Die Kirche wurde nach 40-jähriger Bauzeit 1986 eingeweiht, erhielt 1992 ihre große Klais-Orgel und bietet für 1200 Menschen Platz, die an den regelmäßigen Orgelkonzerten in den Sommermonaten teilnehmen. 


Der weit ausladende Turm symbolisiert die formale Anordnung von Basaltsäulen; davor steht ein Denkmal von Leifur Eiriksson, dem Entdecker der „neuen Welt“. Nach Besichtigung des Innenraumes fuhren wir auf die Aussichtsplattform im Turm und schauten ausgiebig in allen Himmelsrichtungen auf die Stadt und ihre Umgebung.


Als Nächstes pilgerten wir über Bankastraeti, Laekjargata (mit zentraler Busstation Laekjartorg), Austurstraeti zum Hafen. Dabei kamen wir an der Skolast vorbei, wo gerade die neuen Studentinnen und Studenten mit spielerischen Darstellungen ihre Immatrikulation feierten, daneben sahen wir auf dem Arnarholl das alte Rathaus, in dem 1986 das Treffen Reagan – Gorbatschow stattfand. Im Hafen angekommen, hatten wir einen ersten Blick auf die Harpa (Oper) mit einer Baustelle davor.


Am Kai in der Nähe lag nur ein großes Schiff der Hurtigruten, in den anderen Hafenbecken befanden sich kleinere Schiffe und Boote, die u. a. zur Walbeobachtung ausfuhren. An der Hafenausfahrt in der Ferne sahen wir ein riesiges Kreuzfahrtschiff auslaufen, das vom Cruiser-Terminal im Videyjarsund kam. Wir suchten den alten Hafen mit Hafenmuseum und Museumsschiff auf, marschierten am Hafenhaus (Hafnarhus), einem ehemaligen Lagerhaus und heutiger Ausstellungshalle für die Werke des isländischen Malers Erro, in die Altstadt.


In einem Speiselokal im Hafenviertel aßen wir „fish and chips“. Auf der Austurstraeti begaben wir uns ins touristische Zentrum, das zwischen Hafen und Stadtsee Tjörnin (The Pond) liegt. Mitten drin befindet sich der Austurvöllur, der beliebteste Platz der Stadt, auf dem alle politischen Kundgebungen stattfinden und der umrahmt wird von einem grauen Basaltgebäude namens Alpingishus, dem isländischen Parlament von 1881 mit Erweiterungsanbau von 2001, der alten Domkirche Domkirkjan von 1776, dem traditionsreichen Hotel Borg von 1930 sowie Cafés, Geschäften, Banken. Wir beobachteten hier Kids und junge Leute, die auf Rollerskates kühne Sprünge und Kunststücke über Rampen vollführten.


Über die Adalstraeti, älteste Straße Reykjaviks, gingen wir zur City Hall, dem Rathaus (Radhusid), das 1992 in eine trocken gelegte Ecke des Stadtsees Tjörnin gebaut wurde und das eine frequentierte Empfangs- und Ausstellungsstätte ist. Auf Augenhöhe mit dem Wasserspiegel kann man dort ein großes Reliefmodell von Island betrachten, Mosaikbilder zieren Wände, Bilder und Kunstgegenstände werden in abgeteilten Nischen präsentiert.




Wir promenierten am Tjörnin entlang, sahen Rathaus und Parlament aus verschiedenen Perspektiven, gelangten zu Prachtbauten an der Frikirkjuvegur, die in die Laekjargata mündet, und schlenderten diese zum Kongress- und Konzertzentrum Harpa am Hafen hinunter. Dieser mehrgeschossige Prachtbau von 2011 mit seiner faszinierenden Glasfassade des Künstlers Olafur Eliasson schimmert in verschiedenen Farben, beherbergt Foyers, Wandeltreppen, Konzertsäle, Geschäfte, Restaurant und Bar. Wir bummelten ausgiebig in dem großen Gebäude und nahmen seine Vielfalt in Augenschein.

HARPA
Kongress-
und
Konzert-
Zentrum

Gegenüber der Harpa beginnt die Hafenskyline von Reykjavik, die wir danach erwanderten. Am Jachthafen vorbei gingen wir auf der Meerpromenade an der viel befahrenen Hafenstraße Saebraut bis zu den Hochhäusern an der Klappastigur, aus der wir in die Hverfisgata einbogen.


Auf ihr durchquerten wir das Diplomatenviertel zwischen Botschaftsgebäuden, landeten auf dem Anarholl-Hügel, von dem wir einen letzten Ausblick auf die Harpa hatten und es nicht mehr weit zur zentralen Busstation Laekjartorg war. Dort stießen wir auf einige Mitreisende aus unserer Gruppe, die ebenfalls ins Hotel fuhren, denn es war inzwischen Abend geworden.


Abreise von Hafnarfjördur am 05.09.2014

Bereits früh morgens im Dunkeln fuhren wir zum internationalen Flughafen Keflavik, der so modern ist, dass man dort an Automaten selbst eincheckt. Dank einer helfenden Flughafen-Fee meisterten wir auch diese Klippe und hoben bei Tagesanbruch ab über die Wolken, aus denen uns einige herausragende Berge wie zum Abschied grüßten.

(Der Reisebericht mit mehr Bildern als Online-Datei kann kostenlos bei mir per E-Mail unter dietrichpukas@t-online.de angefordert werden!)


Von Kayseri in Zentralanatolien durch Kappadokien

Am 15.10.2011 flogen wir mit Sunexpress in einer Boeing von Frankfurt/M. nach Kayseri in Zentralanatolien, wo wir – rund 100 Reiseteilnehmer aus Deutschland und Luxemburg – abends ankamen. Die beiden von PTA-Tours gecharterten Reisebusse brachten uns mit den jeweils türkischen Reiseleitern und Betreuerinnen von PTA-Tours Andrea und Antje in unser Hotel Gomeda, etwa 60 km entfernt auf einer Anhöhe zwischen dem Provinzstädtchen Urgüp und dem Dorf Mustafapasa in der Region Göreme gelegen. In diesem Landhotel mit Balkon-Blick ins Tal übernach-teten wir viermal für unseren Kappadokien-Aufenthalt. 

Den Auftakt zu unserer Erkundung des Weltkulturerbes Kappadokien bildete am nächsten Morgen eine wunder-schöne Wanderung durch das rote Tal nach Göreme. Mit dem Bus fuhren wir auf die Passhöhe und wanderten bei Sonnenschein und einem blauen Himmel mit weißen Wolken zwischen den typischen Tuffsteinkegeln abwärts. Das Tal war anfangs eng und abschüssig und für den stellenweise schmalen und steilen, von Felsen eingerahmten Pfad erwiesen sich unsere knöchelhohen Wanderstiefel als das geeignete Schuhwerk. Auf unserem mitunter steinigen Weg nach unten wurden wir durch herrliche Ausblicke auf die zerklüftete „Mondlandschaft“ in der Ferne belohnt, während uns andererseits die nahen Schluchtenwände mit den offenen Eingängen zu den Höhlenwohnungen der Ureinwohner faszinierten. Wo sich das rote Tal in die Weite öffnete, gelangten wir ins Dorf Göreme und erlebten den Kontrast zwischen heutiger Wohnbebauung und den alten Höhlenwohnungen im aufragenden Tuffsteinfels. Nach dem Mittagessen widmeten wir uns der Besichtigung des berühmten Freilichtmuseums in Göreme. Unser Touristenführer Hassan erläuterte uns ausführlich die Wandmalereien in den Höhlenkirchen der frühen Christen, die auf verschiedenen Ebenen bzw. Etagen in die Tuffstein-formationen gehauen sind. Wegen des Fotografier-Verbotes für die alten Kulturdenkmäler und der herrschenden Dunkelheit mussten wir auf (Blitzlicht-)Aufnahmen verzichten. Zum Abschluss des Tages erlebten wir in einem unterirdisch angelegten Theater eine Aufführung tanzender Derwische. 

Der 17.10.2011 begann mit einer Busfahrt nach Ihlara, wo wir als erstes die Ihlara-Schlucht durchwanderten. Wir stiegen etliche Treppen zum Fluss Melendiz Cayi hinab und marschierten zwei Stunden zwischen den 100 m hohen Felswänden am plätschernden Wasser entlang und schauten eine der verborgenen Felsenkirchen an. Da uns die Busse am Ende der Wanderroute auf der Talsohle abholten, stellte die Tour keine hohen Anforderungen an die Kondition und es tummelten sich viele Touristen in dem romantischen Tal.

Im Anschluss besuchten wir die unterirdische Stadt Derinkuyu, die zwischen Ihlara und Urgüp gelegen, acht Stockwerke tief in die Erde gegraben und in den Fels gehauen ist. In den spärlich beleuchteten Gängen, von denen die ausgehöhlten Wohnungen abzweigten und die durch größere Versammlungsräume führten, konnte man nur teilweise aufrecht gehen, streckenweise musste man sich gebückt vorwärts bewegen oder gar durch abschüssige oder aufsteigende Gänge kriechen. Zeitweise blockierte ein Behinderter mit Beinprothese das Vorankommen, sodass sich die meisten damit begnügten, nur die Hälfte der sogenannten Stadt zu besichtigen, zumal die leeren Felshöhlen keine besonderen Anblicke hergaben. Am interessantesten war noch das oberirdische Treiben am Eingang des Kulturerbes im Untergrund.

Als nächstes fuhren wir ins abgele-gene, aber nicht weit entfernte Soganli-Tal mit dem gleichnamigen Dörfchen, in dem einige Einwohner noch in Höhlenwohnungen hausen. Wir waren mit dem Bürgermeister in seinem Gartenlokal zum Mittagessen verabredet. Bei Regen hätten nicht alle im Trockenen sitzen können, die sanitären Verhältnisse erwiesen sich als katastrophal, das Essen war abwechslungsreich und annehmbar, der Wein süffig. So kamen wir gut in den Nachmittag und unternahmen eine Wanderung in das Tal der Kirchen, wo uns nicht zuletzt in den Höhlenwohnungen und Höhlenkirchen eine mittelalterlich anmutende Atmosphäre empfing. Auf schmalem Pfad pilgerten wir am Hang oberhalb des Dorfes zurück. 

Am Morgen des 18.10.2011 ging es erstmal in eine Teppichknüpferei in Urgüp. Wir konnten nach einer grundlegenden Information und Übersicht nicht nur den Frauen bei der langwierigen Teppichknüpfarbeit zuschauen, sondern uns wurde auch die Seidengewinnung aus den Raupenkokons vorgeführt. Schließlich präsentierten uns die wendigen Teppichexperten und -verkäufer bei einem anregenden Umtrunk eine mannigfaltige Fülle von kostbaren Teppichen und priesen uns diese eindringlich und gleichfalls aufdringlich an.

Auf der Weiterfahrt kamen wir an den drei Grazien nahe Urgüp vorbei und begaben uns anschließend zum höchsten Tuffsteinkegel, dem 60 m hohen Uchisar, von wo aus sich uns ein atemberaubender Blick über den von der Natur geschaffenen einzigartigen Skulpturenpark (World Heritage) bot. Auf der Höhe am Rande der Schlucht verzehrten wir den mitgebrachten Imbiss und betrach-teten den nach Mondlandschaft anmutenden Talkessel mit den faszinierenden Naturformen und eingebetteten Häusern von Avanos.

Sodann fuhren wir Richtung Gülsehir zu unserer Wanderung durch das Tal der Tauben, wegen der zahlreichen phallusartigen Formationen gleichfalls Liebestal genannt. Unterwegs pflückten und aßen wir wildes Obst, an einer Freilicht-Raststätte unter einem Zeltdach konnte man sich an diversen Getränken laben. Am Talausgang erwartete uns der Bus, der uns zu einem Spaziergang nach Avanos brachte und nach einem Zwischen-stopp am „Kamel“ gelangten wir in die Provinzstadt Urgüb. Hier nahmen wir grüppchenweise jeweils eine kurze Stadtbesichtigung vor oder kehrten in ein Lokal ein.

Nach dem Abendessen im Hotel nahmen die meisten, die es gebucht hatten, an einer für Kappadokien typischen Folkloreveranstaltung teil. Es gab Tanzdarbietungen heimischer Folkloregruppen. Als Höhepunkt wurde eine Bauchtänzerin in einem illuminierten Käfig herabgelassen und nach ihren Tanzeinlagen unter Heranziehung von Wagemutigen aus dem Publikum fuhr sie wieder gen Himmel auf. Der Wein und andere Getränke flossen reichlich, verschie-dene Leckereien standen auf den Tischen bereit, die Stimmung war bestens. Viel Anklang bei den Besuchern fand eine große Polonäse nach draußen, wo um ein Feuer getanzt wurde. Die größte Begeisterung erfuhr schließlich der Publikumstanz bei heißer, wilder Rockmusik; Mitternacht war längst überschritten, als ein nicht tanzwütiger Reisegenosse die eigentlich früher geplante Heimfahrt anmahnte. Rechtzeitig zum Abschied von Kappadokien konnten wir vom Fotografen unser Gruppenfoto entgegennehmen.

Nach Antalya am Mittelmeer zur 12. IVV-Wander-Olympiade

Wir starteten am 19.10.2011 zu unserer zweiten Reiseetappe und fuhren über Ortahisar, Nevsehir, Aksaray, Kappadokien verlassend, zunächst nach Sultanhani, wo wir die alte seldschukische Karawanserei besichtigten. Danach gelangten wir über Obruk in die Universitätsstadt Konya, wo unser Reiseführer Hassan Germanistik und Touristik studiert hatte. So konnte er uns detailliert das dortige Mevlana Kloster, von einer prächtigen Parkanlage umgeben, nahebringen. Das war nämlich einst das religiöse Zentrum der „tanzenden Derwische“.

Hinter Konya im Bezirk Beysehir kehrten wir in eine Raststätte zum Mittagessen ein. Ein typischer Reiseumstand für diese Fahrt zum Akdeniz/Mittelmeer war, dass unsere Autostraße zu der Zeit über weite Strecken vierspurig ausgebaut wurde, was unser zügiges Vorankommen jedoch nicht behinderte, obwohl wir das mächtige Taurus-Gebirge passierten, von dessen Passhöhe wir einen ersten Blick auf das Meer hatten.

In Manavgat erreichten wir die Küstenautobahn, überquerten den Manavgat-River und machten noch einen kurzen Zwischenstopp, bevor wir uns in rasantem Tempo unserem Ziel, dem berühmten Touristen-Badeort Antalya, näherten. Wie Hassan erläuterte, ist Antalya in wenigen Jahren zu einer 2-Millionen-Stadt angewachsen – er muss es wissen, denn er wohnt hier – und verfügt über die geeigneten Veranstaltungsstätten und Wandermöglichkeiten, um nach Japan (im malerischen 5-Seen-Gebiet am Fuyijama) die 12. IVV-Olympiade auszurichten, zu der wir hergekommen waren. Unser Hotel Sealife Resort lag am kilometerlangen Konyaalti-Strand vor der Kulisse der Taurus-Bergkette, der Güllük und Bey Berge. Wir verbrachten hier vier Übernachtungen und hatten alle Hotelleistungen wie z. B. den ganzen Tag über Getränke inklusive, wozu wir mit einem blauen Armband beringt wurden.

Am Morgen des ersten Olympiade-Tages, dem 20.10.2011, trafen wir uns im obersten Stock des Hotels , wo uns Andrea und Antje die Startchips und anderen Olympia-Utensilien wie T-Shirt, Umhänge-Rucksack, Stoffaufnäher, Deutschlandfähnchen, Metallabzeichen, Stadtplan, Veranstaltungspläne, Olympia-Broschüre aushändigten. Anschließend marschierten wir gemeinsam 6 km (überwiegend am Strand entlang) zum Republik Square, dem Startplatz der Olympia-Parade. Hier versammelten sich die Teilnehmer der Nationen zum festlichen Umzug durch die Stadt und wir scharten uns um das DVV-Präsidium mit Kneibert, Jäger, Motz u. a. und stellten die größte Teilnehmergruppe.

Nach kurzer Ansprache zog die farbenprächtige, Fahnen schwenkende Teilnehmerschar durch Straßen und Parks, gesäumt von Spalier stehenden, jubelnden Einwohnern, Besuchern, Jugendlichen und Schulkindern, zum 5 km entfernten Olympischen Dorf im Sabanci Kongress- und Messezentrum. In der dortigen gläsernen Pyramide (glass pyramid) fand dann die Eröffnungszeremonie statt. Auf dem Olympia-Gelände, das sich mit seinen Gebäuden, botanischen Anlagen und architektonischen Elementen an den Atatürk-Kulturpark und den Beach-Park anschließt, waren neben den Start- und Zieleinrichtungen zahlreiche Stände mit kulinarischen Angeboten und Souvenirs sowie Freiluftgaststätten aufgebaut. Am Abend fand hier eine große Willkommensparty statt, an der je nach individuellen Interessen teilgenommen wurde.

Der nächste Olympiade-Tag fing mit einer Panne an, insoweit der bestellte Bus zum Kursunlu-Startplatz ausblieb und wir grüppchenweise mit Taxis zum Olympia-Zentrum fahren mussten. Dadurch geriet der avisierte Teilnahmeplan durcheinander und ich landete schon am 21.10.2011 in Kemer – Badeort und Touristenstadt, idyllisch vor den Bey-Bergen und am Beydaglan Olimpos Milli Parki (Nationalpark) sowie Mittelmeer 50 km von Antalya entfernt gelegen. Ich wählte die 20 km-Wanderstrecke und marschierte durch die Fußgängerzone zusammen mit russischen Wanderern aus dem Ort hinaus Richtung Aslanbucak. Allerdings waren die Osteuropäer zu schnell für mich, sodass sich unsere Wege schon an der Brücke über den arg ausgetrockneten Alakil Cayi (Fluss) trennten. In Kuzdere traf ich kurz darauf eine Engländerin, die mir einen selbst gepflückten Granatapfel und exotische Früchte zu essen gab, die mir nicht sonderlich mundeten, und außerdem ging sie mir zu langsam.

So eilte ich schneller von dannen und holte an einer unmarkierten Abzweigung eine Gruppe von unschlüssigen Franzosen ein. Wir gingen gemeinsam weiter, wobei ich mich mit meinem vernachlässigten Schulfranzösisch nur recht unvollkommen verständigen konnte. Wir stießen bald auf eine polnische Wandergruppe, die diskutierend und den Wanderplan studierend an einer Wegverzweigung im Wald stand. Der Weg nach rechts war mit anderen als den gewohnten Markierungen geradezu bepflastert, der Pfad geradeaus war nicht gekennzeichnet, ihn hielten die Polen jedoch für die Wanderroute. Ich folgte kurz entschlossen dem ausgeschilderten Weg, bis ich auf eine Schafherde traf und der Schäfer mich auf einen Pfeil in die rückwärtige Richtung aufmerksam machte. Also ging ich zurück und gewahrte gerade noch, wie die Polen im Wald einen Berg hoch kraxelten. Ich schloss mich an und tatsächlich fanden wir auf der Höhe die Olympia-Wegeauszeichnung. 

Auf die Dauer kamen mir die Mitwanderer nicht schnell genug voran und als uns einige Amerikanerinnen ein- und überholten, lief ich mit diesen mit, zumal die Unterhaltung leichter war. Wir kamen zielstrebig und ohne weitere Markierungslücken zu den Kontroll- und Verpflegungsstellen, durchwanderten zügig den lang gezogenen Ort Camyuva, durchquerten das Flussbett des bis auf ein Rinnsal trockenen Alakil Cayi und strebten auf der Straße über die Berge Kemer zu, wo ich im Park am Meer die wahrlich internationale Wanderung in vier Stunden beendete.

Bis zur nächsten Shuttlebus-Abfahrt nach Antalya blieb noch Zeit, den Meeresstrand in Kemer zu erkunden. Im Olympischen Dorf verbrachte ich den Nachmittag mit alten (von der China- u. Japanreise) sowie neuen Wanderfreunden, bis die unermüdliche Anke (aus der Vorder-Eifel) vom Marathon kam und mit mir am Konyaalti Strand zum Hotel marschierte. Am Abend besichtigten wir eine Lederfabrikation mit Verkauf und machten mit dem Bus eine Lichterfahrt durch Antalya.

Während am 22.10.2011 der gecharterte Bus die meisten Teilnehmer unserer Reisegruppe planmäßig nach Kemer fuhr, nahm ich nun die Olympia-Wanderung an den Kursunlu-Wasserfällen im Norden Antalyas in Angriff und bestieg den Shuttlebus dorthin. Es ergab sich, dass ich die 23 km-Strecke mit Marlies aus Dormagen und Karin aus Wuppertal absolvierte. Wir starteten am romantischen Wasserfall und durchschritten ein uriges Tal mit terrassenartig bzw. stufenförmig angeordneten Teichen, kleinen grün-blauen Seen inmitten eines üppigen, dschungelhaften Waldes.

Auf der Höhe der anderen Talseite umfing uns ein ausgedehnter Kiefernwald, in dem wir kilometerweit auf sandigen Wegen gingen und ab und zu eine Kontroll- und Getränkestelle passierten, bis wir am Waldende den Aksu Cavi/Fluss, Plantagen, Gewächshäuser und Einzelgehöfte von Hacilar erreichten. Durch Felder am Fluss entlang kamen wir bald zur Hauptkontroll- und Raststätte, unter Bäumen angesiedelt, bei der u. a. heimische Teiggerichte zubereitet wurden. Wir wanderten noch eine Schleife durch den Wald, bevor wir am Aksu River den Rückweg antraten. Zur Abwechslung wurden wir durch weite Rodungsflächen und auf holprigem Untergrund wieder dem Kursunlu-Tal zugeführt. Nach steilem Abstieg folgten wir dem Wasseroberlauf auf verschlungenen Dschungelpfaden, überquerten ihn schließlich auf einer Holzbrücke und stiegen die Treppen zum Start/Finish empor, von wo uns der Shuttlebus zum olympischen Dorf zurückbrachte. Abends gab es ein Rotweingelage im Hotel all inclusiv.

Am 23.10.2011, dem letzten Olympia(halb)tag, konnte nur noch vom Olympia-Zentrum in Antalya eine 5 oder 10 km-Abschlussrunde durch den Atatürk Park und am Konyaalti Strand gedreht werden. Ich begab mich mit alten Wanderfreunden auf die längere Distanz. Wir spurteten uns, damit wir noch die IML-Stempel und IML-Abzeichen (der Internationalen Marschliga) besorgen konnten. Mit dieser Olympia-Teilnahme erfüllte ich endlich die Bedingungen für den IVV-Weltcup. Um 12 Uhr fand dann die Abschlusszeremonie der 12. IVV-Olympiade statt und unmittelbar darauf wollten wir direkt vom Olympia-Park aus unsere Türkei-Reise fortsetzen.

Zur Ägäis und an den Bosporus nach Istanbul

Die dritte und letzte Reiseetappe geschah mit einer veränderten personellen Besetzung, insofern nicht alle Kappadokien-Besucher neben der Olympiade das komplette Reisepaket gebucht hatten und neue Mitreisende hinzu kamen, die außer der Olympiade das Westküsten-Arrangement mitmachten. Außerdem wechselten die einheimischen Reiseleiter, uns begleitete nun Mehmet, der nicht ganz so perfekt deutsch sprach wie Hassan, aber mit einem enormen Detailwissen über die historischen Stätten, die wir uns zu Gemüte führten, aufwartete. Am Nachmittag des 23.10.2011 reisten wir über Korkuteli, Altinyayli, Cavdir, Acipayam nach Pamukkale im Bezirk Dinizli. Bevor wir unser Hotel Herakles in Pamukkale-Karahayit in Beschlag nahmen, schauten wir uns schon mal das einmalige türkische Naturwunder, die berühmten Kalksinterterrassen und weißen Wasserfälle von unten, nämlich vom See aus an.

Den Vormittag des 24.10.2011 verbrachten wir auf dem Berg, um zunächst das Weltkulturerbe (World Heritage Area) Necropolis und Hierapolis in Pamukkale anzuschauen. Dort oben befindet sich auch ein antikes Bad, in dem wir eine Pause einlegten. Ansonsten ergingen wir uns vorwiegend auf den Kalksinter- und Travertin-Terrassen barfuß im warmen Wasser. Wer wollte, konnte nach unten zum See hinabsteigen und dort den Bus nehmen.

Weiter ging es über Denizli, Aydin, Selcuk – unterwegs speisten wir in einer Raststätte zu Mittag – ans Ägäische Meer nach Kusadasi. Unser Turm-Hotel Tusan Beach lag außerhalb der bekannten Hafenstadt und thronte traumhaft auf der Höhe über einer malerischen Felsenbucht. Hier blieben wir zwei Nächte; es machte Spaß, das Hotel innen und außen von der Turmspitze über die Terrassen mit den Pools bis zum umtosten Meeresstrand auf dem Grund der Bucht in Augenschein zu nehmen und die Aussichten ringsum zu genießen.

Am Morgen des 25.10.2011 fuhren wir nach Ephesus und widmeten uns der größten archäologischen Ausgrabungsstätte der Türkei nahe Selcuk. Im Altertum war Ephesus eine der reichsten und bedeutendsten griechischen Städte Kleinasiens und beherbergt heute mit dem Tempel der Artemis eines der Sieben Weltwunder. Ausgiebig und unverdrossen erklärte uns Mehmet die Grundmauern und Gebäudereste der Ruinen, von der Celsus-Bibliothek, dem Badehaus bis zum Freudenhaus, von der Wasserleitung bis zum Abwasserkanal und Toilettenanlage. Am besten erhalten war der mächtige Tempel der Artemis, der Stadtgöttin, als besonderes UNESCO-Weltkulturerbe halt vorrangig gepflegt.

Nach der Besichtigung von Ephesus kam es zu einer unliebsamen Kontroverse. Fakultativ sollte vor der Fahrt in die Altstadt von Kusadasi eine Goldfabrikation besucht werden, was nur einige wenige wahrnehmen wollten. Das erboste Mehmet derart, dass der Bus die anderen direkt ins Hotel bringen sollte. Nur dem Busfahrer verdankten wir, dass wir gleich nach Kusadasi kamen und dort mehr Zeit hatten, um die schöne, für Kreuzfahrten beliebte Hafenstadt zu erkunden.

Früher als sonst starteten wir am 26.10.2011 nach Canakkale an der Meeresenge (Bogazi) zum Marmarameer (Marmara Denizi). Als erstes begaben wir uns über Izmir nach Bergama. Und zwar hatte es uns der Akropolishügel hoch droben über der Stadt angetan. Diese historische Stätte ist als Pergamon bekannt und war im 3. und 2. Jh. v. Chr. ein markantes Kulturzentrum Kleinasiens. Wir fuhren mit Lift und Seilbahn auf den geschichtsträchtigen Berg, den wir auf diesem Weg nach zwei Stunden wieder verließen.

Dazwischen lag wiederum ein beeindruckendes kulturgeschichtliches Erlebnis, das durch die Rundumsicht vom hohen Berg auf die Stadt und nach der anderen Seite auf den großen Stausee Baki Cayi eine besondere Note erhielt. Wir bestaunten die Ruinen des Trajan Tempels und der Bibliothek, den Pergamonaltar und das antike Theater, während Mehmet Gepflogenheiten des damaligen Lebens und Treibens wie die raffinierte Wasserversorgung schilderte.

Die Weiterfahrt mit Mittagsrast unterwegs erfolgte an der schönen Steilküste des ägäischen Meeres, wir passierten Gömec, Burhaniye, Edremit, Kücükkuyu und gelangten zu unserem Hotel Ida Kale an der Mola Caddese in Güzelyali, an der Meerenge Canakkale Bogazi gelegen. Von dort hatten wir es nicht weit bis nach Troja, das wir auf unserer letzten Etappe nach Istanbul am 27.10.2011 morgens aufsuchten. Kurz nach dem Eingang weckte das große Trojanische Pferd aus Holz unser Interesse, in das die meisten hineinkletterten. Von dem einst mächtigen antiken Handelszentrum, dessen Zerstörung Homer in seiner Schilderung des trojanischen Krieges publik gemacht hat, ist enttäuschend wenig an Wällen, Hügeln, Mauerresten, fragmentierten Säulen übriggeblieben. Nur mit Hilfe der Rekonstruktionen auf den Schautafeln kann man konkrete Vorstellungen von der ehemals imposanten Anlage gewinnen. Zu den Erkenntnissen haben maßgeblich die Ausgrabungen von Korfmann und Schliemann beigetragen. So hat der sogenannte Schliemann-Graben Berühmtheit erlangt, der dort in Natur und auf Schautafel zu sehen ist, den Mehmet allerdings kritisierte, weil durch zu wenig sensibles und differenziertes Vorgehen Identifizierungsmöglichkeiten verloren gingen.

Wir verließen Troja Richtung Canakkale und fuhren zum Fährhafen von Lapseki, um uns für die Überfahrt über das Marmarameer einzuschiffen. Mit der Fähre, auf der wir die Gastronomie nutzten, verließen wir Asien und langten in Gelibolu im europäischen Teil der Tükei an. Über Kesan und Tekirdag erreichten wir gegen Abend unser Hotel Ikbal de Luxe im Centrum von Istanbul. Vom Frühstücksraum im obersten Stock oder vom Dachgarten konnte man auf das Marmara Deniz/Meer und das Fähr-Terminal Katip Kasim im europäischen Istanbul schauen. Diese quirlige Weltstadt auf zwei Kontinenten, zwischen Orient und Okzident, war von einer ungeheueren Lebendigkeit und Fülle, voller Bewegung von Menschenmassen, Sprachgewirr, Lärm und Getöse des chaotischen Straßenverkehrs zur Rushhour, als wir ankamen. Noch am selben Abend mischte ich mich erwartungsvoll in das Leben und Treiben und nahm die ungewohnten Eindrücke mit Neugier und Sympathie auf.

Den 28.10.2011 ließen wir indessen gelassen angehen und machten uns alle zu Fuß auf den Weg zum ägyptischen Basar, dem Grand Bazar Kapalicarsi, der als Stadtviertel mit über 4000 Geschäften in engen Gassen mit Gewölben und unter freiem Himmel zum Bummeln und Kaufen einlädt. Wir bekamen zwei Stunden freien Auslauf, damit wir uns nach Herzenslust und individuellen Interessen tummeln konnten. Anschließend fuhren wir zum Gewürzmarkt Mesir Casisi nahe der Yeni Camii/Moschee am zentralen Eminönü Meydan/Platz und ließen uns dort gehen.

In der Nähe besuchten wir die Rüstem Pasa Camii/Moschee, bevor wir uns zum Bus begaben und auf die Galata Köprüsü/Brücke, die sich über das Goldene Horn/Halic spannt, fuhren und einen Ausblick auf Istanbul-Kai und Marmara Meer nahmen. Wir befanden uns bereits auf dem Weg zur Bosporus-Bootsfahrt. Dazu chauffierte uns der Busfahrer durch die Stadtteile Beyoglu, Sisli, Besiktas und Sariyer an die Karadeniz/Schwarzmeer-Küste, wo wir zu Mittag aßen.

Anschließend bestiegen wir das Ausflugsschiff und schipperten, je nach Sehenswürdigkeiten die Ufer wechselnd, über zwei Stunden die Istanbul Bogazi/Meerenge entlang. Dabei reihte sich eine Sehenswürdigkeit an die andere und wir konnten mannigfaltige Eindrücke sammeln: Unter anderem sahen wir die Sommerresidenz des Staatschefs und die beiden Hängebrücken, die Europa und Asien verbinden, vor allem prächtige Villen in bevorzugter Lage, Paläste, Moscheen, Burgen, repräsentative öffentliche Gebäude, Zweckbauten, Türme, zahlreiche Boote und Schiffe bis hin zu Kreuzfahrtriesen am Bosporus-Kai. Am Schluss legten wir im Ausflugshafen bei der Galata Köprüsü an, wo das Goldene Horn vom Marmara Meer und Bosporus abzweigt.

Abends unternahmen wir eine sagenhafte Lichterfahrt durch Istanbul, die bis nach Mitternacht dauerte. Wir bestiegen den Bus in unserem Stadtteil an der Laleli Camii, bestaunten dort die süßen Auslagen von Koska & Co. und widmeten uns zunächst dem Abendessen in einem urigen Restaurant am Halic. Alsdann fuhren wir auf die Galata Köprüsü, sahen uns in der Nähe die Hafenlichter und in der Ferne die rot beleuchtete Hängebrücke an. Unser nächstes Ziel war die angestrahlte Blaue Moschee, die Sultanahmet Camii mit den sechs Türmen.

Als weitere Attraktion erkoren wir die Oldie-U-Bahn aus, die uns von Karaköy an der Galata Brücke zum Galata Kulesi/Turm und zur abendlichen bzw. nächtlichen Promenaden-Meile Istiklal hoch brachte. Hier erlebten wir den Höhepunkt der Lichterfahrt, indem wir uns stundenlang und kilometerweit inmitten einer beschwingten Menschenmasse froh und heiter durch die festlich beleuchtete Straße wälzten. Und der Busfahrer hatte es (verkehrsmäßig) schwer, uns nach dem Spektakel am Taksim Meydani wieder einzusammeln.

Am Morgen des 29.10.2011 marschierten wir vom Hotel in Laleli über die Ordu- und Yeniceriler-Hauptstraße zum Sultan Ahmet Meydanie und Parki (Platz und Park) mit dem byzantinischen Hippodrom und dem Örme Obelisk. Dann reihten wir uns in die Schlange ein zur Besichtigung der mächtigen Sultanahmet Camii, der Blauen Moschee, mit dem vorangehenden Schuhe-Ausziehen. Mehmet erläuterte uns ausführlich die Hallen und Ornamente, Historie, Sitten und Gebräuche.

Anschließend gingen wir zum sagenhaften Topkapi Sarayi der Sultane, der Jahrhunderte lang ihr Regierungssitz war und eine Märchenwelt repräsentiert, in der ehedem bis zu 5000 Menschen lebten. Der riesige Palast mit seinen herrlichen Gebäuden und Gärten thront auf der Serailspitze zwischen Marmara Meer, Goldenem Horn und Bosporus und bietet einen atemberaubenden Panoramablick auf Istanbul, der zu unserer Zeit leider wettergetrübt war.

Nach der Mittagspause, zu der wir uns in die Gaststätten der Umgebung verteilten, besuchten wir das nahe gelegene Hagia Sophia Museum (Ayasofya Müzesi) und ließen uns von Mehmet die beeindruckenden Räume und ihr Inventar vorführen. Am Abend trafen wir uns auf der Dachterrasse des Hotels zu einem aussichtsreichen, gemütlichen Abschiedsumtrunk, den Andrea und Antje spendierten. Denn die Abreise vollzog sich am 30.10.2011 gruppenweise je nach gebuchtem Flug zu unterschiedlichen Zeiten und Transfers zu den beiden Istanbul-Flughäfen. Die Münchner flogen vom Atatürk Havaalani/Airport im europäischen Gebiet, die Frankfurter Fluggäste vom Sabiha Gökcen Havaalani im asiatischen Bereich. Da meine Gruppe mittags abgeholt wurde, erkundeten wir am Vormittag noch die Hotelumgebung im Stadtteil Laleli bis hinunter zum Fährterminal Katip Kasim. Dabei sahen wir einige schäbigere Häuser nahe der Eisenbahn, abseits der Touristen-Boulevards, was ebenfalls interessant war. Danach fuhren wir über die Hängebrücke in den asiatischen Teil Istanbuls zum Airport Sabiha Gökcen Havaalani, um den Rückflug nach Frankfurt anzutreten.

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Mit Australien hatte ich mich als Spezialgebiet zu meinem Abitur befasst und seit dieser langen Zeit träumte ich davon, dorthin ans „andere Ende der Welt“ zu reisen. Indes waren meine konkreten Reisen im Laufe des Lebens doch von anderen Interessen geprägt, nicht zuletzt war es meine Wanderleiden-schaft, die meine Schritte und Flugbewegungen in die weite Welt lenkte. Im Jahr 2010, in dem wir unser fünfzigjähriges Abiturjubiläum feierten, erfüllte ich mir endlich den lang gehegten Wunsch zu dieser Fernreise und buchte beim ALDI-Reiseveranstalter "Berge & Meer" in Rengsdorf eine vielseitige Erlebnis- und Kulturreise nach Australien und Neuseeland via Singapur.

Zwischenstopp in Singapur

Mitte September, wenn in Neuseeland der Frühling beginnt, flog ich planmäßig von Frankfurt mit Quantas Airways, einem der sichersten Flugunternehmen der Welt mit einem angenehmen Service, in einer Boeing 747-400 in 12 Stunden nach Singapur. Auf dem Flughafen empfing uns die örtliche deutsche Reiseleiterin und ich machte die erste Bekanntschaft mit meinen acht Reisegefährten, 5 Frauen und 3 Männern verschiedenen Alters, Ehepaare und Singles. Nach der Ankunft im Hotel, in einer parkartigen Anlage im Zentrum gelegen, konnten wir bereits einen tropisch warmen Abend in der quirligen Metropole genießen und die vielfältigen Eindrücke aufnehmen, was bei einer Stadtbesichtigung und Rundfahrt am nächsten Tag vertieft wurde. An der Wegstrecke waren einige Vorkehrungen für das gerade bevorstehende Formel-I-Rennen zu sehen. Wir fuhren zur Sky-City am Hafen und bestaunten das imposante „Schiff“, eine Badelandschaft in 200 m Höhe, die ungewöhnliche Konzerthalle und andere markante Bauwerke. Den Kontrast dazu bot uns die farbenprächtige Altstadt mit Tempel und alten Häusern, engen Gassen und Basaren. Als anderes Highlight erwies sich der Botanische Garten einschließlich Orchideenschau. Ein ausgedehnter Bummel im Geschäftszentrum vervollständigte das facettenreiche Bild vom traditionellen und modernen Singapur, dem großen Aufsteiger und Vorbild der Region.

Sydney und Pazifik-Küste

Nach diesem eindrucksvollen Hinflug-Intermezzo begaben wir uns noch am Abend zu unserem 7,5-stündigen Weiterflug nach Australien und landeten um 5 Uhr morgens in Sydney, der Heimatzeit 8 Stunden voraus. Wer nicht zu müde war, verschmähte wie ich das bereit stehende Hotelbett und begab sich alsbald zu einer ersten Stadterkundung, bevor am Nachmittag eine Rundfahrt und Küstenwanderung folgen sollten. Vom günstig in der Stadtmitte platzierten Hotel zog ich die York Street entlang, frühstückte in der Market Street und begab mich über die George Street zum Herzen Sydneys, dem belebten und beliebten Hafenareal mit dem Circular Quay, the Rocks, Harbour Bridge und Opera House, dem weltberühmten Wahrzeichen. Die Parkanlage am Quai, wo auch Folkloregruppen, Sänger, Musiker auftraten, erkor ich sogleich zu meinem Lieblingsplatz, nur 15 Minuten Fußmarsch vom Hotel entfernt.

Auf der Stadtrundfahrt führte uns „Ulli“ (Ulrike, aus Deutschland stammend), die mit ihrem Reisebüro den gesamten Australien-Aufenthalt koordinierte und organisierte, u. a. zum Darling Harbour, an die Woolloomooloo Bay, Watsons Bay sowie an den Bondi Beach östlich und nördlich von Sydney, eine wunderbare Küsten-Wanderung bei herrlichem Wetter eingeschlossen. Am Abend unternahm ich noch mit Romy eine Wanderung über die Harbour Bridge, um das Hafenpanorama aus der Vogelpers-pektive zu betrachten.

Zentral-Australien am Ayers Rock

Schon am nächsten Morgen flogen wir mit einer Boeing 737-800 der Quantas zum Wüstenflugplatz Uluru in Central-Australia, wo wir mittags landeten und uns unser deutscher Guide in Empfang nahm sowie zum ländlichen Bungalow-Hotel brachte. Es ging schnell weiter zu einer Wanderung in den Olgas, einer Formation aus Kuppeln von verbackenem Geröll, von den Ureinwohnern Kata Tjuta genannt. Der Jahreszeit völlig zuwider wurden wir hier von einem kräftigen Regenguss durchnässt, sodass wir anschließend in unserem Kleinbus mit nassen Hosen bei Sekt, Snacks und guter Stimmung auf den viel gepriesenen Sonnenuntergang am Ayers Rock warteten, und zwar vergeblich, denn die Sonne schaffte es nicht, das winzige Loch in den Wolken aufstrahlend zu durchbrechen. Und der Sonnenaufgang fiel ebenfalls mickrig aus, weil uns eine böswillige Reifenpanne daran hinderte, rechtzeitig auf die richtige Seite des Ayers Rock zu gelangen. Nach einem opulenten Frühstück im Kulturzentrum erschlossen wir den Ayers Rock allerdings ausgiebig ringsum durch kleine Wanderungen zu skurrilen Felsen, Höhlen, Wasserlöchern bis zum Flughafentransfer am Nachmittag.

Cairns mit Great Barrier Riff und tropischem Regenwald

Der Flug mit einer Boeing 717 nach Cairns, Hafenstadt im tropischen Queensland, dauerte nur 2:30 h, aber bei Ankunft im Hotel um 18.30 Uhr dunkelte es bereits und wir erholten uns am Abend für den ganztätigen Bootsausflug zum Great Barrier Reef, dem größten Korallenriff der Erde. Mit einem Katamaran fuhren wir hinaus auf’s offene Meer zu der unbewohnten Koralleninsel Michaelmas Cay, wo wir mit einem Wassertaxi (Zubringerboot) zum Schnorcheln an Land gesetzt wurden. Aufgrund der Anweisungen durch die (deutsche) Reiseleiterin klappte es einigermaßen und alle konnten die Unterwasserwelt mehr oder weniger ausgedehnt in Augenschein nehmen. Zurück an Bord stärkten wir uns am reichhaltigen Büffet für die anschließende Fahrt im gläsernen U-Boot entlang des Riffs. Ich hatte mir die Korallen eigentlich farbiger vorgestellt, aber beeindruckend war es auf jeden Fall. Bei der Rückfahrt zum Hafen kam indes heftiger Seegang auf und etliche Teilnehmer auf dem schlingernden Katamaran befüllten die Papiertüten oder fütterten die Fische direkt über die Reling, was mir glücklicherweise erspart blieb.

Der interessante Tag im Wooroonooran Nationalpark war auf andere Weise spektakulär, und zwar fuhren wir im Kleinbus mit unserem Guide Wolfgang, nachdem wir noch einpaar deutsche Urlauber aus einem anderen Hotel abgeholt hatten, in die höchsten Berge Queenslands 25 km südlich von Cairns zu einem der üppigsten und ältesten Regenwälder der Erde. Da es im Regenwald regnet, bekamen wir alle von Wolfgang einen großen Regenschirm, sodass wir die gigantischen Bäume, den vielfältigen Pflanzenbewuchs, die Stromschnellen und Wasserfälle einigermaßen trocken betrachten konnten. Einen Höhepunkt stellte der Mamu Rainforest Canopy Walkway dar - ein Stahlsteg, auf dem man 30 Meter über dem Urwaldboden durch die Baumwipfel schreitet und an dessen Ende ein stählerner Aussichtsturm Ausblicke ins Tal und auf die Höhen gewährt. Von oben sahen wir auch eine Python, die irgendein Tier verschlungen hatte.

Zwischendurch machten wir Mittagspause im Städtchen Innisfail und in der Nähe besuchten wir eine Krokodilfarm, wo die unter Naturschutz stehenden Reptilien für Verwertungszwecke gezüchtet werden. Die Besucher durften kleinere Echsen und Schlangen auf den Arm nehmen (wie Inga), während die Großen hinter Drahtzäumen dösten oder gefüttert wurden.

Neuseeland Nordinsel mit Auckland, Waitomo, Matamata, Rotorua

Allzu schnell verging die Zeit in Cairns und seiner reizvollen tropischen Umgebung und Quantas brachte uns per Boeing 767-300 mit Zwischenstopp in Sydney nach Auckland auf der Nordinsel Neuseelands, wo wir abends ankamen. Auf der Stadtrundfahrt begaben wir uns als erstes auf den begrünten Aussichts-Kraterberg, um das Hafenstadt-Panorama anzuschauen. Sodann besichtigten wir ausgiebig das Auckland-Nationalmuseum, wo unsere neue deutsche Reiseleiterin Claudia zum ersten Mal eindrucksvoll bewies, über welche profunde Kenntnis Neuseelands, wo sie mit ihrer Familie seit Jahren lebte, sie verfügte und welches ungeheuere Wissen sie auf nahezu allen Gebieten ausbreiten konnte. Dokumentiert durch die vielfältigen Museumszeugnisse erlebten wir die Besiedlung und Geschichte Neuseelands, Zusammensetzung der Bevölkerung, Entwicklung und Eigenheiten der Kultur, Fauna und Flora.

Anschließend bummelten wir durch die geschäftige Parnell Road, fuhren zum Strand an der Hobson Bay, zum Hafen und Fähranleger an der Freemans Bay. Am freien Nachmittag hielt ich mich mit Jutta und Romy vor allem auf dem Auckland-Tower auf, wo wir die herrliche Rundumsicht genossen. Danach trafen wir Inga und Konrad in der Sky-City und speisten zusammen in einem Fischrestaurant am Hafen zu Abend.

Unsere Neuseeland-Busrundtour ging am nächsten Morgen nach Waitomo, wo wir einschließlich unterirdischer Kahnfahrt die Glühwürmchen-Grotte kennenlernten, die auch Stalaktiten und Stalagmiten aus Kalkstein enthält. Dann wurden wir mit dem typisch ländlichen Neuseeland bei Vorführung einer Schafschur auf einem Farmerbetrieb in Matamata konfrontiert. Im nahe gelegenen Cambridge erwarteten uns die Farmer, die uns in Kleingruppen für einen Nachmittag, Abend und eine Nacht auf ihre Farmen mitnehmen sollten, um uns vertiefende Einblicke in das neuseeländische Landleben zu bieten. Ich kam mit Andrea und Bodo auf die idyllische Farm von Georgia und John, der als pensionierter Steueramtmann mit relativ wenig Aufwand und Arbeit, aber als lukratives Geschäft Rinder im Alter von drei Monaten kaufte und bis zur Schlachtreife aufzog. Die hügeligen Farmweiden inspizierten wir in Gummistiefeln, dazu gehörten ein Pinien- und Eukalyptuswald, Bachlauf und größerer Teich, den Garten zierten außer Blumen ebenfalls verschiedene Zitrusfrüchte, das Trinkwasser stellte John auf natürliche Weise aus Regenwasser her, das Haus aus Stein und Holz mit einem großen Kamin war in Eigenregie errichtet worden. Wir wurden mit einem mehrgängigen Abendmenü und vorzüglichen Frühstück verwöhnt und verbrachten den Abend plaudernd bei Rotwein.

Eine Orientierungsfahrt ins geothermale Zentrum Rotorua bildete das weitere Programm. Wir fuhren ins Wai-o-tapu Wonderland der heißen Quellen mit Devils Home, Regenbogenkrater, Donnerkrater, Devils Ink Pots, Opalsee, Austernteich, Champagner Pool, Devils Bath, Schwefelhöhle, Primelterrassen, Infernokrater, Jean Batten und Waiotapu Geyser. Zwei Ranger, unterstützt von Claudia, brachten uns die Sehenswürdigkeiten nahe. Wir ergingen uns in den erblühenden Parkanlagen von Rotorua am See und besuchten das TE PO-TE PUIA Reservat mit Geysiren und Schlammpools, Maori-Tempel, Handwerksschule und Schnitzerkunst sowie Kiwi-Nachthaus, wo wir den flugunfähigen Kiwi – das Wahrzeichen Neuseelands – im Halbdunkel beobachten konnten. Hier wohnten wir am Abend einem Maori-Konzert und Hangi (üppiges Mahl nach alter Sitte) bei.

Neuseelands Hauptstadt Wellington

Die nächste Reiseetappe führte in Neuseelands Hauptstadt Wellington. Wir passierten den Waikato-River, der uns mit 400 km Länge als größter Fluss Neuseelands schon mehrfach begleitet hatte, pausierten in Taupo, fuhren am gleichnamigen See entlang, durchquerten den Tongariro Nationalpark, stießen in Taihape auf den Overlander-Train und erreichten nach 460 km Wellington. Als erstes fuhren wir auf den Aussichtsberg Mount Victoria und betrachteten die Hauptstadt von oben. Alsdann schauten wir uns die Regierungsgebäude und das Parlament, den sogenannten Bienenkorb, von außen an. Eine Besichtigung der alten Holzkirche „Old St. Paul’s“ folgte, bevor wir unser Hotel „The Bay“ (mit Fensterblick auf Bucht und Hafen) bezogen. In der knappen Freizeit bis zum Einbruch der Dunkelheit und am Abend wurden individuelle Stadterkundungen vorgenommen: mit dem Cable Car zum Botanischen Garten, Schlendern auf der Oriental und Hafenpromenade, Innenstadtbummel.

Neuseelands Südinsel - Nelson und Abel Tasman Nationalpark

Schon am Morgen fand die Überfahrt mit der Fähre über die Cook-Straße und entlang des Queen Charlotte Sounds von der Nord- zur Südinsel Neuseelands nach Picton statt. Fahrer Bob mit einem neuen Kleinbus erwartete uns und brachte uns, Weinfelder, Rinderweiden und die typische gelb-grüne Wald-Ginster-Berglandschaft passierend nach Nelson, Stadt der Gärten, Galerien, Kunsthandwerker. Im Vorort Richmond machten wir einen Abstecher auf die Höhe und erfreuten uns wunderbarer Ausblicke über die See bis hin zu schneebedeckten Bergen. Bevor wir unser Nobelhotel „Monaco Nelson“ bezogen, genossen wir noch eine umfangreiche Weinprobe in einem bekannten Weingut auf dem Lande und konnten feststellen, wie die süffigen neuseeländischen Weine mundeten.

Das nächste Spitzenerlebnis war nicht an der Weiterreise orientiert, sondern wir unternahmen einen Tagesausflug von Nelson in den Abel Tasman Nationalpark. Mit einem Katamaran, der an seichten Stränden anlegen konnte, fuhren wir von Kaiteriteri entlang der Küste des Abel Tasman NPs nach Totaranui und wanderten auf einem Teilabschnitt des berühmten Abel Tasman Küsten-Wanderweges zurück. Einsame Buchten, goldene Strände, plätschernde Bachläufe lagen an unserem aussichtsreichen Weg, der auch über einige Höhen verlief.

Neuseeländische Alpen: Fox Glacier, Wanaka, Arrowtown, Queenstown, Te Anau, Milford Sound

Die längste Reiseetappe mit dem Bus von 500 km legten wir von Nelson nach Fox Glacier an der rauen Westküste zurück. Unterwegs trafen wir auf die gewaltigen Punakaiki Pancake Rocks (Pfannkuchenfelsen). Am nächsten Morgen stand der Gletscherbesuch (Fox Glacier Walk) an, bevor wir nach Wanaka weiter fuhren und einen faszinierenden Klima- und Vegetationswechsel erlebten. In Wanaka mit dem gleichnamigen See, wo wir übernachteten, empfing uns frühlingshafte Milde nach dem Gletscheraufenthalt. Vor unserem nächsten Quartier in Te Anau steuerten wir zwei Städte als Reiseziele an. Wir ergingen uns in dem ehemaligen Goldgräberstädtchen Arrowtown, in dessen Nähe wir noch Bungy-Jumping über einem Fluss von einer Brücke herunter beobachteten. Im blühenden Queenstown machten wir Mittagspause und speisten bei frühlingshaften Temperaturen draußen in der einladenden Fußgängerzone.

Zum Übernachten, das in Queenstown erst auf der Rückreise stattfand, begaben wir uns erstmal nach Te Anau. Von hier aus unternahmen wir nämlich den Tagesausflug in den legendären Milford Sound, der als eine der schönsten Fjordlandschaften der Welt gepriesen wird. Der Höhepunkt bestand in einer Schiffsfahrt durch den wildromantischen Fjordland Nationalpark, unseren Weg säumten tiefgrüne Steilhänge mit sprühenden Wasserfällen. Anschließend erfolgte der Bustransfer nach Queenstown, wo wir den Abend und die Nacht verbrachten.

Die letzte Neuseeland-Tour führte uns abwechslungsreich quer über die Südinsel durch das Mackenzie Country nach Christchurch. Wir erlebten zunächst eine Berglandschaft mit karger Vegetation, wo nur einpaar Schafe weideten, aber mehrfach unterbrochen durch größere Seen, die den Blick auf schneebedeckte Berge freigaben wie der Lake Telapo oder Lake Pukaki, an dem wir in Twizel Mittagsrast einlegten, was vier von uns für einen kleinen Rundflug über die Gletscher auskosteten.

Erdbebenstadt Christchurch

Gespannt näherten wir uns schließlich unserem Ziel, der „Erdbeben-Stadt“ Christchurch, die uns mit blühenden Vororten empfing. Auf einer Stadtrundfahrt verschafften wir uns einen Überblick und konstatierten, dass sich die Verwüstungen durch die Naturgewalten und die Baustellen sowie Absperrungen in der Innenstadt in engeren Grenzen hielten, als wir aufgrund der dramatisierten Berichterstattung in der Heimat befürchtet hatten. Daher konnten wir durchaus mit Freude noch zu Fuß die Sehenswürdigkeiten Christchurchs, Denkmäler, Parks, Avon River, Oldy-Tram, nicht zuletzt die Kathedrale, in der wir trotz eingerüstetem Altarraum ein Chorkonzert anhörten, in Augenschein nehmen. Unser Hotel in der Stadtmitte war unbeschädigt und wir waren zuversichtlich, auch das für die Nacht angekündigte Nachbeben von 5,3 auf der Richterskala heil zu überstehen. Ich hatte den Erdstoß gar verschlafen und gar nicht gespürt. Am Ende erwies sich gleichfalls der Flughafen als intakt und voll funktionsfähig, sodass wir getrost mit unserer Quantas-Boeing 737-800 nach Sydney in Australien durchstarteten.

Sydney zum Abschied mit Blauen Bergen

In Sydney erwartete uns noch ein Tagesausflug zum Hochplateau der Blue Mountains. Zu unserem Glück lichteten sich bald die morgendlichen Wolken, sodass wir die herrlichen Ausblicke auf die blauen Berge zwischen Eukalyptusbäumen und Felsen sowie blühenden Gärten in den Dörfern wahrnehmen und gar die Dreier-Felsen „The Three Sisters“ erspähen konnten. Ein Besuch des Featherdale Wildlife Parks mit den heimischen Tieren wie Känguru, Koala, Krokodil, Schlangen und Vögeln fügte sich vor der Heimfahrt an.

In Sydney hatte ich gerade noch Zeit, um auf den Sky Tower (Sky Deck 220 m) hochkatapultiert zu werden und die schöne Stadt in der Abenddämmerung von oben zu betrachten. Am Vormittag des Abflugtages war dann noch Gelegenheit, am Hafenplatz Abschied zu nehmen.                              Mit einer Boeing 747-400 brachte uns Quantas in 22 h mit Zwischenstopp in Singapur nach Frankfurt zurück, wo wir am 07.10.2010 um 6.00 Uhr ankamen und diese fantastische Erlebnis- und Kulturreise mit der Verabschiedung von den Urlaubsgefährten beendeten.

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Von den märchenhaften Kulturschätzen Chinas hat man schon viel gehört, gelesen, in Bild und Film gesehen – vielleicht erinnert man sich auch, dass die UNESCO dort etliche Baudenkmäler und Kunstgegenstände schon vor Jahren in das Weltkulturerbe eingereiht hat. Und das gilt kaum mehr für eine Stadt als für Peking oder Beijing. Aber die faszinierende Realität übertraf dann doch die gehegten Erwartungen und Vorstellungen, wie wir auf der hervorragend organisierten Chinareise von PTA-Tours unter der versierten Reiseleitung von Andrea Baumeister vom 10. – 18. September 2006 erfahren durften.

Weltkulturerbe Peking

Wir bestaunten im Herzen Pekings den größten Platz der Welt – den „Platz des himmlischen Friedens“ -, umrahmt u. a. vom Mao-Mausoleum, dem Volkskongress und vor allem dem „Tor des himmlischen Friedens“, das uns den Zugang zum legendären Kaiserpalast in der ehemals „Verbotenen Stadt“ eröffnete. Unüberschaubar und kaum zu fassen: Der Kaiserpalast, der ab 1406 erbaut wurde und 24 Ming- und Quing-Kaiser mit ihrem jeweiligen Hofstaat beherbergte, besteht aus 8700 Hallen- und Palastbauten auf einer Fläche von 720 000 qm. Da konnten wir ausgiebig wandern, um etwa das Tor und die Halle der „höchsten Harmonie“, das Tor der „göttlichen Stärke“oder den Pavillon der „ewigen Jugendlichkeit“ im Palastgarten und die vielen anderen Kostbarkeiten zu bewundern.

Nicht weniger reizvoll und anmutig erwies sich der ausgedehnte „Himmelstempel“-Park mit seinen pittoresken Monumenten und Anlagen wie der „Halle der Ernteopfer“ auf einer Marmorterrasse – Himmel und Erde symbolisierend -, der „Halle des Himmelsgewölbes“ und allen voran der frei stehende „Himmelsaltar“, auf den wir emporstiegen und der uns herrliche Rundblicke auf die Stadtsilhouette gewährte. Gleichfalls begeisterte uns der „Beihai-Park“ mit seinen wiederum malerisch anmutenden Gebäuden am See und auf der Insel, besonders die „Drachenmauer“ und die Weißpagode „Baita“. Aber der kaiserliche „Sommerpalast“, den See „Kunming“ sowie den Berg „Wanshou“ umfassend, stand dem keineswegs nach. Wir wanderten durch den „langen Wandelgang“, vorbei an der Theaterbühne im Garten der „Jugend und Harmonie“ oder am Marmorschiff. Und auch der mächtige Tempel im Pekinger Lamakloster mit seinen imposanten Gebäuden und wertvollen Schätzen versetzte uns erneut in Erstaunen.

Unseren Wissensdurst stillte „Li“, unsere kompetente und charmante Fremden- und Wanderführerin, in perfektem Deutsch und mit einem unerschöpflichen Kenntnisreichtum. Während der Busfahrten machte sie mit uns noch chinesische Sprachübungen und führte uns grundlegende Sprachbilder und ihre Zusammensetzung auf selbst angefertigten Tafeln vor Augen. Darüber hinaus bot sie uns kulinarische Vielfalt mit unterschiedlichen köstlichen Gerichten in verschiedenen Pekinger Stadtteilen zu Mittag und Abend und die Original-Pekingente – unübertroffen im Vergleich zu unseren Chinalokalen – war ebenfalls dabei. „Li“ entführte uns sogar in die „Beijing-Opera“. Ebenso wenig fehlte selbstverständlich ein Besuch der Pekinger Altstadt – Beijing Hutong -, wo wir eine Familie in ihrem Hofhaus kennen lernten (Computer und Internetanschluss waren übrigens vorhanden). Die alten Flachbauten, Rikschas und Fahrrad-Kohlenhändler bildeten indes einen eindrucksvollen Kontrast zum vorherrschenden modernen Peking, das wir gleich zu Beginn auf einer Stadtrundfahrt in Augenschein nahmen: riesige Hochhäuser verschiedenster Art, gewaltige mehrstöckige Brückenbauwerke, achtspurige Straßen voller Autos, Unmengen von Fußgängern und Radfahrern dazwischen, das Olympia-Stadion im Bau.

Changling und Badaling

Zwischendurch fuhren wir zu den Tian-Shou-Bergen – 50 km außerhalb Pekings – und besichtigten die monumentalen Minggräber mit der berühmten Steinfiguren-Allee und der Grabanlage von Changling. Anschließend machten wir unsere erste Bekanntschaft mit der Großen Mauer – Weltkulturerbe seit 1987 –, und zwar am Badalingpass. Dabei handelt es sich um das gut ausgebaute Vorzeigestück des „Great Wall“, der uns trotz Touristengetümmel und Verkaufsrummel mit seinen Erhebungen in den Bann zog und aussichtsreiche Bergeshöhn erklimmen ließ.

Wandertreffen in Gubeikou und Simatei

Damit waren wir jedenfalls eingestimmt auf den absoluten Wanderhöhepunkt dieser fantastischen Reise: das zweitätige IVV-Wandertreffen der Chinesischen Volkssport-Vereinigung (CVA) in Gubeikou – 180 km von Peking entfernt in den Bergen gelegen –, wo wir in einem Landhotel übernachteten. Die CVA-Vorsitzende hatte uns – freundlich und zuvorkommend, wie die Chinesen sind – bereits bei unserer Ankunft in Peking willkommen geheißen und geduldig erwartete man unsere wegen eines Verkehrsstaus verspätete Ankunft zur Eröffnungsveranstaltung der „Gubeikou Walking Convention“ mit Begrüßung der Wanderer aus den verschiedenen Nationen.

Die Wanderstrecke war mit Fahnen aufwendig markiert und über Straßen und naturbelassene Pfade marschierte das bunt gemischte Wandervolk – wir mit Deutschlandfähnchen und -kappen sowie T-Shirts der chinesischen Wanderfreunde ausgestattet – zur Großen Mauer in den Bergen von Gubeikou empor. Der Great Wall, hier mehr mit romantischen Turmruinen und bewachsenen Mauerfragmenten bestückt, bescherte uns bei strahlendem Sonnenschein ein einmaliges Erlebnis der umgebenden Berglandschaft. Der Rückweg führte uns nach mehr oder weniger rasanten Abstiegen durch Bauerndörfer wieder ans Ziel nach Gubeikou.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Simatei, um einen ehemals wichtigen Verteidigungsabschnitt der Großen Mauer, der durch viele Türme mit Zinnen und Schießscharten geprägt ist, unter unsere Schuhsohlen zu nehmen. Am Fuße der Mauer angekommen, pflanzte der CVA zur Feier des Tages noch einen Baum. Wir wanderten dann auf der gut erhaltenen und restaurierten Maueranlage zu Tal, überquerten auf einer Hängebrücke den Zufluss zum Simatei-Stausee und dann ging es wieder, z. T. über mächtige Treppen, aufwärts und schließlich seitlich hinab nach Simatei zur Sperrmauer, unserem Start und Ziel. Den Unermüdlichen ermöglichten die liebenswürdigen Wanderführer noch einen höheren Aufstieg zum „Wangjinglou“ (fast 1000 m hoch) mit faszinierenden Ausblicken auf Berge, Täler, Stausee.

Zurück in Peking, wo wir ein letztes Mal die Nacht in unserem erstklassigen Hotel verbrachten und in einem vorzüglichen Lokal speisten, konnten wir uns einig sein, einige der sicherlich schönsten Perlen des Weltkulturerbes angeschaut und auf angenehmste Weise hautnah erlebt zu haben.                                                     Dieser Reisebericht kann auch per E-Mail unter dietrichpukas@t-online.de angefordert werden.